Artikel: Aus den Schulterblicken hervorgeholt: Basti zeigt wie es geht - Herrenhose - traditionell genäht

  • Jetzt geht mir das nicht aus dem Kopf...


    traditionell.... was meinen die anderen?


    Ich wollte keinen WIP machen, wie man Hosen vor 100 Jahren gemacht hat, denn ginge ich nach den ABC Heften (Für die anderen: Das sind Hefte, die damals die Lehrlinge von den Betrieben, der Berufsschule oder Handwerkskammer zum üben bekamen), müsste ich auch alles mit der Hand überwendeln usw. sondern meine Definition von traditionell war, dass ich eine Hosenverarbeitung zeige, die man heute so vom Schneider bekommen würde, wenn man eine Hose in Auftag gibt....


    :confused:

  • Nein, natürlich habe ich nicht erwartet, das Du dem ABC folgend, Deine Hose auf dem Tisch sitzend mit der Hand nähst ...


    Dann müsste man wohl erst den Begriff "Tradition" definieren.


    Meiner Meinung nach, hat Tradition mit Überlieferung zu tun, also etwas was in der Vergangenheit seinen Ursprung nahm. Natürlich entwickelt sich viel weiter, Brauchtum etwa.
    Was wäre denn das Gegenstück zu Tradition? Etwa das Moderne?


    In Bezug auf ein Kleidungsstück sagen aber beide Begriffe nicht viel aus: Eine tradionelle Hose? Eine moderne Hose?


    Vielleicht ist die Bezeichnung "klassisch" passender: Eine klassische Hose?


    Ein Schneider wird Dir sicher jede Art von Hose nähen, nach der Du verlangst. Und jeder Schneider hat wohl auch seine eigenen Ansprüche, was Verarbeitung betrifft.


    So recht komme ich dann auch nicht weiter.


    Achja, und gute Besserung!

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  • Für *mich* steht traditionell im Kontrast zu industriell.


    Industriell halt auf die effiziente bis billigste Fertigung optimiert und für den breiten Teil der Bevölkerung "passend", also dass was die Bevölkerung sich selbst als passend verpasst, nicht, wie es der Fachmann beurteilen würde!



    Traditionell, da stehen nicht Gewinnoptimierung und Massenmarkt im Vordergrund, sondern die "perfekte" Hose, nach handwerklichen Grundsätzen gearbeitet. Frage mich gerade, ob ich da auch einen Maßschnitt mit voraussetzen würde, denke aber das dies nicht so ist.



    Nach diesen Überlegungen ist für mich Deine Arbeit sehr traditionell.

  • Thorsten, genauso hatte ich mir das auch gedacht.


    Und ich finde, ein Maßschnitt gehört dazu. Oder gute Schablonen, die auf die jeweiligen Beine abgestimmt werden.


    Jonny, eben drum. Das Thema hattest du in den Raum geworfen, daher dachte ich mir, du hättest dir vorher Gedanken um das Thema gemacht und könntest jetzt Argumente aufzählen, warum es eben nicht traditionell ist. Daher wollte ich wissen, was deiner Meinung nach die traditionelle Fertigung einer Hose ausmacht.

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  • Weiter geht's.


    Die Paspeltaschen zeige ich nicht extra. Erstens findet man überall Anleitungen dazu und zweitens habe ich die gestern, weil ich schniefend auf der Couch gefesselt war, komplett von Hand gefertigt. Bevor ich das Knopfloch nähe, wird der untere Taschenbeutel angesteppt.


    Für das Knopfloch sollte man den Bereich drumherum am besten kurz vorreihen. Dann können sich die Lagen nicht verschieben. Da ich bei dieser Methode das Knopfloch mit durch den unteren Taschenbeutel anfertige, ist das ganz nützlich.


    DSC_0375.jpg


    Erst zeichnet man sich die Länge auf und stanzt das Loch mit einer Lochzange aus. Von der Mitte des Lochs schneidet man bis zum Knopflochende. Das überwendel ich mit ein paar Nadelstichen und steppe dann mit der Maschine einmal drumherum ab. Das dient als Orientierung der späteren Stiche. Vorzeichnen ginge auch, aber ein Kreidestrich ist zu dick und diese Wunderstifte verschwinden viel zu schnell oder gar nicht.


    Dann fertige ich mir eine Gimpe. Dazu nehme ich einen Knopflochfaden doppelt und verzwirbel ihn. Bei dünneren Stoffen reicht ein einfacher Faden.
    DSC_0380.jpg


    Ich bin kein Freund vom Gütermann Knopflochgarn. Das auf der grünen Spule. Das hat keinen schönen glanz und ist irgendwie "strohig". Hatte leider in schwarz nur dieses. Dunkelbraun muss ich mir zulegen.


    Wichtig ist, dass der erste Stich von oben! durch den Stoff geführt wird, da sich der Faden sonst später nicht verschlingen kann.
    DSC_0381.jpg
    Den zweiten Stich führe ich wieder nach oben, lege den Faden um die Nadel und bilde damit eine Schlaufe. Dadurch wird die Gimpe gelegt und die Schlaufe wird fest gezogen. Ein Knoten an der Schnittkante entsteht. Diesen Stich führt man nun einmal komplett um das Knopfloch herum. Am Ende wird ein Riegel genäht.
    DSC_0382.jpg DSC_0383.jpg


    DSC_0385.jpg


    Ich hatte vor in nächster Zeit einen eigenen KnopflochWIP zu machen, daher hier nur ganz kurz gezeigt.

  • Den Taschenbeutel ziehe ich nun bis über die Hinterhose hinaus und nähe einen Knopf auf die gegenüber liegende Beutelhälfte. Dann kann ich die Tasche schließen, den Taschenbeutel rund herum absteppen.


    DSC_0386.jpg



    Oben schließe ich den Taschenbeutel, in dem ich durch den oberen Paspelnahtschatten steppe. Der restliche Taschenbeutel geht richtung Bundkante und verdeckt die aufgeschnittenen Abnäher :)


    DSC_0388.jpg


    Aber guckt euch das an... meine Overlock spinnt. Die schneidet nicht wirklich und verzieht ohne Ende... das Endergebnis von innen schaut nun bescheiden schief aus.... *grummel* GSD nur von innen. Aber bevor ich weiter an der Hose arbeite, muss die Maschine erst wieder richtig laufen. Sonst versaue ich mir alles.

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  • wow, sehr schicke paspeltasche! da hab ich aber mal ne Frage zu - wie sieht das ganze jetzt unter dem Taschenbeutel aus? Wenn ich mir meine Hose in der gleichen Ansicht wie auf deinem letzten Foto anschaue, ist alles hübsch und sauber und ordentlich - auch von rechts ist alles hübsch. Aber unter dem Taschenbeutel franselt der aufgeschnittene Stoff samt unbersäubertem Paspelstreifen irgendwie recht häßlich vor sich hin. Ich hab die Papsel brav nach Anleitung genäht, aber das gefällt mir überhaupt nicht - wie verarbeitet man denn das gescheit? Ok, den Paspelstreifen hätte ich versäubern können, aber die "Nahtzugabe" nach dem aufschneiden?
    Vermutlich hab ich mal wieder nur nen Denkfehler im System, aber irgendwie...ich habs jetzt nachträglich gezackelt, aber hübsch ist anders :(


    Noch ne Frage zu dem Knopf - ist das obligatorisch? oder kann man den auch getrost weglassen?

    Liebe Grüße,

    nagano


    Neues im Blog (Update 04.05.): Zwischenstand.

  • Nun, du kannst die Paspelstreifen versäubern, wenn du magst. Die Einschnitte werden von dem Papselstreifen verdeckt. Das einzige, was bei meiner Tasche unversäubert ist, ist der obere Paspelstreifen. Hätte ich machen können, aber wozu? Er wird ja vom Taschenbeutel versteckt.


    Ich versäuber grundsätzlich nur das, was man sieht oder irgendwann durch ausfransen kaputt gehen würde.


    Der Knopf... du kannst auch eine Lasche machen. Aber irgendwie musst du das schließen, sonst springt dir die Tasche auf, wenn irgendwas drinn ist.

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  • Bin immer wieder begeistert von deinen WIP´s.
    Bitte denk an dein Versprechen mit den Knopflöcher. Ich würde diesen WIP wirklich dringend brauchen.
    Ich nähe meine Knopflöcher gerne mit der Hand, da meine Maschine sie nicht wirklich exakt näht. Ich werde nur leider vor allem aus Foto Nr. 383 nicht schlau. Und was machst du mit der Gimpe? Auf der Rückseite vernähen?


    LG, die "Paulamaus" aus dem alten Forum, die sich jetzt Lizzy nennt.

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  • Tut mir leid, ich kappiers leider noch immer nicht. Was passiert mit der Gimpe wenn das Knopfloch fertig ist? In meinem alten Buch wird diese nämlich auf der Rückseite vernäht. Außerdem hab ich inzwischen auf meiner Suche nach dem perfekten Knopfloch bereits gefühlte 100 verschiedene Anleitungen gefunden, jedoch für mich selbst noch nie ein wirklich perfektes Knopfloch hingekriegt.
    Derzeit warten 2 Winterjacken nur noch wegen ebendieser Knopflöcher auf ihre Vollendung.

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  • So war das nicht gemeint ;)
    aber da ist nicht viel zu erklären. Stich ist immer der Selbe.... das ist wirklich nur Übung. Ich übe auch noch fleißig und ich weiß nicht, wie viele ich schon von den Dingern gemacht habe... immer noch bin ich nicht zu frieden und jedesmal macht man es ein wenig anders... also nicht verzweifeln!

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  • Hey ho...


    immer noch nicht ganz fitt und seit einigen Tagen zum Nichtraucher mutiert, geht es mit gesunkener Frustrationsgrenze weiter vorran. Viel habe ich heute nicht geschafft :(


    Heute war wieder so ein "Köln-Hat-Kein-Licht-Tag" von wegen Kölner Lichter.... daher schlechte Fotos :/


    Weiter gings mit dem Knopfteil. Den habe ich mir fixiert und an die VM angesteppt. Die Nahtzugabe muss wird auseinandergebügelt.
    DSC_0398.jpgDSC_0399.jpg


    Dann schneide ich mir zwei Bundteile und fixiere die mit Stanzband. Danach ordentlich dressieren. Das heißt die Seite, die später an die Hose kommt, wird stark gedeht und das, was als Weite in Wellen entsteht, bügelt man im oberen Bundbereich wieder ein. Somit wird der Bund oben enger als an der Seite zur Hose. Das gleiche macht man mit dem Bundband, Bundfutter oder Hosenbund. Gibt da mehrerer Bezeichnungen.


    DSC_0400.jpg DSC_0402.jpg
    DSC_0405.jpg
    Die Gürtelschlaufen werden kurz an die Hosenoberkante angeheftet.
    http://www.hobbyschneiderin.net/attachment.php?attachmentid=2826&d=1351539406
    Ich mache für die Schlaufen einfach einen langen Schlauch und zerschneiden den fertigen Schlauch in so viele Gürtelschlaufen, die ich brauche.
    DSC_0402.jpg


    Danach setzte ich den Bund mit der nun langen Seite an die Hosenoberkante und steppe ab. Auf der linken Hosenseite brauchen wir für den Haken bzw den Verschluss ein wenig mehr Bund. Hier also etwas überstehen lassen. Die andere Seite der Gürtelschlaufen hefte ich in einem Arbeitsschritt nun an die Bundkante oben.
    DSC_0403.jpg
    Das Bundfutter wird nun ganz einfach von der rechten Seite auf die Rechte Seite des Bundes gelegt und ganz scharf abgesteppt. Danach braucht man das Bundfutter nur runter zu klappen, einmal kräftig zu bügeln und der Bund ist größtenteils abgefütter.
    DSC_0406.jpg


    DSC_0408.jpg




    Die Hintere Mitte erhält wieder ein Schrägband.


    DSC_0409.jpg
    Den Rest gibts dann morgen :)

  • Ich schick dir mal einen rein virtuellen Motivationskeks, weiß wohl, warum so wenig fertig wurde heute... :o. Ich freue mich schon auf die neue Hose bzw. Fotos davon. (Hat ja was, wenn man die Innenausstattung der Herrenbeinkleider Bekannter so genau kennt... *gg*)

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  • Wow! Ich bin noch lange nicht so weit soeine Hose zu nähen, noch selbst einen Schnitt zu zeichnen, aber ich finde es wahnsinnig interessant und toll, dass du diesen WIP zur Verfügung stellst. Man lernt halt immer dazu und wenn ich soweit bin, dann probier ich das sicher auch mal! :daumen:


    lg, chrissi

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  • Sehr schöner WIP weiterhin :), wenn ich mal "gross" *lol* bin und nicht nur "Spielklamotten" trage, dann will ich auch mal so eine Hose nähen.



    Wären doch nur die Fotos nicht so grausig.... ob das am Hintergrund liegt? Weißer Hintergrund und dann so dunkler Stoff!?


    Die meisten Bilder sind mit Blitz gemacht, oder? Für mich wirkt das tlw. so, als wenn Deine Kamera dann einfach zu stark blitzt, u. U. auch, weil sie auf den dunklen Stoff misst. Probiere entweder mal die Blitzleistung runter zu setzen, auf die weisse Fläche messen, oder wenn das alles nicht geht, so viel zoomen wie möglich und auf den Stuhl stellen für mehr Abstand.


    Danach beten, dass die Kamera genug Dynamikumfang bietet und das auch in das Bild gespeichert bekommt (und es bei der jpg Erzeugung nicht einfach nur absäuft), dass man ggf. mit Schattenaufhellung den Stoff besser erkennbar bekommt.


    Wären so meine ersten Idee ;)

  • Thorsten, ich werde es probieren. Das Problem bei der Kamera ist, dass die für Profis ist und die Automatik für stinknormale Knippser wie mich einfach keine guten Einstellungen vornimmt.... diese Kamera will, dass man sich mit ihr beschäftigt... ich mich aber nicht mit ihr ;)


    Na, ich geb mein Bestes.

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