Die Wert- und Kostendiskussion gelöst aus dem Thread "Coverlock Bernina L890"

  • Aber warum "schämen wir uns" oder beneiden andere wegen Einkommen! Was ist es in unserer Gesellschaft, die solches Wert denken erzeugt? Können wir uns nur an unserem Einkommen identifizieren? Traurig, traurig.

  • Naja,

    Aber warum "schämen wir uns" oder beneiden andere wegen Einkommen! Was ist es in unserer Gesellschaft, die solches Wert denken erzeugt? Können wir uns nur an unserem Einkommen identifizieren? Traurig, traurig.

    früher war man ja teilweise stolz, ein Teil der schlecht verdienenden Arbeiterklasse zu sein.

    Wobei heute die Arbeiterklasse, also die Industriearbeiter, eher gut verdienen (Gewerkschaften, hoher Organisationsgrad, teils hohe Gewinne der Firmen in der Vergangenheit), während die Schlechtverdiener oft im Dienstleistungsbereich tätig sind, wo weder der Organisationsgrad hoch ist noch ein Betriebsrat vorhanden, da die Einheiten oft recht klein sind.

    Außerdem sind es ja "eh meist Frauen", die dort arbeiten.


    Um sich mit seinem Einkommen identifizieren zu können, sollte es aber schon eine gewisse Höhe haben, von der man ansatzweise komfortablel ohne permanente Ängste leben kann. Ich werfe jetzt mal so aus der Hüfte doppelten Hartz-IV-Satz plus Warmmiete in den Raum.

    Da man hier für 330 kalt/ 500,- warm noch frisch renovierte Wohungen in passabler Lage bekommen kann (wo man ohne Auto zur Arbeit kommen kann), reichen ca. 1.900 brutto/1.360 netto für Alleinstehende für ein solches Leben aus (hier am Niederrhein!).

    Das wären dann etwa 11,- Bruttostundenlohn, selbst Pflegehilfskräfte etc. liegen inzwischen über diesem Satz.

    Man hätte dann nur ca. die Hälfte des Durchschnittseinkommens aller Deutschen.


    Als Mindestlöhner in Vollzeit käme man auf ca. 1.200 netto, wovon man hier durchaus leben kann, wenn man nicht sein halbes verfügbares Einkommen in ein Auto steckt, sondern mit Fahrrad und 50er Roller klar kommt und außerdem prinzipiell in der Lage ist, mit seinem Geld umzugehen (!) und nicht auf 0% Finanzierungen hereinfällt oder ähnliches.

    Jede größere Anschaffung (selbst eine Nähmaschine oberhalb der Discounterklasse), eine Mietkaution, mal eine Urlaubsreise reisst dann aber große Löcher in die kleinen Taschen, die nur sehr mühsam wieder gestopft werden können.


    Alleinerziehende mit Kind und ohne Unterhalter stehen leider viel schlechter da, das steht dann auf einem anderen Blatt.

    Wenn man in Gegenden mit höherem Mietniveau wohnt oder ein Auto zum Pendeln benötigt, dann kommt man mit den o.g. Beträgen natürlich auch nicht aus.

    Ebenso problematisch ist die Altersarmut, die allen droht, die nicht genug eigene Vorsorge betreiben, wenn sie denn schon wenig in die Rentenkasse einzahlen.

    Wobei man bei den o.g. Löhnen ja praktisch keine "Luft" hat, um noch großartig Geld in eine Altersvorsorge zu stecken. DAS ist meiner Meinung nach das Hauptproblem in der Zukunft.

    Gruß
    Detlef


    Die Pfaff meiner Mutter hat damals zwei Monatsgehälter gekostet und näht nach über 60 Jahren immer noch. Dann müsste eine Nähmaschine, die nur einen Tageslohn kostet, umgerechnet ein Jahr halten - tatsächlich, die meisten Maschinen dieser Preisklasse schaffen das sogar.

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  • Ich war alleinerziehend, Unterhalt? Fehlanzeige, eine zeitlang übers Amt, aber damals hat man nur eine begrenzte Zeit Unterhalt vom Amt bekommen.

    Ich hab mich, muss ich zugeben, vor „normalen“ Familien immer geschämt dass ich nur eine 2 Zimmerwohnung hatte...

    was wär´ das Leben ohne Naht??? es wäre öd´und blöd´und fad!!!

  • eigentlich hätte ich in besonderem Maße stolz auf mich sein sollen, dass ich alles so gut meisterte unter erschwerten Bedingungen... aber ich hab mich minderwertig gefühlt... 🧐

    Ich kam mir abgespalten vor von den anderen, aber ich glaube, das war nur in meinem Kopf! das war mein Ding, ich wurde nie ausgeschlossen oder abgelehnt.

    was wär´ das Leben ohne Naht??? es wäre öd´und blöd´und fad!!!

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  • Hallo,

    Ich hab mich, muss ich zugeben, vor „normalen“ Familien immer geschämt dass ich nur eine 2 Zimmerwohnung hatte...

    2 Zimmer mit Kind ist ja auch eigentlich eins (also ein Zimmer!) zu wenig, sobald das Kind aus dem Säuglingsalter herausgewachsen ist. Inzwischen in manchen Großstädten aber schon wieder häufiger zu finden, wenn man den Medien glauben darf - auch bei Normalverdienern, weil einfach der Umzug in eine größere Wohnung, die nah genug am Arbeitsplatz ist, extrem teuer geworden ist.

    eigentlich hätte ich in besonderem Maße stolz auf mich sein sollen, dass ich alles so gut meisterte unter erschwerten Bedingungen... aber ich hab mich minderwertig gefühlt... 🧐

    Jepp, oft macht man sich selber kleiner, als man ist.

    Als ob man in solchen Zeiten nicht schon genug Probleme hätte ...

    Aber wenn man da mal durchgegangen ist, kann man die "besseren Zeiten" doch umso mehr genießen und würdigen.

    Gruß
    Detlef


    Die Pfaff meiner Mutter hat damals zwei Monatsgehälter gekostet und näht nach über 60 Jahren immer noch. Dann müsste eine Nähmaschine, die nur einen Tageslohn kostet, umgerechnet ein Jahr halten - tatsächlich, die meisten Maschinen dieser Preisklasse schaffen das sogar.

  • Irgendwie reden wir aneinander vorbei und/oder haben grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema. Bei letzterem ist es allerdings eher nicht zielführend, wenn der eine dem anderen seine Sicht der Dinge als die einzig richtige "empfiehlt".


    Wenn dir Dinge "schnurzpiepe" sind, dann ist das für dich gut, hat aber mit mir oder anderen erst mal nichts zu tun.


    Wenn ich nicht mit den Kollegen in den Freizeitpark will, weil ich Freizeitparks generell doof finde, dann begründe ich das auch so und das Thema ist für mich abgehakt.

    Wenn ich an einer Unternehmung nicht teilnehmen kann, weil das meine finanzielle Situation nicht hergibt, dann ist das was ganz anderes. Auch das ist zunächst ein eher geringeres Problem, wenn die Kollegen dann sagen: "Schade. Aber wie wäre es, wenn du für das nächste Mal etwas vorschlägst, wo du dann auch dabei sein könntest", dann finde ich es okay. Aber wenn man es einfach für selbstverständlich hält, dass jeder für ein Freizeitvergnügen einfach mal 100,-€ locker machen kann, und nicht im Traum daran denkt, es könne auch anders sein, dann macht mich das schon traurig .... habe ich aber schon das eine oder andere mal hier erwähnt ;)

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  • Aber warum "schämen wir uns" oder beneiden andere wegen Einkommen! Was ist es in unserer Gesellschaft, die solches Wert denken erzeugt? Können wir uns nur an unserem Einkommen identifizieren? Traurig, traurig.

    Nein. Ich schäme mich nicht.

    Neid? Ich weiß nicht, ob es Neid ist. Es ist mehr so, dass ich mir oftmals wünsche, dass ich einen offensichtlichen Mangel auch einfach mal beheben könnte, ohne mich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Ich weiß nicht, ob das wirklich Neid ist oder nicht doch eher ein verständliches Anliegen. Das ist auch kein Wertdenken.

    Ich identifiziere mich ganz und gar nicht mit meinem Einkommen. Ganz viele Dinge und Lebenseinstellungen wären auch bei einem höheren Einkommen nicht anders (und waren es auch nicht bei einem noch niedrigeren) Ich bin wie ich bin und das ist auch vollkommen in Ordnung. Trotzdem muss ich mich auch nicht davor schämen, wenn ich mir wünschen würde, dass meine Kücheneinrichtung nicht mehr wie vom Sperrmüll aussieht. Ich wüsste jetzt auch nicht, was an diesen eher bescheidenen Wünschen "traurig, traurig" wäre.

  • eigentlich hätte ich in besonderem Maße stolz auf mich sein sollen, dass ich alles so gut meisterte unter erschwerten Bedingungen... aber ich hab mich minderwertig gefühlt... 🧐

    Ich kam mir abgespalten vor von den anderen, aber ich glaube, das war nur in meinem Kopf! das war mein Ding, ich wurde nie ausgeschlossen oder abgelehnt.

    Also ich bin durchaus stolz auf mich und dass ich so vieles unter erschwerten Bedingungen gemeistert habe und auch noch immer meistere.


    Das Gefühl des ausgeschlossen seins findet aber mit Sicherheit nicht nur in meinem Kopf statt. Da geht es jetzt nicht nur darum, dass ich mich mit Kollegen nicht über die letzte Urlaubsreise nach Schweden unterhalten kann, ich kann die auch nicht machen.

    Das ist jetzt nur ein Beispiel für viele andere "Events", an denen viele Menschen nur eingeschränkt oder gar nicht teilnehmen können.

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  • Und?

    Die Kollegen, die mal eben 'nen 100er oder auch 2 für'n Ausflug in 'nen Freizeitpark raushauen, stehen eventuell bei ihrer Hausbank derart tief in der Kreide, das das bißchen zusätzlicher Miese auch nix mehr macht.

    Der Schwedenreisende kann dafür vielleicht nicht mal Hopfen von Gerste unterscheiden... oder hat halt kein anderes Hobby, als das Reisen, das Geld kostet.


    Man sieht immer nur die Fassade - nicht das dahinter.


    Und lieber Sperrmülloptik und bezahlt, als Design-Retro und Schulden kurz vor der Privatinsolvenz.

  • Aline, das stimmt schon, aber ich verstehe es sehr gut, wenn Frust aufkommt, wenn man vollbeschäftigt (!) nicht genug Einkommen erzielt, um z.B. mal spontan ins Theater oder ins Kino gehen zu können oder eben aller paar Jahre mal eine kleine Urlaubsreise machen zu können.


    ...und das ist es auch wohl, warum es mir immer so sauer aufstößt, wenn manche bei jeder neuen richtig teuren Nähaschine am Markt laut aufkreischen und "Die MUSS ich haben!" kundtun.
    Nein, man muss sich nicht seines Wohlstands schämen, aber vielleicht etwas sensibler für die soziale Ungerechtigkeit in unserem reichen Land sein ...

    Beste Grüße aus Schleswig-Holstein
    Steffi


    Meine Devise: "...close enough to perfect for me!"
    (nach einem Song der Country-Band ALABAMA)


    Mein Blog: Das Landei

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  • Trotzdem muss ich mich auch nicht davor schämen, wenn ich mir wünschen würde, dass meine Kücheneinrichtung nicht mehr wie vom Sperrmüll aussieht. Ich wüsste jetzt auch nicht, was an diesen eher bescheidDieenen Wünschen "traurig, traurig" wäre.

    Die Wünsche sind doch völlig normal und haben auch nichts mit Neid zu tun, ebensowenig wenn man sich nicht toll dabei fühlt, dass immer nur andere sich dies und jenes leisten können. Traurig ist m.E. nur der Mangel an Mitgefühl in der bereits erwähnten "Deine Armut kotzt mich an / ist mir egal"-Einstellung.

  • Was den Wohlstand anbetrifft, es gibt diesen Spruch: "Wohlstand verpflichtet". Dem kann ich nur zustimmen. Vielleicht muss man sich nicht seines Wohlstands schämen, aber sich fragen, ob man sich seines Umgangs mit demselben schämen muss oder sich glücklich schätzen kann, das viele, was man empfangen hat, auch gut zum Wohl anderer eingesetzt zu haben.

    Wenn jemand meint, alles haben zu müssen, tut er mir leid...

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  • Aline, das stimmt schon, aber ich verstehe es sehr gut, wenn Frust aufkommt, wenn man vollbeschäftigt (!) nicht genug Einkommen erzielt, um z.B. mal spontan ins Theater oder ins Kino gehen zu können oder eben aller paar Jahre mal eine kleine Urlaubsreise machen zu können.

    .

    Genau so ist es. Das Kino leiste ich mir zwar hin und wieder mal (zufällig weiß ich es gerade sogar genau: im letzten Jahr waren es 5 Kinobesuche) Aber viel mehr kommt da nicht hinzu. Der Besuch der Frankfurter Buchmesse noch.

    Es ist nicht mal so, dass mir der Sinn nach so besonders vielen aushäusigen Unternehmungen steht. Gut ein paar mehr dürften es sein.

    Vielmehr regt es mich eigentlich auf, dass ich so grundsätzlich nicht voran komme.

    Jetzt arbeite ich zwar in einer anderen Abteilung und habe ein bisschen mehr Geld. Aber dadurch, dass ich in der neuen Wohnung auch ein bisschen mehr Miete zahlen muss und vor allem den Umzug auch noch abbezahlen muss, bleibt am Ende nur wenig mehr übrig. Dieses "wenig mehr" versuche ich natürlich zu sparen, beispielsweise damit das mit dieser "Sperrmüllküche" mal ein Ende hat. Aber bei dem Spartempo darf ich mich noch eine Weile an der Sperrmüllküche erfreuen.


    Zitat

    ...und das ist es auch wohl, warum es mir immer so sauer aufstößt, wenn manche bei jeder neuen richtig teuren Nähaschine am Markt laut aufkreischen und "Die MUSS ich haben!" kundtun.

    Nein, man muss sich nicht seines Wohlstands schämen, aber vielleicht etwas sensibler für die soziale Ungerechtigkeit in unserem reichen Land sein ...

    Mit "Die muss ICH haben" kann ich sehr gut leben. Das kann ich sogar sehr gut nachvollziehen.

    Nicht so gut zurecht komme ich damit, wenn jemand sagt "Das muss MAN haben"

    Vor einiger Zeit sagte mir mal ein Kollege "wer noch nie auf Kuba in Urlaub war, der hat noch nie richtig gelebt". Ich gebe es zu, dass mir bei solchen Aussagen das Messer im Sack aufgeht (welches ich gar nicht habe) und es mir schwer fällt, noch einigermaßen höflich zu bleiben. Es wäre vollkommen in Ordnung gewesen, wenn er von seinem Urlaub in schillernden Farben geschwärmt hätte. Aber so? Nee.

    Niemand muss sich schämen für das was er hat oder auch nicht hat. Wir sollten aber aufmerksamer miteinander umgehen.

  • Ja, es ist extrem nervig, wenn trotz Vollzeitbeschäftigung nur ein Nettobetrag rauskommt, der einem gerade mal eine einfache, bescheidene Lebensführung ermöglicht, weil jeder Pfennig zwei Mal umgedreht werden muß, damit das Geld nicht vor dem Monat endet. Spontane Unternehmung sind da recht dünn gesäht.


    Ich weiß genau, wie das ist ... und wie Scheiße sich das anfühlt.


    Geht ungeplant etwas kaputt, dann muß man Kopfstände machen um es zu ersetzen (oft nur gebraucht möglich) und es dauert lange bis das "Loch", das die unvorhergesehene Ausgabe gerissen hat, wieder zu stopfen.


    Ich wohne am AdW, bin auf einen fahrbaren Untersatz für den Beruf angewiesen. Der ÖPNV scheidet für mich wegen mangelnder Verbindung und meiner chaotischer Arbeitszeiten aus. Ein Umzug in die Stadt kommt aus diversen Gründen nicht in Frage.


    Die Kosten für den Lebensunterhalt (Miete, Energie, Lebensmittel, etc.) und für das Auto sind in den letzten Jahren gestiegen. Deutlich mehr als meine Verdiensterhöhung, so daß nach Abzug der Kosten letzlich für mich weniger übrig bleibt.


    Manche Dinge, die ich gerne mache, z.B. Motorradfahren, kann ich mir nur leisten, weil ich eine Nebenbeschäftigung habe, aus deren Verdienst ich die Kosten bestreiten kann. Jede fordert vollen Einsatz, was anstrengend ist und mir manchmal ganz schön auf den Geist geht.


    Das kann nicht die Lösung für alle sein. Dennoch haben über 4,1 Mio Menschen in Deutschland einen Nebenjob (Quelle de.statista.com, Stand Jan 2020). Da frage ich mich manchmal schon, was da schief läuft.

    Kreativität ist ... eine Allround-Fähigkeit für alle :na: Lebenslagen.

    Die Eile ist der größte Feind der Qualität. (Irena Paukshte)
    Keine Frau ist perfekt, aber die aus dem Süden :biggrin: sind verdammt nah dran.

    Einmal editiert, zuletzt von Sporcherin ()

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  • Ja, es ist extrem nervig, wenn trotz Vollzeitbeschäftigung nur ein Nettobetrag rauskommt, der einem gerade mal eine einfache, bescheidene Lebensführung ermöglicht, weil jeder Pfennig zwei Mal umgedreht werden muß, damit das Geld nicht vor dem Monat endet. Spontane Unternehmung sind da recht dünn gesäht.


    Ich weiß genau, wie das ist ... und wie Scheiße sich das anfühlt.


    Geht ungeplant etwas kaputt, dann muß man Kopfstände machen um es zu ersetzen (oft nur gebraucht möglich) und es dauert lange bis das "Loch", das die unvorhergesehene Ausgabe gerissen hat, wieder zu stopfen.

    Und seien wir doch mal ehrlich, wenn man bereits in einem Haushalt lebt, bei dem das meiste Zeug, uralt oder im doppelten Sinn "billig" ist, desto eher muss man auch damit rechnen, dass jeden Monat etwas anderes kaputt geht, dass dann ersetzt werden muss. Man möchte es dann eigentlich durch etwas "hochwertiges" ersetzen, das dann auch mal länger hält, was dann bei so spontan kaputt gehenden Dingen doch wieder nicht möglich ist und schwuppdiwupp ist man in einem Teufelskreis. Es ist zum Kotzen.


    Zitat

    Ich wohne am AdW, bin auf einen fahrbaren Untersatz für den Beruf angewiesen. Der ÖPNV scheidet für mich wegen mangelnder Verbindung und meiner chaotischer Arbeitszeiten aus. Ein Umzug in die Stadt kommt aus diversen Gründen nicht in Frage.

    Das ist jetzt bei mir genau andersherum, was es aber auch nicht zwingend besser macht. Ich habe kein Auto, weswegen ich in der Stadt lebe. Oder es ist eher anders herum. Ich lebe in der Stadt, weil ich mir kein Auto leisten kann. So viel billiger wird es mit der Miete in den Dörfern drum herum jetzt nun auch nicht, dass ich von der Ersparnis ein Auto finanzieren könnte.

    Grundsätzlich brauche ich auch kein Auto. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen ein Auto mal gar nicht so verkehrt wäre. Wobei wir dann wieder bei den Dingen wären, die kaputt gehen und ersetzt werden müssen. Angenommen, mir geht der Kühlschrank kaputt und eigentlich fehlen mir noch 200,- € für das Modell, dass ich mir als langlebig und praktisch und was auch sonst immer ausgedacht habe. Wenn ich das erzähle, kommt unter Garantie der Tipp "Ach, das macht doch nix! Guck doch einfach mal bei Ebay Kleinanzeigen etc. Da werden immer mal Kühlschränke verschenkt. Nimm doch einfach so einen, bis zu dein Geld für dein Wunschmodell zusammen hast!" Ja. Super Tipp. Wenn man ein Auto hat. Sonst ehr nicht so.


    Zitat

    Manche Dinge, die ich gerne mache, z.B. Motorradfahren, kann ich mir nur leisten, weil ich eine Nebenbeschäftigung habe, aus deren Verdienst ich die Kosten bestreiten kann.

    Jede fordert vollen Einsatz, was anstrengend ist und mir manchmal ganz schön auf den Geist geht.


    Das kannt nicht die Lösung für alle sein. Dennoch haben über 4,1 Mio Menschen in Deutschland einen Nebenjob (Quelle de.statista.com, Stand Jan 2020). Da frage ich mich manchmal schon, was da schief läuft.

    Nein, das kann nicht für alle die Lösung sein. Ich bin mit meinem Vollzeitjob vollkommen ausgelastet. Mehr schaffe ich einfach nicht mehr. Schon wenn sowas vorkommt, dass ich mal 3 Wochen am Stück jeden Tag 1 bis 2 Überstunden machen muss, kostet mich das mehr Kraft als ich habe und ist schon manches Mal damit geendet, dass ich krank wurde.

  • Nein. Ich schäme mich nicht.

    Neid? Ich weiß nicht, ob es Neid ist. Es ist mehr so, dass ich mir oftmals wünsche, dass ich einen offensichtlichen Mangel auch einfach mal beheben könnte, ohne mich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Ich weiß nicht, ob das wirklich Neid ist oder nicht doch eher ein verständliches Anliegen. Das ist auch kein Wertdenken.

    Dich meinte ich nicht. Es war aber irgendwo in diesem Thread die Rede davon, dass man sich schämt, wenn man sich nur preiswertes leisten kann. Ich finde es einfach traurig, dass wir in unserer modernen Gesellschaft immer wieder fadenscheinige Gründe suchen, uns besser zu fühlen, indem wir auf andere herabschauen (ich kenne die Versuchung bei mir!)

    Hochachtung vor allen alleinstehenden Müttern! Hochachtung für alle die hart arbeiten und trotzdem sich nie genug verdienen, um einmal sparen zu können.

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  • Ich finde es einfach traurig, dass wir in unserer modernen Gesellschaft immer wieder fadenscheinige Gründe suchen, uns besser zu fühlen, indem wir auf andere herabschauen (ich kenne die Versuchung bei mir!)

    Schlimm finde ich persönlich auch immer solche eigentlich sicher gut gemeinten Worte wie "Anderen geht es doch noch schlechter" Ich fühle mich nämlich schäbig, wenn ich mich an denen aufrichte, die es nicht so gut wie ich haben.

    Natürlich bin ich froh ein Dach über dem Kopf zu haben. Aber wenn ich mir dazu erst einen Obdachlosen bedauernd betrachten muss? Nee.

  • Ich verstehe diesen Satz tatsächlich anders, was ihn aber nicht besser macht. Ich empfinde den aufgezwungenen Blick "nach unten" eher so, als wolle man mir mitteilen, dass ich gar keinen Grund habe zu meckern /stöhnen etc, da es anderen ja schlechter gehe. Ja, manchmal kann so ein Satz erden, aber häufig ist er einfach unangebracht und verletzend.

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  • Ich verstehe diesen Satz tatsächlich anders, was ihn aber nicht besser macht. Ich empfinde den aufgezwungenen Blick "nach unten" eher so, als wolle man mir mitteilen, dass ich gar keinen Grund habe zu meckern /stöhnen etc, da es anderen ja schlechter gehe. Ja, manchmal kann so ein Satz erden, aber häufig ist er einfach unangebracht und verletzend.

    Ja natürlich. Man hätte keinen Grund zu meckern, weil es anderen noch schlechter geht, ist genauso dämlich.

    Das ist so ähnlich wie der im Social Media Bereich so oft zu hörende Satz "Ja haben wir denn keine wichtigeren Probleme!" Das liest man gerne mal in den Kommentaren, wenn jemandem das Thema nicht passt, das da besprochen wird. Als ob sein Augenmerk nur auf ein einziges Problem richten könnte.

  • Man kann es auch so sehen: Der große Unterschied an materiellen Möglichkeiten - im eigenen Umfeld wie auch in der ganzen Welt - ist ein riesengroßes Spannungsfeld. Durch dieses Spannungsfeld werden viele unangenehme Gefühle getriggert.


    Man kann persönlich daran arbeiten, unangenehme Verstrickungen mit dem Thema zu überwinden. Beispiel: Es gibt keinen Grund, mich klein und menschlich minderwertig zu fühlen, nur weil ich weniger verdiene, als jemand anderes. Der Wert als Mensch bleibt davon doch eigentlich unangetastet. Wenn ich aber anders fühle - und das ist sehr verbreitet und nachvollziehbar - kann ich üben, aus so einer Verstrickung herauszukommen. Und das finde ich sehr wertvoll, weil ich das als eine große innere Befreiung ansehe.


    Andere damit verbundene unangenehme Gefühle wie Wut und Ärger sind vielleicht auch sehr wichtig, weil ja vieles auch ganz real ungerecht oder untragbar ist. Ich werde wütend, wenn ich daran denke, wie Näherinnen in China, Indien oder Pakistan für einen ganzen Tag schwere Arbeit nur 2 Euro Lohn erhalten. Wenn ich eine Chance sehe, gegen diese Ungerechtigkeit zu verändern, kann ich diese Gefühle in konstruktives Handeln verwandeln. So lange das nicht möglich ist, muss ich lernen, mit dieser Ungerechtigkeit auf der Welt einen Umgang zu finden, das auszuhalten.


    Kurzum: Ich sehe da überall ein Lernfeld, einen guten Umgang mit meinen Emotionen zu finden und einen Selbstwert zu entwickeln, der nicht an materiellen Wohlstand gebunden ist.


    Das das alles nicht leicht ist, ist mir natürlich klar.

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