Satin... gibt es in verschiedenen Ausführungen, Dicken, Qualitäten usw...
Ich habe bisher nur einen Stoff gesehen, der zumindest auf einer Seite wie Satin glänzt und den ich als halbwegs anfängertauglich bezeichnen würde. Ich vermute, ich habe damals einen Fahnenstoff gekauft. War nicht zum nähen gedacht, sondern um lange Bahnen von der Decke einer Turnhalle auf den Boden hängen zu lassen... DEN verwende ich derzeit sehr gerne als Futter für Taschen. (Das Turnhallenprojekt ist vorbei). Der franst nicht aus, glitscht nicht ganz so dramatisch und hat einen stabilen Griff. Auf der Rückseite ist er matt und grob gewebt. Ich vermute, das ist ein extra Gewebe da auf der Rückseite. Nachteil: er ist schwer.
Dann gibt es das Zeug, was man als Satin für Fasching und Co kauft. Meist Polyirgendwas. Recht dünn, flutschig, verschiebt sich beim nähen gegeneinander .. absolute Fummelei, nicht anfängertauglich. Außerdem fransen viele davon aus, noch bevor man versäubern auch nur aussprechen kann...
Danach gibt es noch die teureren Varianten aus Seide ($$$$) oder Baumwolle (meist bezahlbarer). Die aus Seide sind ebenfalls eher unangenehm zu verarbeiten. Die aus Baumwolle sind besser. Da hatte ich mal einen wunderschönen Baumwollsatin, damit hats Spaß gemacht.
Außerdem gibt es unter der Bezeichnung Futtertaft noch Viskose- und Acetat-Material, welches ebenfalls wie Satin glänzen kann. Leider auch so zu verarbeiten ist.
Ich würde Satin in den meisten Fällen nicht als anfängertauglich einstufen, da es zum einen sehr schnell ausfranst, zum anderen sich beim nähen die Lagen gegeneinander verschieben (sehr glattes Material, deswegen glänzt es auch so schön).
Willst du es trotzdem verarbeiten ein paar Tipps, wie ich dem Zeug zu Leibe gerückt bin:
Zuschnitt/fixieren:
- Rollschneider verwenden, keine Experimente mit 'im Bruch' oder gar mehrlagig zuschneiden. Oder gut fixieren.
- viel stecken mit Stecknadeln, aber immer brav auf der Nahtzugabe bleiben, möglichst nicht bis wenig im sichtbaren Teil. Klammern sind auch hilfreich, weil sie keine Löcher hinterlassen, dafür manchmal Abdrücke.
- Manchmal hilft auch kleben. Pritt-Klebestift, wenn es auswaschbar sein muß, Tesa-Klebestift oder Textilkleber, wenns egal ist. Oder diese Klebebänder verwenden.
- Nach dem Zuschnitt sofort versäubern. Egal wie. Polytierchen kann man auch mit dem Lötkolben zuschneiden (habe ich noch nie gemacht) oder über einer Kerzenflamme 'versäubern'. Das Plastik schmilzt und verklebt sich an den Rändern, damit franst es weniger. Nachtrag: eher einen breiten Zick-Zack-Stich verwenden oder eine Overlock.)
Nähen:
- möglichst vermeiden, den Transport der Maschine auf der glänzenden Seite zu haben. Hinterläßt gerne mal Abdrücke oder zieht sogar Fädchen.
- Nadel eher 65er oder 70er Universal oder microTex-Nadel 70 oder so (die mit der besonders feinen Spitze).
- genau vorher stecken/heften oder beides. Das Zeug verrutscht unter der Maschine nicht nur zum Fuß, sondern auch die Stofflagen zueinander.
- ggf Handnähte machen
Damit gehts auch als Anfänger, kostet aber Nerven. Nicht wundern, wenn es am Ende trotz aller Sorgfalt doch nicht so exakt war, wie du dir das vorgestellt hattest oder länger gedauert hat als erwartet oder du letztendlich doch alles mit der Hand genäht hast.
Eines kann ich dir sagen: man kann viel dabei lernen.
LG
neko