Ich schlage nochmal den Bogen zur von Devils Dance benannten „LTI“. Die LTI hat die Sprache des Nationalsozialismus zum Thema.
So weit ich das mitbekommen habe – vielleicht steht es sogar im Vor- oder Nachwort meiner Ausgabe … – ist Steffi beileibe nicht die einzige gelernte Ost-Bürgerin, die darin viele Parallelen zum regierungsamtlichen Kommunikationsgebahren in der DDR gefunden hat.
Tschä, ja-nun, es gibt da so einen spezifisch fichelant-sächsischen Mutterwitz (muss mensch vielleicht erlebt haben, um es zu erfassen?), der die Leute genau dazu bringt, im privaten Gespräch den Abschnittsbevollmächtigten ganz bewusst „Blockwart“ zu nennen …
Und später verwischt das dann alles …
Da wird dann erstmal nur im ja-damals-Modus erzählt (in diesem Modus werden auch regelmäßig die Kirchtürme höher). Auf Nachfrage kommt eine Erklärung, die der Situation – heute wie (ja-)damals – gerecht wird, aber nicht dem historischen Ursprung des verwendeten Begriffs. Reicht ja auch erstmal. Bis es einem / einer eben später wieder auf die Füße fällt.
Ich finde es gut, dann darauf aufmerksam zu machen, woher der Begriff eigentlich kommt.
Da gleich eine wes-Geistes-Kind-Unterstellung draus zu machen, geht für meinen Geschmack zu weit.
über die Buchempfehlung. Da kam mir als erstes ein ganz spitzer Gedanke ins Hirn: So etwa – ach, du hast ein Buch gelesen und jetzt weißt du, wie es war / ist?
Ich weiß, dass das ungerecht ist und auch nicht stimmt. Dass die Empfehlerin bestimmt viele Bücher zum Thema gelesen hat. Sie hat ja dann gleich noch eines empfohlen.
Und damit kommen wir zu einem Dilemma. Oder auch Nicht-Dilemma: Es gibt soo viele Bücher.
Ich finde es zum Beispiel auch unglaublich spannend, wie sich die „Aufarbeitungsliteratur“ verändert, was einfach seine Zeit braucht, wie unterschiedliche Generationen Situationen unterschiedlich wahrnehmen / wahrgenommen haben. Ich war zum Beispiel super frapiert über die Parallelen, die ich bei Ines Geipel („Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass.“) und Kurt Drawert („Dresden. Die zweite Zeit.“) gefunden habe.
(Erscheinungsjahre 2019 und 2020, in beiden Büchern spielt der als Jugendliche erlebte „verordnete Antifaschismus“ inklusive Jugendweihe in Buchenwald eine wichtige Rolle.)
Als Versöhnungsangebot, das Exlibris meiner Mutter:
„Was auch in Wahrheit oder Fabel | In tausend Büchern dir erscheint | Das alles bleibt ein Turm zu Babel | Wenn es die Liebe nicht vereint.“
Ich finde es wichtig als Wessi im Kopf zu behalten, dass die antifaschistische Aufarbeitung im Osten anders war als im Westen.
Damit möchte ich eine gedankenlose Verwendung von NS-Begriffen bestimmt nicht entschuldigen. Aber eine reflexhafte in-Bausch-und-Bogen-Verurteilung des sprachlichen Missgriffs finde ich persönlich wirklich keinen Deut besser.