Beiträge von Trinschen

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    Der Aufspulergummi sieht mir nach Spielzeugtraktor aus


    Hihi, ja, mir auch. Aber Hauptsache das läuft, oder? Meine hat eine liebevollst zurechtgebogene Stecknadel an Stelle der Fadenöse an der Nadelstange... Die Fadenöse war nicht mehr da und nach drei Versuchen hatte ich's raus, wie ich die Stecknadel biegen muss, damit sie sich richtig verklemmt. Die zwei Versuche davor haben mich nach einigen Metern angesprungen und jetzt läuft das seit Jahren.


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    Der Stichlängenregulator lässt sich auch nach Kriechöl keinen Milimeter bewegen, nicht nach links und nicht nach rechts


    Hast du mal versucht, ihn zu drehen? Meine hat ein ähnlich aussehenden Prinzip, da wird der Knopf gedreht, was die Stange im Schlitz verkürzt und für die Verschiebung sorgt. Ich kann ihn in Richtung kürzerer Stiche auch schieben, aber dann wird er durch eine Feder zurückgedrückt.

    Hallo Martin,


    Ich bin auch ein Fan von meiner Maschine und würde sie um nichts in der Welt hergeben. Als ich sie das erste Mal offen hatte, war ich tief beeindruckt von der Mechanik und bin es ehrlich gesagt immernoch. Es ist einfach erstaunlich, wie durch einfaches Abgreifen von Zähnen auf Rädchen die Nadelstange und der Transporteur gesteuert werden.
    Ich liebe die Zierstiche. Sie kann zwar keinen Stich explizit für Strech, aber man kann den Gradstich in Wellenlinie ganz gut als Ersatz brauchen. Schön finde ich auch den Hinweis in der Anleitung, dass man die Zierstiche auch ruhig alle mal mit und ohne zugeschaltete Transporteur-Zusatzbewegung ausprobieren kann. Da kommen teilweise ganz lustige Stiche bei raus.
    Ich mache heute Nacht mal Fotos und schnappe mir die Schiebleere um die Nadeln auszumessen.


    Liebe Grüße
    Trinschen

    Hallo,


    ich nähe auf einer Gritzner GU von '58, die ich von meiner Oma geerbt habe. Die gab es damals auch schon mit Motor, wenn man das nötige Kleingeld hatte. Eine andere Maschine habe ich nicht, brauche ich aber auch nicht. Sie näht besser als die elektrische von meiner Mutter und braucht wie jede Maschine nur ab und an ein paar Streicheleinheiten mit dem Pinsel und etwas frisches Öl. Ich mag das Gefühl beim Nähen, weil ich weiß wie schnell sie anläuft, wenn ich trete. Ich finde es auch ein bisschen meditativ, ausserdem läuft sie sehr leise und kommt mühelos durch 8 Lagen kräftige Baumwolle. Ok, bei 12 Lagen muss man mit dem Handrad nachhelfen...


    Die Maschine ist übrigens der Grund, dass ich auf dieses Forum gestoßen bin. Sie wollte am Anfang nicht, der Oberfaden war ständig gerissen. Aber seitdem mir hier so lieb geholfen wurde und die Oberfadenspannung richtig zusammengebaut ist, hat sie schon viele Nahtmeter hinter sich gebracht. Das einzige was nicht will, ist der Versenker für den Transporteur. Ich fürchte da ist der Bautenzug gebrochen. Zum Glück braucht man den nicht so oft.


    Mal eine Frage am Rande: Ist die Rundkolbennadel ein älteres Nadelsystem? Ich habe noch so etwa 60-90 Stück von Rheinnadel mit rundem Kolben rumliegen, aber keine Verwendung dafür, weil sie zu kurz sind für meine Maschine. Ich hatte mich immer gefragt, ob die für Industriemaschinen sind. Mein Großvater hatte nach dem Krieg in den Schneiderwerkstätten von den englischen Besatzungstruppen gearbeitet und ich kann mir nur vorstellen, dass die daher kommen.


    Liebe Grüße
    Trinschen

    Hallo Anja,


    ich schließe mich Doro an. Schwarz ist defnitiv OK. Gregor von Tours schrieb schon im 6. Jh. in seinen "10 Büchern Geschichte":


    Zitat


    Die Gemahlin des Bischofs aber baute in der Vorstadt die Kirche des heiligen Stephanus. Und da sie diese mit bunten Farben ausmalen lassen wollte, nahm sie selbst ein Buch auf ihren Schoß, las eine ältere Darstellung seines Lebens und gab den Malern an, was sie auf den Wänden darstellen sollten. Als sie aber eines Tages so in der Kirche saß und las, kam ein armer Mann zum Gebet und sah sie; und da sie ein schwarzes Kleid an hatte, denn sie war schon hochbetagt, glaubte er, es sei eine von den Armen, zog ein Laib Brot hervor, legte es in ihren Schoß und ging davon. Sie aber verschmähte diese Gabe des Armen nicht, der ja nicht wußte, wer sie war, nahm sie an, dankte und bewahrte sie; und sie zog das Brot allen ihren köstlichen Speisen vor, und genoß beim Tischsegen davon an jeglichem Tage, bis es aufgezehrt war.


    Offensichtlich hatte schwarz im Frühmittelalter eine andere Bedeutung als in der Neuzeit. Billig wäre eine Eisen-Gallus-Färbung. Die wird allerdings leicht fleckig, geht leicht ins bräunliche und ist nicht so richtig lichtecht.
    Dunkles Blau lässt sich mit Waid nur schwer färben. Der Farbstoff im Waid ist Indigo, der ist aber nur in geringen Mengen enthalten. Man braucht also viel Waid für dunkles Blau. Meist wird das eher ein Hellblau. Dunkles Blau habe ich bisher nur mit synthetischem Indigo erhalten.
    Gut gehen noch kräftiges gelb, goldbraun, dunkelbraun, grün (Birkenblätter auf Alaun mit Eisensulfat nachgebeizt), schmutziggrün, helles gelb (ausser im Hochmittelalter in bestimmten Städten, hat ein gewisses Gewerbe angegeben), rot, rostrot, violett bis rauchviolett und jegliche Art von grau.


    Baumwolle würde ich auch nicht soooo sehr ablehnen. Meines Wissens wurde ab dem 11. Jh. in Ulm Baumwoll-Leinen-Mischgewebe in Manufaktur hergestellt. Sowas trägt sich auch gut, pilled aber mit der Zeit. Reine Baumwolle war allerdings durchweg teuer. Pflanzenfasern konnten gefärbt werden, das ist allerdings etwas schwierig (ausser blau) und wurde wohl eher selten gemacht.
    Wolle lässt sich sowohl besser verspinnen, als auch färben und ist daher der prädestinierte Oberstoff.


    Muster... Ja. Auf den Mosaiken in San Vitale in Ravenna sind gemusterte Stoffe angegeben. Ob gedruck oder gewirkt lässt sich nicht sagen (ich stimme für gewirkt). Allerdings handelt es sich dabei um byzantinische Höflinge. Auch in der Buchmalerei findet sich hier und da die Angabe von Mustern. Uni-Stoffe sind aber deutlich häufiger, die sind regelmäßig mit Borten verziert.
    Diese konnten als Applikationen angebracht werden (Brettchenborte) oder waren schon beim Weben in den Stoff gewirkt, wie man es bei den koptischen Tuniken vom 1. bis ins 7. Jh. sieht, die im Museum Burg Linn untergekommen sind. Auch Stickereien sind möglich, zB. als sogenannter Juwelenkragen etwa Handbreit um den Ausschnitt.


    Sehr schön kann man sich mit Webmustern austoben. Wolle wurde selten Leinwandbindig verarbeitet, häufiger waren Köperbindungen. Ganz interessant ist, dass im Frühmittelalter der Diamant- oder Rosettenköper sehr beliebt war, aber im Übergang zum Hochmittelalter verschwindet. Mit einen schönen Fischgrad oder Schrägköper kann man aber nichts falsch machen. Unterschiedlich gefärbte Garne für das Gewebe waren durchaus üblich. Leinen gab es auch in Köperbindung, wurde aber häufiger leinwandbindig verwendet.


    Klar kannst du Schmuck tragen. Welchen und in welcher Ausführung hängt aber wirklich von der Zeit und dem sozialen Status ab, in der sich deine Darstellung bewegt. Die Verarbeitungsqualität ist allerdings so eine Sache... Manchmal siehst du Sachen, da bleibt dir der Mund offen stehen, so fein sind die Verzierungen und so akkurat ist es gearbeitet. Und ein anders Mal hast du das Gefühl von Lehrlings erster Arbeit und wunderst dich, dass das tatsächlich jemand getragen hat, so schief und krumm ist es.
    Wichtig ist, dass es in erster Linie dir gefällt und dass es in den Zeitgeschmack passt. Perlen gehen meines Wissens aber immer, im HoMi evtl. ein hübsches Kreuz?


    Höllenfenster gehören in die Mitte des 14. Jh. und sind daher völlig A. Darunter passen eher enge Kleider. Aus einem Wollköper kann man das auch als Schlupfkleid machen. Der ist etwas dehnbar und dann kann man sich die Schnürung sparen. Wichtig ist dabei die Verwendung von stabilen Nähten. Eine hübsche Miniatur, auf er so etwas zu sehen ist, findet sich im "Roman du Roy Meliadus de Leonnoys" (Bildersuche).
    Ansonsten kannst du dich von verschiedenen Psaltern und der Manesse Liederhandschrift inspirieren lassen.


    Ein no-go sind 1000 Jahre an einer Person, Turnschuhe, Pannesamt, Hörnerhelme, breite bunte Stoffstreifen in der Mittelfront mit Kreuzschnürung oben drüber...

    Hallo Martina,


    das ist ja doof mit der Allergie. Ich bin zum Glück ziemlich verschont geblieben, Kupfer und Krabben kann man ja aus dem Weg gehen. Ich reagiere nur manchmal auf Wolle und auf Cremes mit Wollfett. Das kann man nur leider nicht vorhersehen, da man ja nicht weiß, neben welchem Feld die Schafe standen und mit was das Gespritzt wurde...


    Du hast eine Figur, die meiner auch ähnelt. Ich mache wenig mit Kaufschnitten, aber ich habe mal Schnitt B4954 von Butterick genäht und musste nur ein wenig Stoff in der Taille einhalten. Es ist ein Kostümschnitt, aber sehr ordentlich beschrieben und in der Machart. Die Jacke ziehe ich auch so häufiger an. Leider habe ich keine eigenen Fotos davon und die Teile derzeit verliehen. Keine Ahnung, ob ich die jemals wieder sehe... :(


    Lg Trinschen

    Oh, wie schön! Ich wollte doch gar nicht den ganzen Thread lesen und nu bin ich doch unten angekommen und hab wieder ganz viele Erinnerungen im Kopf.


    Von meinen Großmüttern habe ich leider nichts gelernt, was Handarbeiten angeht. Die eine ist zu früh gestorben und die andere hatte schon damals Gicht und konnte nicht mehr. Als junges Mädchen ("Aber das war vor dem Krieg", sagte sie immer) hat sie viel genäht, alle ihre Tanzkleider und nach dem Krieg für meinen Vater und meinen Onkel. Ihr Mann war Herrenschneider, ist aber schon in Weimarer Zeit ins Heer eingetreten. Er hat später so viel Geld wie er konnte zur Seite gelegt, damit sie sich eine Maschine kaufen konnte. Ihr Einkommen und das Haushaltsgeld hat er dafür nicht angefasst. Die Maschine und die übrigen Kurzwaren habe ich dann vor ein paar Jahren geerbt.
    Das Nähen selbst habe ich in Grundzügen von meiner Mutter gelernt, die ihre Bauchtanzkostüme selbst gemacht hat. Das hat mich allerdings nicht so interessiert, wie mir selbst mit 19 Kleider für Mittelalter-Märkte zu nähen. Die waren so schön einfach und anfängertauglich. Ich erinnere mich aber ganz dunkel an was Puppenkleiderähnliches aus ihren Stoffresten.
    Begonnen hat meine Handarbeitskarriere als ich ganz jung war, so 4, 5?, da haben mir meine Eltern einen Schulwebrahmen zu Weihnachten geschenkt, auf dem ich mit Tischdeckchen in Massenproduktion gegangen war. Von meiner Mutti habe ich noch die Strickliesel, Kordeln drehen, Häkeln und Stricken gelernt.
    In der Schule hatten wir nur wenig Handarbeitsunterricht. In der Grundschule haben wir Knopfannähen und Sticken gelernt. Dazu hatten wir so 15 x 8 cm große Stücke aus einer groben Leinwand bekommen, die erst mit Knopflochstich umstickt wurden. Dann haben wir eine Blumenwiese aufgestickt und Knöpfe als Blütenköpfe angenäht. An mehr kann ich mich nicht erinnern.
    Auf dem Gumminasium hatten wir dann in der 7. Klasse ein halbes Jahr Informatik und das andere Halbjahr Hauswirtschaftslehre. Da haben wir nicht nur Kochen gelernt, sondern von Frau Göbel auch gezeigt bekommen, wie man ein einfaches Sweatshirt näht. Da konnte ich noch nicht nähen und es war ein Graus. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es nur die Mitschüler waren, oder die Maschinen.... Die waren in großen Tischen versenkbar und unglaublich schwer... Frau Göbel war es jedenfalls nicht, die war einfach nur toll. Den Pulli habe ich aber doch getragen. So schlecht war er auch nicht gelungen ;)
    Über das Mittelalterhobby bin ich dann noch an weitere Techniken gelangt. Eine Freundin hat mit das Spinnen mit der Handspindel beigebracht und seit 2 Jahren spinne ich jetzt auch auf dem Rad. Eine andere hat mir Fingerloop gezeigt und eine weitere hat mit mir ihren Gewichtswebstuhl aufgezogen und mir das Weben beigebracht. Aus einer Veröffentlichung habe ich mir das Nadelbinden und Sprang rausgesucht.
    Über die Bekanntschaften kam dann das Interesse an anderen Zeiten, die Begeisterung für die Mode des Jugendstils und damit die ersten Schritte bezüglich moderner Schneiderei. Das meiste habe ich aus meinem Nähbuch und hier aus dem Forum. Wie sonst hätte ich auf die dämliche Idee kommen sollen, Steifleinen mit der Hand festzunähen? Es ist gelungen, aber es hat ewig gebraucht.


    Wer weiß, was noch kommt. Dumme Ideen hab ich genug und Inspiration finde ich hier ohne Ende. :)

    Oh ja. Was das angeht, könnte ich mich stundenlang über einen Atlas setzen, in dem Verbreitungskarten für Textiltechniken gegeben wären. So wie damals die Frontverschiebungen im Geschichtsuntericht.


    Nochmal zurück zum Thema:
    Ja, Männer sind da eigen... :rolleyes:


    Als ich noch im Hochmittelalter unterwegs war, habe ich meinem damaligem Freund auch diese rechteckigen Beinlinge gemacht. Das war ok, aber Füsse dran wollte er nicht. Dann gab es eben einen Steg unter den Füssen. Und Bruche??? Nein. Er doch nicht. Niiiiieeee. Die sind ja offen und so, das kann doch nicht gehen. Wir haben uns dann auf eine sehr weite und längere Boxershorts aus Leinen geeinigt.


    Inzwischen hab ich das Problem nicht mehr in der Dimension. Ich bin ins Frühmittelalter gewechselt, da gab es Hosen. Und da Karl Schlabow seine Funde aus Norddeutschland, die so gut wie vollständig sind, gut dokumentiert hat, ist das kein Ding. Jedenfalls wenn man bereit ist, eine Hose aus dem 1 Jd. n. Chr. ins 6. Jd. zu extrapolieren. Diese Hosen waren übrigens am Bein eng geschnitten, eine hatte sogar eine Schnürung an der Wade.



    Ansonsten gibt es ja nicht so viel. Auf den Abbildungen verstecken die Herren ihre Beinkleider leider unter Wadenbinden. Ansonsten sind mir noch 1 1/2 oströmische Armeehosen aus Antinoopolis bekannt, die aus einer kurzen Hose und dazu gehörigen Beinlingen bestehen. hmmm.....


    LG

    Hallo Neko,


    erstmal hoffe ich, du hast viel Spass mit der Familie. Und nu eins nach dem Anderen.


    -Stimmt, du sagtest da sowas vonwegen der Größe des Rückens. Aber wenn deine Madame wirklich deine Maaße hat... Zeichne doch mal den 38er Schnitt auf das Rückenteil, steck es an den neuen Nahtlinien zusammen und schau mal, ob das besser passt. Vielleicht hast du in dem Schnitt ja 38. Womöglich ist die Wahrheit auch in der Mitte.


    -Bei ein wenig zuviel an der Brust kannst du das so hinmogeln, ja. Wenn es wirklich viel zu viel Brust ist, kannst du leider nicht einfach nur das vordere Seitenteil entschärfen. Dadurch wird ja die Naht kürzer, das heißt auf der anderen Seite muss es auch weniger werden. Ich hab auf dieser Seite


    http://www.kostenlose-schnittmuster.de/?s=schnittanpassungen


    diesen Link gefunden, da wird das gut erklärt:


    http://www.burdastyle.de/chame…p_11_2004_Wenig_Busen.pdf


    -Und nun die Sache mit dem Absteppen... ich kenne das Problem nur mit Webstoffen. Ich arbeite eigentlich nicht mit Jersey... Der ist ja insgesamt dehnbar. Fällt mir auch gerade auf. Da hab ich Quatsch geschrieben, glaube ich... :o


    Trotzdem die Erklärung, wie man das bei Webstoffen macht und warum:
    Die Schnittkante der vorderen Seite ist rund und da der Fadenlauf nach unten geht, ist die Schnittkante an der Rundung schräg im Fadenlauf. Damit ist sie entlang der Naht dehnbar. Am Vorderteil ist die entsprechende Schnittkante anders geformt, meist mehr oder weniger gerade. Ist dann nicht so dehnbar. Wenn man beide Teile nun vernäht, dehnt sich das Seitenteil an der Naht, das andere Teil aber nicht. Die Naht verzieht sich und hinterher, naja, trennt man alles wieder auf. Damit das nicht passiert und die Naht so sitzt, wie sie soll, steppt man 1-2 mm von der späteren Naht entfernt in der Nahtzugabe die Teile einzeln ab, um sie zu stabilisieren.


    LG und guten Start in die neue Woche

    Hallo Neko,


    ja, ich sehe das Problem. Und ich denke, erst die Schulternähte anzupassen ist der richtige Ansatz von dir. Mach mal Bilder von vorne und hinten, nachdem du die Weste angehoben hast. Wenn ich mir deine bisherigen Bilder so anschaue, habe ich das Gefühl, dass der Rücken zu breit ist. Sitz es besser, wenn du an der hinteren Mittelnaht etwas Weite rausnimmst? Und: wie sitzt die Taille? Ist die von der Höhe her richtig?
    Auf den Bildern wirkt es auch so (ich kann mich da auch irren), als wäre das Teil für etwas mehr Oberweite geschnitten. Vielleicht ist die Rundung der Seitenteile etwas zu stark ausgeprägt.
    Übrigens kleiner Tipp am Rande: Damit sich die Seitenteile beim Nähen nicht verziehen und sich dadurch die Naht kräuselt, vorher die Teile in der Nahtzugabe einzeln absteppen.


    PS:
    Wenn du einen wirklich einfachen Plan B willst: Mach dir nen Peplos. DAS Erfolgsmodell aus 2000 Jahren germanischer Kleidung, bis ins Hochmittelalter in Scandinavien gebräuchlich (Ich halte das Schürzenkleid ja immernoch für einen falsch verstandenen Peplos) und in Byanz mit Juwelenkragen angepasst und wieder ins deutsche Hochmittelalter zurückexportiert.


    Ein Peplos ist ein Stoffschlauch, so lang wie du hoch bist und so breit, wie du deine Arme auseinanderbekommst. Nach Benutzung einfach wieder ins Stofflager tun.
    Tragweise: Das obere Ende wird umgeschlagen, bis dir die Länge gefällt. Dann wird das auf den Schultern mit zwei Fibeln oder kräftigen Broschen geschlossen. Um die Taille kommt ein Bindegürtel. Dann wird das ganze übergeshoppt. Wenn einem der Sack und die entstehenden Flügelärmel zu unförmig sind (passiert bei schwereren Stoffen): Zweiter Gürtel, kann auch breiter sein und so binden, dass eine Taille erzeugt wird. Wahlweise kann man auch noch mehr Broschen auf den Ärmeln verteilen. Das praktische: Es passt alles was frau so braucht in die Ärmel und unter die Brust, ohne aufzufallen. Man kann zum Stillen einfach eine der Broschen an der Schulter lösen, das Kind unter den Stoff schieben und los gehts.


    Wenn du keine Broschen hast: Einen breiten Rundkragen "Juwelenkragen" als Halsausschnitt anbringen, das Teil nicht so lang machen und am oberen Ende Ärmellöcher offen lassen. Fertig ist das Surcot nach Manesse. Die hatten übrigens oft eine Knopfleiste auf der Brust, damit man besser rein kommt.

    Hallo Calimera,


    Ich habe zwar noch nicht die Erfahrung mit Kellerfalten, kann dir aber schreiben, was mein Nähbuch dazu sagt:
    So wie ich das verstehe, ja, werden die Abnäher in den Falten mit verarbeitet und nicht klassisch abgenäht.
    Dazu werden die vorher eingebügelten Falten etwa auf Hüfthöhe festgesteckt und dann quer geheftet, damit sie sich nicht verschieben. Oberhalb der Taillenlinie werden die Falten dann gleichmäßig tiefer eingelegt, die Weite also auf der linken Seite versteckt. Dann wird das ganze von rechts knappkantig festgesteppt.
    Mein Buch rät für die Anprobe dazu, den Bund anzuheften und bei einem Sperren der Falten den Rock etwas anzuheben.


    Ich hoffe, das war für dich hilfreich...


    LG Trinschen

    Ich kenne das auch. Erst die Naht, dann der Stoff neben der Naht und eh man sich versieht... ratsch. Ich hatte dann im alten Forum eine Anleitung gefunden das zu stopfen, indem man Vlieseline einbügelt und dann mit einem farblich passenden Faden drübersteppt. Bei Jeans entlang der Rillen. Geht auch, allerdings hält Vlieseline auch nicht ewig. Ich hatte auch mal auf diese Weise ein Stück aus einer anderen Jeans untergenäht. Das ist wesentlich haltbarer, aber sitzt nicht ideal.
    Die Idee mit dem Zwickel gefällt mir. Werde ich das nächste Mal probieren.

    Moin,


    haha, wie war das mit den Mistverständnissen? ;)
    Ich war von einem vollständig geschlossenen Teil ausgegangen, aber das hier ist ja eher eine Weste.
    Dann lass den Ausschnitt so.
    Noch eine Blende unter die Schnürung zu setzen ist ja kein großes Problem. Und Versteifungen kannst du hinterher immernoch reinfummeln, wenn es nicht funktioniert.


    LG
    Trinschen


    PS: Mit mir geht halt manchmal meine Phantasie durch...Sorry... So viele Ideen und soooo wenig Zeit...

    Hallo Neko,


    um Mistverständnissen vorzubeugen, hab ich mal so ne grobe Skizze gemacht, was ich mir unter deinem Projekt vorstelle, da ich deinen Schnitt nicht kenne. Ich hoffe, das mit dem Hochladen klappt...
    Kosage.gif


    Die Ärmel hab ich nur dran gemalt, um einen Eindruck zu haben, wie das über einer Bluse wirken könnte. Den Abschluss hab ich gemacht, weil ich nicht weiß, was du vor hast. Also einfach ignorieren. Um die einzelnen Teile besser unterscheiden zu können, hab ich sie farbig gemacht. Blau ist dein Samt, zart gelb die Ausschnittblende, grau das Futter und das grüne ist die Blende hinter der Schnürung. Die darf natürlich jede, dir gefallende Farbe haben, du kannst sie auch in dem blauen Samt gestalten. Das grüne Teil muss auf mindestens einer Seite an der Korsage fest sein. Du kannst es auch auf beiden Seiten schließen, aber dann muss die Blende breit genug machen, damit du noch rein kommst. Solltest du an einem Probestück ausprobieren. Wenn du die Korsage schnürst, wirst du den blauen Stoff über den grünen ziehen. Das habe ich versucht darzustellen, indem ich diesen Streifen in hellerem blau gemacht habe. Wenn du zu fest schnürst, kann es passieren, dass du den Ausschnitt mit zusammenziehst. Der sollte also so geschnitten sein, dass er auch ungeschnürt straff sitzt. Vielleicht machst du die Schnürung auch einfach nicht so hoch, sondern nur bis auf die Mitte der Brust.
    Dass sich die Schnürung verkrumpelt, kann vorallem bei leichten Stoffen passieren. Du hast ja durch die schräg laufenden Bänder nicht nur eine waaagerechte Spannung, sondern auch eine hochkannt verlaufende. Dadurch zieht sich die Schnürung hoch und es entstehen Fältchen, die quer über den Bauch verlaufen. Unter anderem deshalb werden in Korsagen und Korsetts Stäbchen eingesetzt. Möglicherweise tut es auch schon die Bügeleinlage oder eine senkrecht verlaufende Bise.
    Ich habe irgendwo im Korsettbereich gelesen, dass früher für einfache Korsetts auch schwere Schnur oder Band verwendet wurde, vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit. (Liebe Korsett-Erfahrene: Habe ich das richtig verstanden? Funktioniert das?)


    Vorallem, da du den Schnitt zusammenbaust und umstellst, würde ich dir empfehlen, ein Probestück zu nähen. Ich mache das gerne aus dem Futter, weil ich das dann hinterher verwenden kann und da kleine Fehler nicht so auffallen.


    Freue mich schon auf erste Bilder vom entstehenden Stück!


    Trinschen

    Mein Favorit für die Farbe einer Ausschnittblende wäre cremeweiß oder ein sanftes gelb. Wenn das auch noch zufällig deine Hautfarbe trifft, hat das den netten Effekt, dass der Ausschnitt deutlich größer wirkt, als er ist. Ich würde einen glatten, glänzenden Stoff nehmen. Seidenbrokat ist da durchaus geeignet, aber ein Baumwoll-Satin oder Damast in etwas schwererer Qualität müsste es auch tun. Was du eben da hast.


    Wenn du das wirklich mit der Schnürung schließen möchtest, muss du ein wennig aufpassen:
    -Das kann sich zusammenkrumpeln und sperren, deshalb solltest du Stäbchen links und rechts einsetzen, wie bei einer Korsage.
    -Du musst es mit einer passenden Blende hinterlegen, geeignet wäre m.E. ein dunkles grün oder Bordeaux. Weiß mit Gold geht auch, halt das aber vorher an, nicht dass das zu hart wirkt. Ich kann mir auch vorstellen, dass du die Spitze über den Samt legst. Ich finde das Muster aber für Mittelalter nicht sooo dolle passend.
    -Du musst darauf achten, dass du den Ausschnitt nicht zusammenziehst. Der muss stramm über deiner Brust sitzen, sonst sieht das schlabberig aus.


    Lg Trinschen

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