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Erste Schritte in Sachen Schnittkonstruktion

  • Hallo liebes Forum,


    ich versuche mich gerade an Schnittkonstruktion. Mein erstes Projekt ist eine Hose. Zunächst hab ich mir das Buch "Die Herrenschneiderei" von Sven Jungclaus gekauft. Ich glaub, da sind eine Fehler drin oder es fehlen Informationen. Jetzt hab ich hier "Patternmaking for Menswear" von Gareth Kershaw. Das ist insofern gut, als dass zunächst ein Grundschnitt/Sloper angefertigt wird, der dann als Grundlage für verschiedene Varianten gilt.


    Allgemein fühle ich mich mit dem Ergebnis unsicher. Ich habe den Eindruck, dass manche Maße errechnet werden, das aber nicht ausgezeichnet wird. Das Taillenmaß wird nicht in die Konstruktion einbezogen. Die "outside leg measurement" auch nicht, obwohl am Anfang steht, dass beides einbezogen wird. Allgemein fänd ich es auch verdächtig, wenn der Taillienumfang nicht verwendet werden würde.


    Das nächste Problem ist, dass ich jetzt dadurch zwar einen Sloper habe, der halbwegs passt, aber wenn ich den verwende, um eine Jeans anzufertigen, kann ich mir nicht vorstellen, dass das sinnvoll ist, dafür die eigentliche Taille zu verwenden. So hoch soll die Jeans nicht sitzen. Wenn ich einen neuen Sloper mithilfe der niedrigeren Taille erstelle, entsteht ein seltsames Ergebnis, insbesondere an der hinteren Schrittnaht.


    Hat jemand Tipps oder Erfahrungen in dem Zusammenhang?


    Lieben Dank und Gruß!

    Jan

  • Hallo Jan,


    Herzlich willkommen im Forum.

    Sobald Du einen passenden Sloper hast, ist die meiste Arbeit schon getan. Für einen Sloper nimmt man immer die natürliche Taille, die in einem daraus erstellten anderen Schnitt höher oder tiefer sitzen kann.


    Gibt es in Deinen Büchern keine Anleitung für eine Jeans aus dem Grundschnitt?

    Ich kenne dazu nur die Anleitung aus Hofenbitzer "Schnittkonstruktion für die Damenmode", die aber bei einer Jeans auch für Männer funktionieren müsste.

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  • Danke für die freundliche Begrüßung und die Antwort.


    Ja, den Eindruck hab ich auch, dass der Sloper eine große Hilfe ist. Die Anleitung zur Konstruktion der Jeans ist in dem Buch dagegen deutlich kompakter. Also ja, die Anleitung für die Jeans existiert. Doch soweit ich das sehe, wird dafür die Taille nicht nennenswert tiefer angelegt. Die Hinterhose ist zwar dann niedriger an der Taille, dafür werden dann die Yokes (weiß das deutsche Wort nicht, also diese schmaleren Flügel hinten zwischen Hüfte und Taille) konstruiert. Ich gucke mir das noch mal genauer an oder führe die Anleitung zuende durch.


    Also wenn das grundsätzlich so ist, dass der Sloper für die natürliche Taillenhöhe erstellt wird, ist das schon mal eine hilfreiche Information. Dann bastle ich an dem nicht mehr herum, wenn er passt. Und so wird es in dem Buch auch gemacht. Wenn mir dann die Taille bei der Jeanskonstruktion zu hoch sitzt, könnte ich dann vielleicht eben an der Stelle was ändern, also dann beim Jeans-Schnitt selbst, wenn er fertig ist.

  • ..."yoke" wird im deutschen als "Sattel" bezeichnet ...
    Bei dem Konstruktionsproblem kann ich dir leider nicht helfen ...

    Beste Grüße aus Meck-Pomm
    Steffi


    Meine Devise: "...close enough to perfect for me!"
    (nach einem Song der Country-Band ALABAMA)


    Mein Blog: Das Landei

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  • Ah, Sattel, danke.


    Es scheint so zu sein, dass die vordere Mitte des Slopers knapp 1,5cm tiefer gelegt wird. Ansonsten bleibt die Taille so. Der Hosenbund kommt dann anscheinend noch dazu. So hab ich dann eine Jeans, die dann wirklich sehr hoch sitzt.


    Dann wäre die Frage, ob ich die Jeans nicht doch besser von einem Sloper mit tieferer Taille aus konstruiere oder beim Konstruieren der Jeans was anders mache.


    Ich hab jetzt schon viel Zeit damit verbracht und mehrere Versuche unternommen und halte mich nicht für blöd mit sowas und hab trotzdem den Eindruck, dass das alles noch nicht rund ist so, also als ob ich noch was nicht verstanden habe oder ob die Anleitungen nicht vollständig oder fehlerhaft sind.

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  • Nimm Deinen Sloper - bzw. die daraus abgeleitete taillenhohe Jeansgrundform.

    leg Deine "Oberkante Hose" dahin, wo Du sie an Dir haben willst. Sprich: Schneid ab, was Dir zuviel ist.

    Solange die später an Dir hängen bleibt, nix rausguckt, was nicht soll... ist das dann okay.


    Und in die gekürzte Fassung baust Du dann die typischen Jeansdetails - die flach abgerundete Vordere Eingriffstasche mit angeschnittener Hüftpasse ( falls benötigt: Da wird in den Anstoß zwischen Tasche und Vorderteil der vordere Abnäher reingelegt.)

    Den Sattel hinten - auch hier: Falls Du 'nen Abnäher benötigst, wird der in die Sattelnaht gedreht.

    (Feintunig in beiden Fällen am lebenden Objekt.)


    ;) Richtig ist, was funktioniert...

  • Hehe, ja, danke, das entspricht mir sehr. Ursprünglich hatte ich vor, mir selbst ohne Hintergrundwissen meine Sachen selbst maßzuschneidern. Das hab ich auch gemacht mit einer Weste und das hat Spaß gemacht und gut geklappt. Und dann bin ich auf das Thema Schnittkonstruktion gestoßen und dann hab ich's mit der Theorie vermutlich etwas übertrieben. Also mit diesem Basiswissen und den entsprechenden Anleitungen und dem Grundsatz, richtig ist, was funktioniert, mache ich dann einfach mal weiter.

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  • Also letztlich betrifft das auch das Thema Design. Die Weste hab ich mir nicht nur selbst angepasst, sondern auch selbst designt. Und vielleicht sollte ich dann die Schnittkonstruktion für die anderen Kleidungsstücke auch als Inspiration betrachten und nicht als mathematische Formelsammlung, wo es korrekt und falsch gibt.

  • Auf die Idee, alles direkt als technische zeichnung aufzubauen, kommt man am ehesten D. Das Land der Ingenieure... ;)


    So ziemlich alle anderen drapieren erstmal. Und wenn sie wissen, wie ihr Arbeitsmaterial funktioniert, kommt das mathematische-technische dazu...

    Wobei manche Maße in der Konstruktion immer berechnete und nicht gemessene sind,


    Wenn Du für Dich arbeitest: Ein wirklich guter Alter Ego - also eine Schneiderpuppe nach und mit Deinen Maßen, bei Herren natürlich mit Torso mit Beinansatz - ist enorm hilfreich- Du musst dann nicht mehr immer mit dem glatten Laken anfangen.


    Das Wissen, wie man vom gemessen Maß am dreidimensionalem Körper zum zweidimensionalem Schnittmuster kommt, ist allerdings auch sehr hilfreich - um eben jedes "Laken" zumindest grundsätzlich in die richtige (Grund)Form zu bringen.

    Und manche Sachen... funktionieren auf dem Papier hervorragend - aber an Dir genau so weit, wie Du der Idealfigur entsprichst. Und das kann heißen: Sie funktionieren an Dir und für Dich genau gar nicht.

    (Individuelle Staturbesonderheiten kommen eh immer am Schluß eingebaut.

    Und um das tun zu können, hab ich angefangen, mich mit Schnittkonstruktion zu befassen. Richtig weit bin ich da nicht, aber für meine zwecke - das abändern fertiger SM - reicht's.)


    Dein Hosen-Problem ist, soweit es die Leibhöhe in der von Dir beschriebenen Form betrifft, eh ein Design-Problem. Keines der grundsätzlichen Aufstellung.


    Herr Jungclaus (ich hab das Buch) schneidert sehr traditionell. Und hat ein distinguierteres Publikum im Blick... dementsprechend gibt's da eben auch eher klassische Abmessungen bei den Kleidungsstücken.

    Und Hosen sitzen da, wo sie klassisch hingehören und nicht da, wo sie in den letzten ~ 20 Jahren mit der jugendlichen Sportmode hingerutscht sind...

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  • Und Hosen sitzen da, wo sie klassisch hingehören und nicht da, wo sie in den letzten ~ 20 Jahren mit der jugendlichen Sportmode hingerutscht sind...

    Das finde ich zum :graete: wenn der Schritt in den Kniekehlen hängt und oben die Unterhose rauskommt. Oder gar das Maurerdekoltee.

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    Liebe Grüße

    Walter


    Bist Du wütend zähl bis vier, hilft das nicht dann explodier! Wilhelm Busch


  • Lieber Walter,

    zwischen dem, was du beschreibst und einer gut sitzenden Hose mit etwas tieferem Bund liegen aber Welten :cool:!
    Eine Jeans mit hoher Taille ist zumindest im Sitzen auf die Dauer unbequem :2cent: ...

    Beste Grüße aus Meck-Pomm
    Steffi


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  • Ich denke, Hosen sitzen da am besten, wo die Personen, die sie tragen, es am besten gefällt. Wo die Hosen von anderen sitzen, ist nicht meine Sache und das hab ich nicht zu entscheiden.


    "Herr Jungclaus (ich hab das Buch) schneidert sehr traditionell. Und hat ein distinguierteres Publikum im Blick... dementsprechend gibt's da eben auch eher klassische Abmessungen bei den Kleidungsstücken."


    Ja, deshalb hab ich mir das Buch gekauft, weil ich mit meinen Kreationen unter anderem in diese Richtung gehen wollte. Leider bin ich an der Konstruktion der Hose mithilfe des Buches vorerst gescheitert. Der Sloper für die Jeans kommt aus "Patternmaking for Menswear". Wenn ich mit Sinn und Verstand und Praxis arbeite und nicht nur mit den Zahlen auf dem Papier, müsste ich aber letztlich alles hinbekommen, zum Beispiel auch eine Jeans aus dem Hosengrundschnitt von Jungclaus.

    Ich bin in diese Schnittkonstruktion eingestiegen, weil ich dachte, dass ich auf diese Art auch lerne, Kleidung für andere zu machen. Jetzt denke ich, ich fahre am besten, wenn ich das einfach so mache, wie ich es für richtig halte und wenn es funktioniert, ist es richtig und wenn es noch nicht funktioniert, bringe ich es dazu.

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  • Verstehe ich das richtig, dass es üblich ist, den Hosenbund dann noch auf die Taillien-Linie zu setzen, also die Hose dann nach oben hin länger ist als der Grundschnitt/Sloper? Mir kommt das seltsam vor, denn wenn ich den Sloper mit der natürlichen Taille nehme, sitzt sie schon sehr hoch und wenn der Bund dann noch etwas breit ist, hab ich sie ja bald unter den Achseln. Und in den abgeleiteten Konstruktionen wird der Bund meiner Ansicht nach nicht abgerechnet, bevor er wieder angesetzt wird.


    Wenn dem so ist, würde ich dann doch eher den Bund vom Sloper abziehen oder wenigstens die Hälfte der Bundbreite.

  • ;)

    Moment.

    Der distinguierte Herr trägt keine Jeans.

    Das ist Arbeiterkleidung, sowas kommt für den Herrn Kommerzienrat nicht in Frage. Wo kämen wir denn da hin...



    Außerdem ist eine Jeans schon im Ansatz anders aufgestellt, als die normale Hose.

    Von daher grundrichtig, das Du da auf eine explizite Jeans-Konstruktions-Anleitung umgestiegen bist.

    (Ganz grundsätzlich: Die Jeans war eine wohldurchdachte aus der Praxis entwickelte Reit-Arbeitshose. Robust, und problemlos auch bei stundenlangem Sitzen im Sattel. Daher ergeben sich die Besonderheiten bei der Passform/Konstruktion, als auch der Verarbeitung.)


    Nein, Bund wird abgezogen, nicht noch draufgesetzt. (Es sei denn, Du möchtest in Extremo die Hose wie Obelix tragen...)

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  • Super, danke für die Infos.


    Und ja, ich hab verschiedenen Ansätze. Grundsätzlich geht's mir um bestimmte Kontraste, um Historisches und um Arbeitskleidung und Arbeiterkleidung. Und ich verstehe das so, dass distinguiert in dem Zusammenhang heißt, traditionell, also eben auch historisch. Ich denke dabei an 20er-Jahre, News Boy's Cap, Zirkus, Straßenkleidung. Und die Jeans gehen in eine andere Richtung, die mich interessiert. Und dann eben die Kombination von scheinbaren Widersprüchen. Mir schwebt eine Nadelstreifen-Jeans mit Schlag vor. Oder eine Nadelstreifen-Jogginghose. Und ich erzeuge die Kontraste auch mit Farben, also eine News Boy's Cap mit Paspeln in Lila und Türkis. Bei der Weste ebenfalls. Oder ein Rock mit Hosenträgern. Das macht mir Spaß und entspricht mir und da gibt's sehr viele Möglichkeiten, die mir gefallen.


  • Jetzt denke ich, ich fahre am besten, wenn ich das einfach so mache, wie ich es für richtig halte und wenn es funktioniert, ist es richtig und wenn es noch nicht funktioniert, bringe ich es dazu.

    Oder wie man in der Buchhaltung so sagt:

    "Was nicht passt, wird passend gemacht!"

    Vergiss niemals, dass ältere Frauen coole Mädchen sind, die nur schon lange leben!

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  • Ich kenne das als Spruch aus dem Handwerk. Vermutlich findet man den in vielen Branchen als Grundhaltung. Ausgerechnet die Buchhaltung hätte ich jetzt als einen Zweig angesehen, wo's etwas mehr um Genauigkeit geht. Also wenn eine Schneiderin sagt: "Hier kann ich noch ein bisschen was wegnehmen und da noch etwas mehr zugeben", ist das gutes Handwerk. Wenn man das aus der Buchhaltung hört, halte ich das eher für kein gutes Zeichen :-D

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