Aus meiner Kindheit kenne ich die Lumpenkiste. Da kam alle Kleider rein, die nicht mehr getragen wurden oder nicht mehr zu reparieren waren. Wenn die Kiste halb bis dreiviertel voll war, wurde aussortiert. Es gab dann zwei Haufen.
Beim Lappenhaufen wurden die Knöpfe, Reißverschlüsse, Hemdärmelabschlüsse und Kragen abgeschnitten und der Rest zu Wischlappen für diverse Zwecke zerlegt.
Der zweite Haufen war für Oma bestimmt. Auf den kam alles, was noch gut war und wurde zusammen mit den Kragen, Knöpfen & Co sorgsam in ein Paket gelegt. Aus diesen Altkleidern zauberte meine Oma hübsche Dinge. Nach einiger Zeit kam das Postpaket dann wieder zurück und enthielt wundersame Überraschungen.
Ich kann mich ein Kinderkleidchen erinnern, blau-weiß-kariert, das ich sehr gerne im Sommer an hatte. Es entstand aus einer alten Tischdecke, was nicht zu erkennen war. Die Lieblingsjacke meines kleinen Bruders zur Kindergartenzeit war ein Mix aus hellbeigen Feincord mit braunem Stoff mit dunkelgrünem Futter, die aus zwei Hosen meines Papas und dem Futter eines Rocks von Mama entstanden.
Meine Oma hatte so viele Ideen, wie sie aus altem etwas brauchbares machen konnte und auch das Know-How dazu, da sie Schneiderin war. Ich bin leider nicht so kreativ in der Altkleiderverwertung. Das meiste wird erst mal in meiner Kiste gelagert und erst bei Bedarf in Lappen zerschnitten.
Bisher hab' ich nur wenige Male wirklich sinnvolle Dinge aus Altkleidern genäht. Zwei Staubabdeckplanen für Motorräder in einer Art Patchworktechnik, Kufenweichschoner für Schlittschuhe oder Zugluftstopper, die T-Shirts u.ä. ausgestopft wurden.
Meine Kleidung trage ich, sofern ich noch rein passe, sehr lange und bessere diese, wenn nötig, bei Schadstellen aus. Ich kaufe gern Kleidung, auch spontan, wenn ich etwas entdecke, was ich schon lange haben wollte oder es mit besonders gut gefällt. Das muß nicht unbedingt neu sein, denn bei Second-Hand-Angebote, sei's am Flohmarkt, bei Ebay & Co oder im Gebrauchtwarenhof, gibt's manchmal geniale Sachen zu günstigen Preisen.
So generell würde ich sagen, ich habe mehr Kleidungsstücke als ich eigentlich brauchen würde. Mein Kleiderschrank beherbergt Größe 44 bis 52 und nein, die Sachen, die aktuell zu klein sind, fliegen nicht raus. Da sind viele Lieblingsstücke dabei und es würde mich richtig ärgern, wenn sich meine Figur mal wieder verändert und die Klamotten nicht mehr da wären.
Über ein ähnliches Thema hatten wir letztes Jahr schon mal diskutiert, weswegen ich mir vorgenommen hatte mir alles, was ich in 2020 kaufe, aufzuschreiben. Stand heute habe ich 21 Teile (neu + second-hand) in diesem Jahr angeschafft, vor allem weil ich deutlich zugenommen habe. Die Aussortierquote liegt bei 2 Teilen.