Ja, ich bin gelernte Modistin, gleich hinterher habe ich zu Handnäherin umgeschult. Alles mit Prüfung.
Modistin ist aber nun sehr lange her und richtig ausgeführt habe ich den Beruf nicht, es war keine Nachfrage mehr nach Hüten.
Mmh, Handnäherin wollte ich gar nicht so genau von schreiben, ich habe Pelze nähen gelernt. Alles was innen genäht werden mußte, pikieren von Vorderkanten, Kragen und Tascheneinsätzen, hinterher die ganze Fläche mit Batist belegen und pikieren. Mit Stichen die etwa so lang wie eine Nadel waren und in solchen Abständen.
Dann gehts zur Maschine , das machte ich nicht. Dort wurden die Kragen und Taschen und die Ärmel eingenäht. Die Kragen und Vorderkanten wurden mit der Hand angeschlagen. In die Kanten kommen vorher noch die Klipse hinein. Kunden müssen probieren, dann für die Ösen einschneiden und die Ösen befestigen.
Während die Teile an der Maschine sind das Futter zuschneiden, nähen, Monogramm sticken mit einer Maschine, einstecken und verziehen.
Die Arbeit ist recht vielseitig gewesen, Schnittmuster mußte man manchmal selbst anpassen. Oft genug waren die Kunden zu früh und dann standen wir oft zu dritt drumherum und stichelten, da war das Teil dann in 15 Minuten fertig.
Es wurde auch für andere Geschäfte und Zwischenhändler gearbeitet, Probemodelle mußten genäht werden. Der Chef verlangte das man mitdachte wenn er sich was vorstellte ob das machbar war.
Die Arbeit war sehr interessant. Vor 4 Jahren wurde geschlossen, der Chef war 84 Jahre. Zum Schluß waren wir nur noch zu dritt, ich war am längsten dort.
Ich habe dann noch etwas in einem Pflegeheim gearbeitet, dort jede Woche 1 Stunde für die alten Leute genäht.