Die Radhose

  • Moin moin,


    da in einem anderen Thread von mehreren radfahrenden Forumsmitgliedern - naja, es waren mindestens 3 - das Bedürfnis nach einem Radhosenprojekt entflammt ist, fädel ich hier einen neuen Faden ein.


    Mmh, Radhose, was kann die nun, oder soll die können? Es gibt ja auch hier die verschiedensten Arten von Hosen. Knackig eng, für die sportlich ambitionierten Rennradler, bis hin zu einer kaum als Radhose erkennbare Alltagshose. Letztere gibt es eher selten. Dazu zähle ich zum Beispiel die Levis Commuter oder als Regenhose auch die Vaude Homy.


    Am Rande sei erwähnt, dass es auch schon Sakkos für Radfahrer gibt. So zum Beispiel von Brompton das Oratory Jacket.
    Aber hier geht es ja erstmal um Radhosen.
    Mein Interesse geht mehr in Richtung Alltagshose, oder Hose für die Radreise. Eine bequeme Hose, die durch elastischen Material jede Bewegung gut mitmacht.


    Wir könnten hier erstmal Ideen Sammeln und die grobe Richtung festlegen. Wer hat Lust?


    Gruß
    Alex

  • Auf jeden Fall fehlt outlier die schon lange vor Levis und einigen anderen "cycle chic" unter's Volk gebracht, war immer mein Wunsch :cool:, gab es nie in meiner Größe :rolleyes:


    So lange es nicht knallenges Lycra wird, bin ich natürlich auch im Boot ;)

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  • Ein interessantes Projekt.


    Das Stichwort "Radreise" finde ich spannend und ich würde noch "Radausflug" hinzufügen: Man ist mit dem Fahrrad unterwegs und möchte sich zwischendurch unters "normal gekleidete Volk" begeben, z.B. ein Museum besuchen. Da scheidet für mich die handelsübliche, hautende Fahrradbekleidung aus.


    Interessant für mich wäre eine Hose, mit der man bequem auch weitere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen kann aber auch den "Komfort" einer Freizeithose/Jeans bietet (Stichwort: Hosentaschen).


    Für mich stellt sich die Frage, ob man wirklich auf elastisches Material angewiesen ist, oder ob es eine schnitttechnische Lösung gibt? Eventuell ja mit teilweise dehnbaren Einsätzen.

  • Moin,


    klar sollen die Hosen auch auf Radreise taugen, bei mir aber auch "Ride to work" tauglich sein, wenn mich mal zum Kunden muss und nichts mitschleppen muss.


    Der erste Versuch (mit abgenommenen Jeansschnitt) auf Tactel und "Doppel-Baggys" (liebe ich, hinten schnell die Karte rein, die auch beim Fahren NICHT rausfällt), vorne die üblichen Verdächtigen. Die Dehnfahlte mit Reflexstreifen gearbeitet. Die Saumweite so festgelegt, dass ich die Hose als 3/4 Hose noch problemlos fahren kann und habe dies den Sommer über häufiger gemacht.
    radSache Hose Jura - Taschendetails.jpg


    Das Tactel trägt sich überraschenderweise sehr angenehm, auch wenn es heiss wird, obwohl es einen recht technischen Griff hat. Leider


    a) ist es sehr deutlich glänzend


    b) Nach ein paar Stunden im Sommer auf dem Rad, sieht man sehr deutlich, wie sich die Salze vom Schweiss in der Struktur aussen abgesetzt haben :mad: …*also nicht "Schweissränder" aber über alle weiße Körnchen. Das ist dann nicht mehr unbedingt für "unter Menschen geeignet"


    c) Auf einem gut eingefahrenen und nicht zu glattem Brooks rutscht man damit wie Hölle, auf der Abfahrt durch die Schöllenenschlucht und weiter zum Urner See habe ich geflucht wie nix gutes :skeptisch:



    Zivilvariante 2 … diesmal aus Supplex. Nach verschlimmbesserten Schnitt von 1, keine Seitentaschen :weinen:, die Reflexstreifen als Stoßband integriert :cool:
    Radfahren oder Geschäftstermin, immer auf der richtigen Seite.jpg


    Das Supplex trägt sich noch angenehmer, als das Tactel, wird als "Baumwollgriff" beschrieben, kaum Rutschen auf dem Sattel, auch nicht das "Schweiss-Problem", aber


    a) es glänzt auch, wenn auch nicht so stark wie Tactel


    b) man sieht relativ schnell Pilling obwohl deutlich weniger getragen, als das Tactel




    An dieser Stelle noch einmal ein Dank an Basti :applaus: …*komplett selbst (*hüstel*) auf gestellter Schnitt. Nicht als UNTERbauch, sondern mit Anpassung, d. h. vorne sogar ein wenig höher in der VM.
    WIP_LUH4_08_C.jpg


    Die ist aus Stretch-Polyamid und ist momentan meine absolute LIEBLINGShose, egal ob auf dem Rad oder nicht. Leider ist sie mittlerweile gut 10cm zu weit :weinen:


    Auch wenn das Material auch einen leichten Glanz hat und sich sehr technisch anfühlt (z. B. Mammut Hosen sind z. T. auch aus diesem Material) und beim Laufen auch ein wenig "raschelt", trägt es sich traumhaft. KEIN Problem mit Schweiß, obwohl die schwarz ist, leicht windabweisend, bei 8° wird es langsam kühl, bei 16° noch angenehm.


    Das gibt es auch mit Coolmax-Rückseite und als "unelastisches Stretch-Polyamid".



    Ich habe gerade einen Beitrag unter "Kaufen wo?" erstellt, der aber erst freigegeben werden muss. Sonst weiss ja keiner, über welches Material wir hier wirklich reden. Link folgt!


    So und hier nun der Link zur konkreten Materialdiskussion

    Edited once, last by haegar: Link nachgeliefert! ().

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  • Für mich stellt sich die Frage, ob man wirklich auf elastisches Material angewiesen ist, oder ob es eine schnitttechnische Lösung gibt? Eventuell ja mit teilweise dehnbaren Einsätzen.


    In Wien gibts ein leicht alternativ angehauchtes Geschäft (Gebrüder Stitch / Hosenlabor) in dem man Radljeans erwerben kann (auch nach Maß, nicht ganz billig). Die sind aus ganz normalem Jeansstoff gefertigt und haben an den Oberschenkeln seitlich Einsätze, die man beim Radeln öffnen und "für schön" schließen kann, außerdem einen Bund, der vorne niedriger ist (damit er nicht drückt) und hinten höher, damit der verlängerte Rücken auch bei vorgebeugter Haltung in der Hose bleibt, eine nach vorne verlegte Innennaht und Magnete mit denen man die Hosenbeine leicht enger machen kann und noch ein paar Tricks. Manches davon ist auf der Website dargestellt und erklärt. Man darf auch einfach hinkommen und zuschauen, wenn man zufällig in Wien und auf der Mariahilfer Straße ist.

  • Hallo


    In Wien gibts ein leicht alternativ angehauchtes Geschäft (Gebrüder Stitch / Hosenlabor) in dem man Radljeans erwerben kann (auch nach Maß, nicht ganz billig). Die sind aus ganz normalem Jeansstoff gefertigt…


    danke für den Tip, ich kannte den Laden schon, alleine schon um irgendwelchen Leuten zu zeigen, welche unverschämten Preise man bei cooler Kleidung nehmen kann :cool:


    Ich finde die Hosen von der Idee her richtig nett, ok, manches dann eher "Streetstyle", "BMX," … weiss der Geier was, als für z. B. eine Radreise, aber was niemals nie nicht geht, dass ist DENIM für eine Radhose :eek: …*2km zur Eisdiele, posen, ein paar Jumps machen und wieder nach Hause, oder hier in HH mal 3km durch die Hafencity zum Abendessen beim Portugiesen, das mag gehen, aber für wirklichen Einsatz aua, aua, aua, …*das Zeugt wird nass, richtig nass, ist dick und wahrscheinlich fest und das wird unweigerlich scheuern und reiben. Wenn es mal einen Schauer gibt sitzt man die nächsten Stunden mit klitschnasser Hose da usw.

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  • Meine "Ride2Work" und Reisehose ist aus 85% Polyamid und 15% Elasthan. Der Tragekomfort ist sehr gut. Der Stoff flutscht so richtig übers Knie. Mit einer normalen Jeans gibt es nach mehreren Kilometer Probleme mit dem Gelenk. Für einen leichten Kniescheibenhochstand ist die normal geschnittene Jeans nicht gerade Kilometertauglich. Noch schlimmer, wenn ich mir die Hose unten mit einem Refloktorband zusammenbinde. Gut, man könnte eine Jeans von innen mit einem glatten Stoff rutschiger machen.


    Ein etwas dehnbares Material ist also schon von Vorteil.


    Oben genannte Materialmischung (könnte Thorstens Stretchpolyamid sein), nimmt allerdings sehr stark Wasser auf. Ein kurzer Schauer, und die Hose ist durch. Allerdings fährt sie sich dann immer noch angenehm.


    Die von ju_wien genannten Details wie Bund hinten höher sind ja eigentlich schon obligatorsich. Unten am Hosenbein würde mir aber ein Klett und/oder ein Reißverschluß reichen. Mit einem Magnet kommt dann nur der Schrittfreuquenz Sensor aus dem Tritt ;)


    Eine gute schließbare Belüftung wäre ganz nett, zumindest wenn der Stoff etwas dicker ist.
    Polster am Hintern brauche ich nicht. Eine Verstärkung ist jedoch angebracht. Vielleicht mit Antirutschbeschichtung für steile Abfahrten ;)
    Ein paar unauffällige Reflektoren sind sicher sinnvoll. Die Idee von Thorsten mit den ausfaltbaren Refloktoren am Hosensaum finde ich auch sehr gut.


    Mein Kopf brodelt :rolleyes:, aber ich muss jetzt wieder arbeiten ;)


    Gruß
    Alex

  • In Wien gibts ein leicht alternativ angehauchtes Geschäft (Gebrüder Stitch / Hosenlabor) in dem man Radljeans erwerben kann (auch nach Maß, nicht ganz billig) ...


    Danke! Die Radljeans kannte ich noch nicht. Das sind schon mal ganz interessante Details.

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  • thorsten,


    ich habe überhaupt keinen Plan, was die Materialliste hergeben muss, außer zum, Beispiel 2-3 m Stretch Polyester.
    Ist es Dir möglich eine Materialliste für Dein letztes Hosenmodell anzugeben, damit ich eine möglichst komplette Bestellung bei extremtextil abliefern kann?


    Gruß
    Alex

  • Stretch-Polyamid … btw. habe oben den Link gepostet zu dem 2. Faden wegen konkreter Materialdiskussion, damit es in diesem Thread keinen Ärger wegen Verlinkung zu Händlern usw. gibt.


    Für die schwarze Hose ist die Materialliste eigentlich sehr übersichtlich


    2,x m Stoff, 3m könnten schon sinnvoll sein, zum Probieren / "Einnähen" etc. …*hast Du eigentlich auch Overlock zu Verfügung?
    RV in der für Dich passenden Länge
    Bundeinlage in der für Dich passenden Länge + x Zugabe
    30cm Reflex-Band 20mm


    Beissholz für die Verarbeitung des Stretch-Polyamid :D

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  • Moin moin,


    nachdem ich eine alte - aber gut passende Hose - aus dem Non-Food-Bereich eines Kaffeeherstellers zerlegt habe, und die Bestellung für das Material bald raus geht, mache ich mir Gedanken über den Schnitt bzw. über evtl. nötige Modifikationen an dem aufgemessenen Schnitt.

    (Danke übrigens Thorsten, für Deine Tipps. Eine Overlock habe ich nicht, könnte mir aber von meinem Arbeitskollegen evtl eine ausleihen. Geht es auch ohne mit dem Polyamid?)


    Der Schnitt der Opferhose ist recht schlicht. Die Passe am Hinterteil wird durch einen Abnäher ersetzt. Ich frage mich jetzt, ob ich solche Abnäher zur Formung der Kniepartien von meinem Cargo-Hosen-Projekt übernehmen soll. Zweifle etwas daran, ob diese für's Gehen/Wandern gut sind, aber für das Radfahren schlecht. Beim Radfahren wird das Knie ständig einen 90° Winkel einnehmen, und die Hose rutscht dabei ganz gut hin und her. Die Abnäher und die Knievorformung könnten da fehl am Platz sein.


    Abnäher an "Kaffee"-Hose
    Radhose_Polyamid_001.jpg


    Was meint Ihr?

  • (Danke übrigens Thorsten, für Deine Tipps. Eine Overlock habe ich nicht, könnte mir aber von meinem Arbeitskollegen evtl eine ausleihen. Geht es auch ohne mit dem Polyamid?)


    Hat Deine Nähmaschine verstellbaren Fussdruck oder Obertransport? Wenn jetzt 2x Nein kam, dann würde ich sehr nett zu dem Kollegen sein ;)


    Ich bin jetzt bei den Kinderklamotten und tlw. recht stretchigem Softshell mit meiner Bernina B530 und halbiertem Fussdruck recht gut zurecht gekommen, genäht mit einem Stretchstich, damit der Stoff sich dehnen und die Naht nicht reissen kann.



    Der Schnitt der Opferhose ist recht schlicht. Die Passe am Hinterteil wird durch einen Abnäher ersetzt.


    Das mit der Abnäher ist AFAIK eigentlich die "richtige" Technik, das mit dem Jeanssattel eher eine Vereinfachung aus der Produktion. Die Abnäher werden eigentlich bis oben durch konstruiert und dann beim Abtrennen des Bundes in diesem "versteckt". Ja nach Weite die zwischen Hüfte/Gesäß und Bund weg muss, nimmt man ggf. auch zwei Abnäher und verteilt dann die Weite zwischen Seitennaht und den beiden Abnäher, auch da gibt es dann Empfehlungen für das Verhältnis.


    Ich frage mich jetzt, ob ich solche Abnäher zur Formung der Kniepartien von meinem Cargo-Hosen-Projekt übernehmen soll.


    Btw. die Abnäher am Bund haben eine andere Form - sollten eine andere Form haben - als die Abnäher am Knie, die Form definiert ja dann die Ausformung im 3D.



    Zweifle etwas daran, ob diese für's Gehen/Wandern gut sind, aber für das Radfahren schlecht. Beim Radfahren wird das Knie ständig einen 90° Winkel einnehmen, und die Hose rutscht dabei ganz gut hin und her. Die Abnäher und die Knievorformung könnten da fehl am Platz sein.


    Also nach meinem blutigen Knie mit einer knapp über knielangen Kaufjeans nach einem Tag und 130km würde ich sagen, das Knie so nahtfrei wie irgendmöglich. Andererseits sitzen meine selbstkonstruierten Hose tlw. so gut, dass es eben nicht ein ständiges Auf-Ab an den Knie ist.

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  • Hier noch ein paar Fragen zum Schnitt.


    Am hinteren Beinteil hat mein Aufmaß im Bereich der Knie eine "Verjüngung"
    a) wie ist denn der korrekte Begriff dafür?
    b) ist das überhaupt eine vernünftige Sache?


    Die Kanten der inneren Beinnaht ist am vord. Beinteil 25mm länger als am rückw. BT. Habe ja schon gelernt, dass man ab Kniehöhe das rückwärtige Teil dehnen muss.
    Sind 25mm ein Wert, der im Rahmen liegt, oder ist dort ein Aufmaßfehler zu vermuten?


    Knieschnitt Kopie.jpg


    Gruß
    Alex

  • Die Kanten der inneren Beinnaht ist am vord. Beinteil 25mm länger als am rückw. BT. Habe ja schon gelernt, dass man ab Kniehöhe das rückwärtige Teil dehnen muss.
    Sind 25mm ein Wert, der im Rahmen liegt, oder ist dort ein Aufmaßfehler zu vermuten?


    Beziehen sich die 25 mm auf die gesamte Innennaht oder pro Hosenbein, also dann insgesamt 50 mm?
    25 mm an einem Hosenbein, scheinen mir etwas viel. Da liegt der Wert eher bei ~10 mm.

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  • Beziehen sich die 25 mm auf die gesamte Innennaht oder pro Hosenbein, also dann insgesamt 50 mm?
    25 mm an einem Hosenbein, scheinen mir etwas viel. Da liegt der Wert eher bei ~10 mm.


    Die 25mm sind der Unterschied zwischen den im Bild eingetragenen 800 und 825 mm. Das ist jeweils die Länge der Innennaht am vord. und rückw. Teil bis zum Knick im Schritt.
    Ich kann mir vorstellen, dass man diese 25mm leicht mit dem Stretch Polyamid "zusammendehnen" kann


    Gruß
    Alex

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