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Warum näht der Horizontalgreifer links besser?

  • Ich habe schon öfter festgestellt, dass Horizontalgreifer den Geradstich links besser nähen als den Geradstich Mitte. Mir fiel auch auf, dass Brother Maschinen in der Grundeinstellung immer mit links starten (aber ich programmier die sofort um ...). Gerade bei einer Janome auch wieder, Leder geht mittig gar nicht, aber links.

    Nun bin ich schon die ganze Zeit am überlegen, was der Grund dafür ist. Ich bin mir auch sicher, dass ich es schon mal gelesen hab, aber ich weiß nicht mehr, wo. So ungefähr kann ich es mir auch denken, aber ich wüsste es lieber genau.

    Ich will ja nicht als Lösung was vorschlagen, was ich nicht begründen kann :D

    Hier findet sich bestimmt jemand, der es mir erklären kann.

    Im Allgemeinen schreibe ich nur über Themen, bei denen ich mich auskenne. Aber man lernt ja nie aus.

  • Was meinst du denn mit "besser"? Mir ist das zB noch gar nicht aufgefallen, dass da ein Unterschied ist. Meinst du den kleinen schrägen Versatz?

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  • Ein Unterschied ist zumindest, dass der Stoff bei Linkststellung besser aufliegt als mittig. Denn links von der Nadel ist die Stichplatte geschlossen, da kann der Stoff also nicht nach unten gezogen werden. Auch bei der Aufwärtsbewegung wird er besser vom Fuß gehalten. In der Mitte ist recht und links ein Schlitz, in der Stichplatte und am Füßchen. Vielleicht hat das schon einen Effekt.

    Wie ist denn das Nähverhalten ganz rechts? Müsste dann ja bei dieser Theorie auch besser sein.

  • Nein, ich meine nicht die Stichstellung oder das Einziehen.
    Ich habe zwei Lagen Leder, die werden nicht genäht in der Mitte. Links geht’s. Der Unterfaden wird mittig nicht erfasst. Rechts teste ich mal.
    Ich kann auch mal ein Video machen.

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  • Dann versteh ich nicht, warum man bei der Pfaff Icon - auch Horizontalgreifer - beim Geradstich links von der Mitte ein anderes Spulenkörbchen nehmen soll, weil sonst die Stichbildung nicht richtig funktionieren soll (wäre also genau umgekehrt) :confused:

    LG Himalia

  • Vielleicht ist das andere für die Mitte optimiert und das spezielle so wie bei anderen Maschinen?

    Kannst du beide mal nebeneinander fotografieren?

    Im Allgemeinen schreibe ich nur über Themen, bei denen ich mich auskenne. Aber man lernt ja nie aus.

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  • Nein, ich meine nicht die Stichstellung oder das Einziehen.
    Ich habe zwei Lagen Leder, die werden nicht genäht in der Mitte. Links geht’s. Der Unterfaden wird mittig nicht erfasst.

    Genau das Phänomen hatte ich schon auf meiner Maschine, es hing am Herunterziehen des Materials. Und zwar so: Wenn die Nadel am unteren Todpunkt ist, war auch gleichzeitig der Stoff im Schlitz der Stichplatte etwas nach unten gezogen. Da gehts nur um kaum sichtbares Herunterziehen. Wenn die Nadel nun nach oben geht, öffnet sich ja unten die Schlinge. Das geht aber nur korrekt, wenn die Nadel auch im Stoff selber hoch läuft. Ist er hingegen etwas nach unten gezogen, wird er nun bei der Aufwärtsbewegung etwas nach oben gezogen. Es dauert also etws länger, bis die Nadel wirklich nach oben durch den Stoff läuft. Bis dahin wird unten keine Schlinge gebildet und der Greifer greift nicht.


    Bei mir war es Jersey. Wenn du eher stabiles Leder meinst, ist es unwahrscheinlich, dass es dieser Effekt ist. Ist es recht weiches Leder, könnte es so sein.


    Ist es richtig, dass du im ersten Beitrag mit "besser nähen" meintest, dass es überhaupt zu einer Schlingenbildung kommt, also der Greifer wirklich greift? Also nur die Situation, dass bei kritischen Materialien es links noch geht, mittig aber nicht mehr?

  • Ich habe schon öfter festgestellt, dass Horizontalgreifer den Geradstich links besser nähen als den Geradstich Mitte.

    Tanja, da bin ich auch ganz gespannt. Ich habe mir bisher nicht so viele Gedanken gemacht, aber ich kenne es auch, dass meine Patin Geradstich immer links eingestellt hatte, und es gab so viele Jahre, bei denen ich dachte, Geradstich wird immer so genäht. War ich da überrascht, als ich feststellte, es gibt auch den Geradstich Mitte.:rofl:


    Allerdings frage ich mich, ob das wirklich eine Frage des Greifers ist. Denn die damals wirklich sehr teure Maschine von Singer Anfang der 60er hatte einen CB-Greifer und trotzdem Nadel immer links.

    Ich mache das heute meist noch so.


    Irgendwie ist das gerade, wie wenn ein Licht über meinen Kopf aufgeht. Jetzt wo du das sagst, es gab schon ein paar mal die die Situation, dass ich dicke oder extrem mehrlagige Stoffe, auch Leder an einer Maschine nähen konnte, während die Bekannten, denen die Maschinen gehörten, fluchten und meinten geht gar nichts.

    Klar, ich setzte mich an die Maschine, Standardeinstellung ist für mich beim Geradenähen links ausgerichteter Geradstich. Ich nähte los, und die Bekannten schauten ungläubig. Aber dass es am Geradstich links liegen konnte, so schlau war ich dann nicht. :doh: Allerdings waren das im Regelfall Horizontalgreifer.


    Da muss ich mich ja gar nicht mehr so ärgern, ich versuche nämlich immer, mir den mittigen Geradstich anzugewöhnen, aber ich fühle mich da immer noch nicht so richtig wohl, denn warum auch immer, da habe ich dann nicht so den akkuraten Abstand zur Stoffkante. Linker Geradstich und ich kann das auf einen halben Milimeter mit Augenmaß machen.


    Ich denke nur immer, wenn ich Geradstich nur links nehme, vielleicht ist das für die Maschine nicht so gut, denn Geradstich Mitte ist eigentlich als normal gedacht.


    Also ich bin gespannt, ob und hier jemand aufklären kann. Spannend!

    LG rufie


    Der einzige Geschmack, der einem Menschen wirklich Befriedigung geben kann,

    ist sein eigener (Philip Rosenthal)

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  • Ja, es geht mir nur darum, dass bei Fehlstichen die erst in der Mitte auftreten, aber links geht es dann doch. Für mich muss es etwas mit dem Timing der Spulenbewegung zu tun haben. Beim Leder könnte ich mir vorstellen, dass das nicht nach unten gezogen wird, sondern die Nadel bremst und sie später am Tiefpunkt ist. Denn mit der Ledernadel war es in der Mitte einen Ticken besser, also sie hat immer ein paar Stiche genäht, dann wieder ausgelassen.

    Es ist auch bei Jersey so gewesen. Wenn ich eine Streifenversäuberung mit Geradstich gemacht hab, hatte die F400 mal Aussetzer in der Mitte und auf links gestellt, schon ging es.

    Ich werde wohl mal die Stichplatte abnehmen und mir die Stichbildung ansehen.

    Eigentlich war ich immer auf dem Trip, die Nadel gehört in die Mitte. So ist die Auflagefläche und der Transport gleichmäßig um die Nadel rum verteilt. Aber wenn es links besser geht, ist auch gut. So nähen sich Taschen ja auch viel besser.

    Im Allgemeinen schreibe ich nur über Themen, bei denen ich mich auskenne. Aber man lernt ja nie aus.

  • Ich werde wohl mal die Stichplatte abnehmen und mir die Stichbildung ansehen.

    Achte dann mal auf den Abstand Greiferspitze<->Nadel. Es könnte sein, dass dieser Abstand in Stichlage Mitte etwas größer ist als links.

    Gruß
    Detlef


    Die Pfaff meiner Mutter hat damals zwei Monatsgehälter gekostet und näht nach über 60 Jahren immer noch. Dann müsste eine Nähmaschine, die nur einen Tageslohn kostet, umgerechnet ein Jahr halten - tatsächlich, die meisten Maschinen dieser Preisklasse schaffen das sogar.

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  • Außerdem - das hat mal gar nix mit dem Greifersystem zu tun - ist die Nadelstange i.a.R. links stabiler in der Lage, als an jeder anderen Position.

    Damit hat das Nähgut auch weniger Chancen, die Nadel auch nur einen hauch aus der Spur zu bringen.

  • Hmm, bei Maschinen mit Zwangsführung der Nadelstange ist das vollkommen egal, bei anderen Maschinen wird die Nadelstange durch Federkraft nach links oder nach rechts gedrückt, da spielt das tatsächlich eine Rolle.


    Beim Horizontalgreifer ist es aber so, dass in Nadelposition links der Weg vom Nadeltiefpunkt bis zum Punkt, an dem die Greiferspitze genau hinter der Nadel steht, am größten ist. Dementsprechend ist die Schlinge, die der Oberfaden bildet und in die der Greifer hingreift (darum heißt er ja Greifer), tendenziell am größen auf der linken Seite ist.


    Beim CB-Greifer ist es genau umgekehrt. Da der Greifer sich dort von links nach rechts bewegt, ist in Nadelposition rechts die Schlinge tendenziell am größten.

    In diesem Stummfilm kann man die Schlingenbildung beim CB-Greifer sehen und z.B. bei 0:54 sieht man hinter der Nadel auch die kleine Schlinge, die von der Greiferspitze aufgenommen wird.

    Diese Schlinge entsteht, weil bei aufwärts gehender Nadel der Oberfaden vom Nähgut gebremst wird.

    Weicher Jersey bremst viel weniger als normaler Stoff, warum viele Maschinen speziell beim Jerseynähen Probleme machen.

    K(l)eine Schlinge -> keine Stichbildung -> Stichaussetzer.

    Bei Leder und einer zu dicken Ledernadel (oder zu dünnem Garn) kann das auch passieren, da das Stichloch zu groß ist und den Faden zu wenig bremst in der Aufwärtsbewegung.


    Hier noch eine Grafik zur Schlinge hinter der Nadel (Wilhelm Renters, Der Nähmaschinen-Fachmann, Band 1, 8. Auflage, S. 38):
    Schlinge-Renters.png


    Der schwarze Pfeil symbolisiert die Greiferspitze.

    Gruß
    Detlef


    Die Pfaff meiner Mutter hat damals zwei Monatsgehälter gekostet und näht nach über 60 Jahren immer noch. Dann müsste eine Nähmaschine, die nur einen Tageslohn kostet, umgerechnet ein Jahr halten - tatsächlich, die meisten Maschinen dieser Preisklasse schaffen das sogar.

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  • Hallo Tanja ,

    hier die Bilder vom den beiden Spulenkörbchen:

    spulenkorb01.jpgspulenkorb02.jpgspulenkorb03.jpg


    Das graue Spulenkörbchen ist das normale, das schwarze das für Geradstich links. Der augenfälligste Unterschied ist das Loch in der Mitte, aber das macht mE keinen Unterschied in der Funktion - die Spule liegt in beiden Fällen gleich tief im Körbchen drin. Der wichtigste Unterschied dürfte die Verschiebung der "Spange" die die Fadenspannung macht sein. Diese ist deutlich im Uhrzeigersinn verschoben worden.

    Und das kleine Häkchen am "Ausgang" wo die Fäden raus geführt werden ist bei dem Linksstich-Körbchen etwas stärker ausgeprägt.

    LG Himalia :)

  • Beim Horizontalgreifer ist es aber so, dass in Nadelposition links der Weg vom Nadeltiefpunkt bis zum Punkt, an dem die Greiferspitze genau hinter der Nadel steht, am größten ist.

    Das erscheint mir den größten Einfluss zu haben. Klingt schlüssig. Wo mittig die Schlaufe nicht mehr reicht, um zu greifen, ist sie links einfach prinzipbedingt etwas größer, dass der Greifer noch greifen kann.

    Das spielt dann aber nur für Problemfälle eine Rolle, dass links noch etwas mehr geht. Und bei CB-Greifer müsste es dann rechts sein.


    Warum rechts oder links bei Geradstich auch sinnvoll sein kann: Wenn ich einen schmalen Saum nähe, dann drückt der Fuss ja nur dort, wo der Stoff dicker liegt. Bei einem schmalen Saum und mittiger Stellung greift so der Transport rechts und links gar nicht, nur die mittlere Transportbahn greift. Und gerade die ist ja wesentlich kürzer und durch den Nadelschlitz unterbrochen. Da hatte ich schon öfter Transportprobleme, weshalb ich dann auf links oder rechts gestellt habe. Dann ging es gut.

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  • kledet

    Danke dir, das war genau das, was ich mal gelesen hatte. Und schlüssig erklärt :daumen:


    Himalia

    Danke auch dir für die Bilder. Sieht für mich schon aus, als wäre die Kapsel für den Geradstich die ehemals Standardkapsel. Ich hab mit der Icon aber immer mit der grauen gearbeitet.

    Im Allgemeinen schreibe ich nur über Themen, bei denen ich mich auskenne. Aber man lernt ja nie aus.

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