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Gewappnet für den kalten Winter - Jacken"Rettung"

    • Offizieller Beitrag

    Ich bitte um Entschuldigung ... denn das Thema habe ich bereits vor ein paar Tagen bei Instagram und FB veröffentlicht und eigentlich hat ja die Hobbyschneiderin Priorität für mich.

    Aber es ist vom Handy aus einfacher, Bilder zu laden und mit einem kleinen Kommentar direkt zu veröffentlichen. Ich hatte mir aber vorgenommen, das hier noch zu machen und nicht nur "Zeigebilder" einzustellen, sondern auch ein bisschen mehr dazu zu schreiben. Der Vorteil des Forums im Verhältnis zu Instagram und FB ist ja, dass die Sichtbarkeit und die Gelegenheit dazu Fragen zu stellen, dauerhafter bestehen bleibt.


    Also: Ich hatte eine Jacke, die "made in China" bestehend aus Wolle und Polyester schon vor einigen jahren den Weg über einen Anbieter in Aachen zu mir gefunden hatte. Der kuschlige Kragen und der Verschlußform leicht asymmetrisch gefiel mir gut. Gekauft hatte ich sie im Herbst bei mäßigen Temperaturen. Als es kalt wurde und ich sie als Winterjacke einsetzen wollte - merkte ich - öhm ... warm hält sie aber an den Armen nicht. :(

    Der Arm war sehr schmal geschnitten (oder meine Oberarme waren viel zu dick) und deshalb war das Unterziehen von Jacken oder warmen Pulli eher unangenehm. Zu allem Überfluss habe ich mich irgendwann - irgendwie beschmutzt. Da ich (fast) alles wirklich wasche, habe ich sie in die Waschmaschine gestopft und nach dem Trocknen festgestellt, dass sie die Wäsche ganz gut überstanden hat, aber das Armproblem noch intensiver geworden ist.


    Vor ein paar Tagen habe ich meine Winterkleidung rausgeholt und kritisch betrachtet. Eigentlich wäre die Jacke in den Kleidercontainer gewandert - ABER ich hatte vor Augen, wie aussortierte Sachen geschreddert werden und dazu war sie dann doch zu schade.


    Ergo, ich habe mich ans Trennen gemacht. Die Ärmel waren zweiteilig und ich habe die Beiden herausgetrennt und geteilt. Dann habe ich mit einer 4er Nadel und doppelter Wolle einen langen Streifen li-re gestrickt.

    Diese sind mit Hand eingenäht worden. Dabei ist es sehr hilfreich, die Teile alle flach liegend vor sich zu haben und natürlich mit kurzen Handstichen zu arbeiten.

    Da es damit aber nicht wirklich warm wurde, habe ich die beiden Armschnittteile mit Volumenvlies H630 bebügelt, allerdings nicht bis zur Nahtzugabe der Mittelnaht. Nach dem die Streifen eingenäht waren, habe ich von der Nahtzugabe aus diese auf dem aufgebügelten Vlies mit Hexenstich fest fixiert. Natürlich auf der linken Stoffseite ;).


    Dann wurde der Ärmel zusammen genäht und wieder eingesetzt. Der Ärmel war ja nun um die Weite des Streifens weiter und ich musste beim Einnähen etwas einhalten. das ging aber gut und ohne Falten. Auch das Nähen über das Strickstück mit der Maschine war ohne Probleme.


    Auf die Idee mit dem Strickeinsatz war ich gekommen, weil es in der Jacke seitlich am Bund Strickeinsätze gab. Diese waren aber maschinengestrickter Feinstrick und auch farblich nicht genauso wie meine verwendete Wolle. Also mussten sie raus und neu gestrickt werden.

    Beim Trennen dazu habe ich das Innenfutter unten am Bund gelöst und mir dadurch auch den benötigten Platz und die Möglichkeit geschaffen, die Ärmel einzunähen.

    Im Strickeinsatz waren breite Gummistreifen integriert, die ich wieder mit eingenäht habe. Die Strickeinsätze habe ich vorn mit der Hand genäht und hinten mit der Maschine. Schlussendlich wurde das Futter wieder angenäht.


    Im Eingriff der Taschen war das ursprünglich am Bund verwendete Futter als Streifen. Das Herauszutrennen wäre ein Aufwand gewesen, den ich nicht wirklich wollte. Also habe ich mit meiner Wolle das Stück überstickt und voila:


    jacke-und-hut.jpg


    So sieht das Ganze jetzt aus. Wobei... ich vergaß zu erwähnen, dass ich mir, um den Wärmeverlust am Arm weiter zu reduzieren, noch Bündchen gestrickt habe, die ich zwischen Arm und Futter genäht habe.

    das Annähen des Futters stellte eine doch relativ große Herausforderung dar. Es war ausreichend weit zum Anziehen - selbst mit noch etwas darunter - aber der Umfang war nicht ausreichend, am Ärmel befestigt zu werden. Ich musste ganz schön - im wahrsten Sinne - kreiseln um die beiden Teile zu verbinden. Dazu habe ich am Futter eingestochen und dann mit Abstand am Arm ohne den Faden anzuziehen. Als ich quasi den Kreis geschlossen habe, konnte ich erst anziehen und damit verbinden.


    Das untere Bild zeigt - es gab immer noch Wolle :S... und deshalb entstand ein Hütchen, das eigentlich eine Boshi werden sollte. Weil ich mit dem Wollrest nichts mehr anfangen wollte, habe ich an den Anfang der Boshi dann eine Krempe gehäkelt und nun - nun ist es wirklich fertig.



    Ich denke, dass es ganz oft möglich ist, Kleidung "zu retten" und damit weiter nachhaltig tragbar zu machen. Die dabei erforderliche Arbeit ist oft ein kreativer Prozess. Manchmal geht der auch schief - aber wenn man sich darauf eingelassen hat, das Teil auszusortieren, dann ändert das nichts mehr, wenn es wirklich nichts wird.

    Ich habe bei allen Teilen, an denen ich mich versucht habe und natürlich auch gelegentlich scheiterte - immer etwas gelernt. Die spannende Innenverarbeitung, die erst sichtbar wird, wenn man sie offen legt ist eine Art Weiterbildung. "Wie macht die Industrie das?" wird so jedes Mal sichtbar und fließt auch in meine Kenntnisse ein. Im Fall der Jacke waren bspw. an den Ärmeln an 2 Stellen kleine Stoffstege, die Futter und Oberstoff an den Nähten in Verbindung hielten. Das ist nichts Seltenes - aber es ist immer wieder gut, darauf hingewiesen zu werden, dass das hilfreich ist.


    Es gibt natürlich nur eine konkrete Anleitung für die gleiche Art von Jacke wie meine. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn es euch/uns Lesende ermuntert beim Aussortieren einfach mal zu versuchen, dass Störende zu beseitigen, bevor es in den Reißwolf geht.

    Viele Grüße
    Anne


    5. Mose 26 V.17

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    2018 war die Maschine erstmals auf der H+H zu sehen, im Sommer war die JUKI NX7 Kirei dann endlich erhältlich. Die große Schwester der DX7 punkten mit vielen Features aus der Industrie. Im Forum gibt es einen lesenswerten ausführlichen Test- und Erfahrungsbericht.
     

    technische Daten | Produktseite Hersteller | Händlersuche

  • Anne Liebler

    Hat das Label REFASHION hinzugefügt.
  • Danke für deine aufwändige Anleitung und die gute Idee!

    Ich habe zwei selbst genähte Winterjacken, die ich ändern müsste, damit ich sie öfters bzw. Überhaupt tragen würde.

    Vielleicht habe ich endlich die Motivation dazu.

    LG Ulrike

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  • Ich finde das richtig toll!

    Damit hast du ein weiteres Unikat im Schrank :daumen:.

    Der Hut gefällt mir auch sehr, werde ich gleich mal versuchen nachzumachen :pfeifen:

    Beste Grüße aus Schleswig-Holstein
    Steffi


    Meine Devise: "...close enough to perfect for me!"
    (nach einem Song der Country-Band ALABAMA)


    Mein Blog: Das Landei

  • Geniale Idee, eine sehr schöne, stimmige Individualisierung Deiner Jacke. :daumen:

    Kreativität ist ... eine Allround-Fähigkeit für alle :na: Lebenslagen.

    Die Eile ist der größte Feind der Qualität. (Irena Paukshte)
    Keine Frau ist perfekt, aber die aus dem Süden :biggrin: sind verdammt nah dran.

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  • Das gefällt mir sehr gut, die Jacke sieht sehr stylish aus, wie ein sehr teures Designerstück. Was sie auch ist.


    Ich mag Refashion auch sehr gern und mache es öfters.

    Viele Grüße
    Do-it


    Wer nähen kann, ist klar im Vorteil.

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