.... Quasi Nähmaschine – Quasimodo... ähhh.. Quasatron....
Nach unserem ausgedehnten Frühstück mit Blödeleien, wobei wir die Kaffeekanne umschmissen,sich deren Restinhalt über dem Tisch verteilte und uns damit aufforderte die gemütliche Runde dann doch mal aufzulösen, gingen wir die Nähmaschinenrecherche mit „fast klarer Definition“ wieder an.
Zunächst suchten wir in Online-Auktionsplattformen nach den Maschinen Ideal Automatik, Ideal Super Automatik, Privileg Super Nutzstich und Privileg.
Abgesehen davon, daß wir keine ersteigern, sondern erst gucken, testen und dann kaufen wollen, erschienen uns die angesetzten Preise um die Euro 100 für Sofortkauf zu hoch. Zumal Finanzministerin Cas immer mit einer eventuellen Grundwartung von Euro 70 kalkulierte und damit den Preis in die Nähe einiger von uns angedachten Neumaschinen brachte.
Ganz angetan war Gix von einer orangefarbenen Privileg Stretch-Zick-Zack, die nur Rädchen und gar keine Schalter oder Hebel hat. Eine solche Maschine fanden wir leider kein zweites Mal und so erweiterten wir die Suche auf andere Handelsmarken.
Hey, guck' mal eine schicke, silberne Zanussi, rief Gix – Zanussi, da kannst Du gleich Kaffee kaufen, antwortete Cas – Nö, laß das, das ist Schrott, meinte Popps – Ach, Menno, immer sagt Ihr, das sei Schrott, jammerte Gix.
Das hörte sich dann rund eine Stunde lang in etwa so an:
Wieso wird dann Schrott verkauft? - Na, weil's keiner mehr haben will! - Zanussi ist wie Singer wie AEG – He, he auspacken, einschalten, geht nicht – sei nicht so frech, ich hab' nen AEG-Staubsauger – ja klar, deswegen leben bei Dir auch Wollmäuse – uih... guck eine blaue, schöööön – was das denn? - Inotec, nie gehört – nö, kenn ich auch nicht – mhm, sieht einfach aus – nee, wenn das was gescheites wäre, würde man auch mehr davon finden – los, frag mal Onkel Gockel – stimmt nur Rädchen - da, schau, die ist schön – was, wer wie? - los, klick an – Inotec... Sicherheitssysteme... Fördertechnik.. - logisch, Stoff muß befördert werden – laß bleiben, da gibt’s nix – ....Lebensmittelverarbeitung.... – Was, Du willst uns Kuchen nähen? - Ist der dann auch genießbar? - Nö, Du sollst den Quasimodo anklicken – Hä? Was? - Na da oben, das Quasa-Wasa – ach, da – öhm.... die näht dann auch nur Sachen für Quasimodo *** lautes Gekicher*** - die sieht aus wie ne Privileg aus den 80er-jahren – nöö, die hieß anders – warum, da steht doch Quasi-Dings drauf – ***wieder Lachen*** hihihi, eine Quasi-Nähmaschine – also, was jetzt? - da, los angucken.... - ahaaaaaa..... ***kurze Stille trat ein, vier Köpfe neigten sich Richtung Bildschirm*** - los vergrößer mal - die hieß anders, weiß jemand ein anderes Wort für Privileg – ja, Quelle – ***Gelächter*** - Du bist doof – Bevorzugung – so nennt keiner eine Maschine – favourite – nöö, das war n' deutscher Name – Elitär – obere Zehntausend war n' lustiger Film – ne, der hieß die unteren Zehntausend – schau' mal die hat wirklich nur Rädchen – ***alle Köpfe wandern wieder gegen Bildschirm und stoßen zusammen*** - aua, jetzt hab' ich noch ne Beule - meine Brille sitzt schief - ich kenn' die Marke nicht, könnt' ne Brother sein im Mantel von Wasa-Quasi – mir fällt der Name nicht ein – Merkur? – das war n' Kaufhaus – Neckermann? - ***wieder lautes Gekicher*** - Nee, da hießen die E-Geräte Hanseatic – Hermes? - Oh, Götterbote steh' mir bei! - Victoria? - mhm.. das war DDR – Veritas? - in vino veritas – gibt’s heute abend Wein zum Essen? - ach nee, ich mag lieber Bier - Hercules? - das sind Fahrräder! - na und, haben doch viele erst Fahrräder, dann Nähmaschinen und später Autos gebaut – ach ja? - Ähhh, ich kenn' auch kein Herkules Auto – nö, aber Opel – stimmt – was jetzt, wo ist der Quasimodo? - Frankenwein ist gut – ja, aber trocken - Adler? - nöö, Schreibmaschinen – hihi, Gabriele trieb mich mit ihrem Farbband in den Wahnsinn – Wer ist Gabriele? - der Name der Schreibmaschine, auf der ich tippen gelernt habe – ach so.... - hast Du's jetzt endlich gefunden? …..... - Zündap hat auch Nähmaschinen gebaut – ja klar, nimm' mich auf den Arm, die bauen Mopeds – nee, schau, da guck, eine grüne Zündap – Mönsch, was Du alles weißt..... - ach, jetzt hast Du den Quasimodo verklickt – wer hat wen vertickt? - Was Sporchi hat ihre Zündap vertickt? - also, mal ernsthaft gucken – ***kurze Stille, alle Köpfe wandern fast in DEN Bildschirm*** - Vier Drehrädchen, toll. - Ja, sieht ganz hübsch aus. - Wo steht die denn? - und farblich bebildert – wahrscheinlich am Arsch der Welt – wie heißt das da? - Krei-märs-dorf – okay, die gucken wir an – wie da gekraischt in Kraimersdorf? - bist Du blöd, der will 78 Euro haben, das sind gleich wieder 149 Öcken – da ist kein Bild bei – na Du weißt doch jetzt, wie sie aussieht – nö, lieber die andere angucken - ja, nach Kavelstorf zu der Maschine auf dem Bild fahren wir jetzt nicht – warum nicht? - weil das bei Rostock liegt - die sieht aber schön aus – Sporchi, Du bist eine wandelnde Landkarte - gib' mir mal das Quasselophon.... - willst Du nicht erst mal gucken, wo das liegt, dieses Greimersding? – nö, das weiß Sporchi bestimmt – ach so, Verkehrsministerin höchstpersönlich kennt jedes kleine Kaff – sei' ruhig, das ist um die Ecke – Danke, Cas, Deine Ecken kenn' ich, sind Umwege, die Abkürzungen – also, was jetzt? …
Die diskussionsauslösende Maschine stand, wie Cas richtig bemerkt hatte, wirklich gleich um die Ecke und so vereinbarten wir für 17 Uhr einen Termin. Wir laufen, sagte ich. Popps und Gix guckten verwundert. Nimm Dein Fahrrad mit für den Fall, daß wir sie doch kaufen, riet Cas. Wir fahren gleich mit dem Rad, beschloß ich.
Wie alle auf Deinem Rad? - hast Du nen Anhänger für uns? - Sporchi, der Packesel, zieht uns durch die Lande - ***lautes Gekicher*** - wie soll denn das gehen? - ich hab kein Fahrrad dabei – ich kann nicht mit ner Kettenschaltung fahren – och, das Wetter paßt doch – ich sitz' auf dem Gepäckträger – ... und ich auf dem Sattel und Sporchi tritt
- ***lautes Lachen*** – und ich soll daneben joggen oder wie – nimm' doch Sporchis Rollschuhe – nee, die hat kleinere Füße als ich – hast Du den Tretroller noch? - och, komm' wir fahren doch Auto – Bewegung tut gut – ja, ich will auch ein bißchen raus - wie weit ist das? - gibt's da unterwegs auch ne Eisdiele? - nöö, nur Wald und Wiese - ach, das ist ja blöd - ....
Ich düste zu meiner Nachbarin im Erdgeschoß und fragte, ob wir uns ihr Fahrrad und das ihrer Tochter für rund 1 Stunde ausleihen dürften. Wir durften und da ich ein Einkaufsfahrrad (alt, häßlich, ohne Gangschaltung), sowie ein Ausflugsfahrrad besitze, war die Sache gedeckelt.
Die Fahrradverteilung gestaltete sich recht witzig, denn die geliehenen Räder waren für kleine Personen eingestellt. Popps ist sehr groß, Gix größer als ich und Cas. Doch für die 4 km ins Nachbarörtchen reichte es alle Mal und mir war unbedingt nach Bewegung bei Frischluft. Nach kurzer Fahrt, es ging überwiegend bergab, Gix merkte an, daß wir auf dem Rückweg den Berg auch wieder rauf müssen, erreichten wir das Objekt unserer Begierde.
Ein Herr mittleren Alters öffnete uns und teilte uns mit, daß die Maschine im Keller steht. In einem kleinen Raum neben der Heizung, in dem Wäsche aufgehängt war, stand die Maschine neben Waschpulver und Bügeleisen im Regal. Popps hob eine Augenbraue und Cas rollte die Augen. Popps nahm die Maschine aus dem Regal, stellte sie den Tisch, der auch in dem Raum stand und wischte erst mal den Staub weg. Dann entknotete sie das Kabel und schaute es eindringlich an. Da die Steckdose zu weit entfernt war, holte der Verkäufer einen Hocker und stellte die Maschine drauf. Ziemlich wackelige Angelegenheit. Nö, so geht das nicht, sagte ich und zog den Tisch etwas in Richtung Steckdose. Das hat dem Herrn anscheinend nicht gefallen, gesagt hat er nichts.
Die Quasatron sieht aus wie eine Maschine aus den 80ern, hat drei große Stellrädchen für Stichauswahl, Stichlänge und Stichbreite, sowie ein kleineres Stellrädchen für die Fadenspannung. Das Gehäuse ist aus Metall. Die Spulenkapsel wird von vorne eingelegt. Es ist eine Freiarmmaschine für die es auch einen Anschiebetisch gibt, der bei dem besichtigtem Modell nicht dabei war.
Nachdem Popps die Technik gründlich gecheckt hatte und feststellte, daß Nadel, Spule und Fäden drin waren, zog sie ein Stoffstückchen aus der Jackentasche und probierte die Maschine. Ihrem Gesicht
war leicht zu entnehmen, daß sie mit Maschine nicht einverstanden war. Dann forderte sie Gix auf, es einmal selbst zu versuchen. Gix zögerte und versuchte dann zu nähen. Allerdings wurde alles ziemlich schief – klar sie war aufgeregt, so dachten Cas und ich. Popps sagte ihr, wie sie Rädchen drehen müsse, damit der Maschine ein Zick-Zack zu entlocken sei und die Maschine dachte sich wohl „Ihr könnt mich mal“ und nähte munter geradeaus. Der Quasimodo stellte komplett auf stur, egal wie breit der Zick-Zack sein sollte. Zu anderen Stichen konnte sich der Quasimodo dann herablassen und schnell füllte sich das Stoffstückchen mit Nähten.
Popps fragte den Mann, was die Maschine kosten solle und er, sehr erfreut sie verkaufen zu können, antwortete lächelnd 75 Euro. Ich dachte, ich bin im falschen Film, sah verständnislos zu Cas und Gix, Gix zuckte mit den Schultern und Popps sagte, gut dann werden wir jetzt nochmals eine Runde mit dem Rad drehen und Ihnen dann telefonisch Bescheid geben. Wir müssen das erst Mal besprechen.
Als wir außer Hörweite waren, wollte sich Cas entrüsten, doch Popps forderte Gix zur Meinungsabgabe auf. Cas und ich checken sofort, worauf sie hinaus wollte. Gix hatte doch sehr genau hingeschaut, was uns bewies, daß Popps eine fantastische Lehrerin ist. Sie erwähnte kleine Rostpickelchen an der Nadelstange und einen Hüpfpunkt am Stichlängeneinstellrad. Sie bemerkte, daß der Stoff schief gezogen wurde, obwohl sie nur leicht gehalten und langsam genäht hatte. Sie kam zu dem Ergebnis, daß sie die Maschine nicht kaufen wird, weil sie vermutet, daß sie einen Schaden abbekommen hat, denn im Wäschekeller war es ziemlich feucht. Wir applaudierten
spontan, beinahe wäre Cas dabei vom Rad fegallen. Popps zählte noch einige andere Dinge auf, wie ein langes Surren bevor die Maschine anlief und der Staub, der sich in der Maschine befand. Äußerst vergnügt radelten wir um die Wette den Berg hoch. Cas meinte, gegen Sporchi tret' ich nicht an, die fährt den Berg jeden Tag! Mit einer Nasenlänge Vorsprung gewann Popps, wenig später kamen Gix und Cas neben den Rädern den Berg hochgelaufen.
Die Räder wurden wieder in die Scheune gestellt und ich legte Kuchenstückchen auf einen Teller. Wo willst Du jetzt mit den Schnubbelchen hin?, fragte Cas. Na, meiner Nachbarin bringen, antwortete ich. Mist... kein Kuchen mehr heut Abend, maulte Gix.
Wir sind jetzt wieder einen großen Schritt weiter in Richtung Maschinenfindung und haben ein Auktionsangebot ausgepäht, daß in der Nähe von Popps Wohnort ist. Wenn es klappt und wir per Mail Antwort bekommen, dann probiert sie auf der Heimreise am Sonntag diese Quasatron aus.
Jetzt essen wir erst Mal was und dann werden wir uns beraten, ob wir uns alle in Faschingsvergnügen stürzen oder wieder einen Nähabend machen. Euch wünschen wir viel Spaß beim Fasching. 