Es sind die notwendigen Vorarbeiten bis das Teil endlich in die Maschine darf, die mich manchmal tierisch nerven und die ich dann einfach vertage - ohne schlechtes Gewissen. Schnittmuster abzeichnen gehört dazu. Dieses Liniengewirr macht mich rasend und dauert bei mir ewig lang. Wenn dann das Papier oder die Folie meint trotz Nadeln verrutschen zu müssen, der Stift schmiert oder ich meine Lesebrille in der Arbeit vergessen habe, dann breche ich ab - ohne gute Laune geht das bei mir nicht.
Steche ich mich beim Stecken oder Heften zum wiederholtem Male in den Finger, das Reihgarn reißt ständig und permanent fällt irgendetwas runter, dann ist das kein Tag, an dem ich über ausgeprägte Feinmotorik verfüge und ich lasse es dann vorerst mal bleiben, verräume die Sachen wieder und nähe sinnlose Entspannungsnähte auf einem Reststückchen. Manchmal greife ich die Arbeit wieder auf, manchmal räume ich einfach die Nähecke auf und lasse alles ruhen.
Andererseits kann ich auf Probestöffchen aller Arten x Mal eine ganz bestimmte, für mich neue, Naht zu Übungszwecken nähen und unendlich lange dabei bleiben, so lange bis die Naht so aussieht, wie ich das haben will. Auch zu ergünden, warum meine Maschine meint, sie müsse den Stoff immer nach unten in die Spule zerren - dafür habe ich viel Geduld. Sobald ich an der Maschine nähen darf, hab' ich Ruhe und Ausdauer, weil mir das deutlich mehr Spaß macht als die Arbeit vor dem Nähen.
Und dann gibt es wieder Tage, an denen geht alles leicht von der Hand, das Papier bleibt da wo es sein soll, die Schere schneidet sauber, weder steche ich mich mit Stecknadeln oder Nähnadel in die Finger, da macht es mir nichts aus die Stecknadeln nochmals rauszunehmen und korrekter zu stecken, die Reihnaht wird exakt und gerade, das Garn der Unterspule reicht, der Stoff läßt sich prima nähen, die Maschine zickt nicht und schnurrt wie ein Kätzchen. Das sind solche Tage, an denen ich den ganzen Tag über Zeit habe, die Wohnungsumgebung aufgeräumt ist, ich gut geschlafen und einfach eine fröhliche Gesamtstimmung habe.
Bei mir müßte das Ganze heißen: Ich neige beim Nähen dazu in der unpassenden Stimmung zu starten, weil ich etwas fertig machen möchte.
