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Wie seid ihr zum Handarbeiten gekommen?

  • Schuhe binden können heute übrigens viele Kinder NICHT mehr von Hause aus. Und nein, das ist weder ein Witz noch lustig.

    Ich weiß. Und auch das gab es schon vor 25 Jahren. Da haben sich meine Nachbarn darüber beschwert, dass deren Sohn das Schuhebinden nicht im Kindergarten gelernt hat.


    Und auf der anderen Seite gab es den Hinweis der Grundschule meines Sohnes, dass die Kinder zumindest an den Sporttagen bitte nur mit Schuhen mit Klettverschluss kommen sollten, weil das Binden der Schuhe immer so viel Zeit kosten würde und das den straffen Zeitplan behindern würde. Nun ja ...


    Trotzdem finde ich nicht, dass man alles und jedes in KiTa und Schule lernen muss, weil es daheim eventuell versäumt wurde. Irgendein Kind kann immer irgendwas nicht. Das kann nicht alles in der Schule aufgefangen werden.


    Eventuell brauchen auch Eltern mal Hausaufgaben.

  • Jede/r hat halt seine Überzeugungen. :)


    Viele der genannten Sachen wurden seit dem 2. Weltkrieg bis in die späten 1980er Jahre in Grundschulen und Kindergärten vermittelt (bin in Westdeutschland geboren); deshalb empfinde ich es nicht als ein Abwälzen auf Lehrer und Erzieher, wenn es wieder flächendeckender getan würde. Und nach meiner Erfahrung mit Azubis und Berufsanfängern (egal ob Ausbildung oder Uni) von heute ist es nicht zwingend so, dass der Wegfall dazu geführt hätte, dass stattdessen andere nützliche Qualitäten oder Wissen erworben worden wären. Und nein, dies ist kein Sokrates 2.0-Rant, nur eine nüchterne Feststellung.

    Mein Freizeit-Motto: Alles kann, nichts muss.

    Aber ich werde mich freuen, wenn ich in 2018 ca. 75m meiner Stoffvorräte vernähen könnte. :D

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  • Wir hatten auch Handarbeiten und ich habe es geliebt! Schade, dass das nicht mehr Standard ist. Sogar mein Partner kann Häkeln, auch nur weil er Handwerken hatte ^^.


    Ich finde gerade die Basics im Umgang mit Nadel und Faden wurden uns damals gut gelernt. Ich denke nicht jeder würde sich von selbst das anlernen. Mein Mann kann seinen Knöpfe deswegen im Notfall auch mal selber annähen :).


    Liebe Grüße

    Und nach einem anstrengendem Tag ist die Nähmaschine mein bester Freund! <3

  • Meine Kinder lernen gerade Stricken. Bei mir. In der Schule findet das nicht mehr statt. Vieles kann auch nicht so geleistet werden, wie es sich manche Eltern vorstellen: Höflichkeit, Pünktlichkeit und gewisse Grundfertigkeiten liegen immer noch in der Verantwortung der Eltern, auch wenn die immer meinen, das müsse man in der Schule lernen. (Ich könnte BÜCHER darüber schreiben!)


    Was mir im Bildungswesen fehlt, ist der Ansatz für Bewegung (in Frankreich sitzen die Kinder fast den ganzen Tag!) und das Feinmotoriktraining. Dazu ist Stricken prima geeignet. Auch Hand-Augen-Koordination wird dabei trainiert. Ich sehe aber auch, daß das nicht leistbar ist, weil das frz. Bildungssystem sich derzeit auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zurückzieht: 1.) keine schriftlichen Hausaufgaben, weil es ja Kinder gibt, die zuhause nicht unterstützt werden, die damit ja benachteiligt würden. 2.) Kein Kind soll in der Grundschule das Gefühl bekommen zu versagen: In der Klasse meines Sohnes ist ein Junge, der in der zweiten Klasse immer noch nicht seinen Namen fehlerfrei schreiben kann (4 Buchstaben!). kaum lesen oder rechnen kann und der einfach weiter mitgeschleift wird, damit ihm das Versagen erst in der weiterführenden Schule begegnet. Das finde ich bedenklich, denn er wäre vermutlich mit einer Wiederholung der ersten Klasse besser dran gewesen und war vielleicht einfach noch nicht geistig reif genug für die Einschulung. Ist aber ein sehr großes, dickes und lautes Kind mit Konzentrationsschwäche. Da hat der Schularzt vielleicht eher auf das Äußere geschaut. Ein weiteres Jahr Vorschule hätte ihm vielleicht einen Puffer verschafft. - Traurig.


    Aber zurück zur Handarbeit: Mein Mann hat erstmal große Augen gemacht, daß unser Sohn mit sieben Jahren STRICKEN will. Als ich ihm das aber mal erklärt habe, hat es ihm auch durchaus eingeleuchtet. Bei den "Nicht-Tätigen" in dieser Domäne ist Stricken häufig als verstaubt oder Omi-mäßig verschrien. Was da alles geschult und gestählt wird, sehen sie gar nicht so. Er findet es jetzt jedenfalls prima. (Und später bringt er den Kindern dann bei, wie man einen Ölwechsel vornimmt. Auch gut, dann werden sie nicht eindimensional...)

    Ich habe keine Wespentaille. - Ich habe eine Hummelhüfte.

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  • mama.nadelt Diesen Wattebausch-Ansatz, den du im 2. Absatz beschreibst, findest du auch in Deutschland. :)


    Sorry für off topic, aber du findest in D inzwischen auch Eltern, die sich so um ihren lieben Kleinen kümmern, dass sie ihnen die Hausaufgaben machen und dies zugeben, wenn sie sich bei Lehrern beschweren, wenn das Kind für ihre Fehler eine schlechte Note bekommt ... du findest Eltern, die ihr Kind bis in den Klassenraum bringen ... an Universitäten gibt es erste Eltern(!)sprechstunden, und Erstsemester bringen ihre Familie (!) zu Orientierungsveranstaltungen mit ...


    Nein, früher war ganz sicher nicht alles besser. Aber auch nicht alles neue ist uneingeschränkt positiv ........

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  • Du findest sogar Eltern, die ihre Kids begleiten, wenn sie sich um eine Doktorarbeit bewerben...und die kommen aus allen Ländern und Kontinenten.

    .... wobei ich das je nach Motivlage vielleicht noch verstehen kann. Aber dieses ausufernde Helikoptern finde ich persönlich sehr .... gewöhnungsbedürftig und unschön.

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  • DRIN? Okay, da hört's natürlich auf. Ich dachte, sie warten vor der Tür oder in der Cafeteria/Mensa.

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  • Oder auch nett, Eltern, die sich informieren wollen, wie das mit der Versetzung innerhalb des Bundeslandes in einen anderen Regierungsbezirk geht.

    Bei deren Kindern geht es nun um Lehrer, die studiert haben, die meist zwischen 25 und 40 sind, eigentlich unseren Kindern etwas beibringen sollen und dann die Ausführungen, wie so ein Versetzungsantrag abläuft, nicht verstehen. Nachdem in den letzten Jahren diese Anrufe zugenommen haben, hat ihr Dienstherr zu den Ausführungen sogar eine teilweise bebilderte Ausfüllhilfe mit auf die Webseite gestellt.


    Als absoluten Knaller gab es einen Anruf einer Oma, die glaubhaft versicherte, nicht sie wolle unbedingt ihr Enkelkind (eben die Lehrerin) wieder bei sich in der Nähe haben, sondern das Enkelkind wisse wirklich nicht, was es da nun machen müsse. Die Mutter, also ihre Tochter, hätte sich das dann angesehen und wäre auch überfordert gewesen, nun werde sie sich das dann einmal anschauen und entschuldigte sich für den Anruf, denn sie konnten ihr nicht einmal sagen, wo sie die Hinweise findet.

    77-jährig ist sie ganz selbstverständlich auf die Webseite gegangen, hat sich das Formular und die Ausfüllhinweise dazu gesucht. Jetzt muss man noch wissen, meine Bekannte, die eben auf der anderen Seite des Telefons war, wollte ihr noch Hinweise geben, wie sie die Unterlagen auf der Webseite findet. Da meinte die Dame, sie sein zwar 77, aber glücklicherweise nicht dement, es wäre kein Problem, das bekäme sie schon hin, wenn die Webseite ordentlich gemacht wäre und die Suche funktioniere.

    Keine Viertelstunde später hat sie die Bekannte dann angerufen und sich vielmals entschuldigt, sie könne gar nicht verstehen, warum ihre Tochter und Enkelin das nicht verstanden hätten. Mit dem Zusatz, immer wenn sie so etwas von ihren Nachkommen erlebt, wird ihr klar, sie darf nicht sterben, denn ohne sie wären sie nicht lebensfähig. Sie mache sich immer wieder Vorwürfe, was sie in der Erziehung falsch gemacht hätte. Könne aber nichts finden. Langsam fragt sie sich, ob der Fertigfraß, den ihre Tochter so oft für die Familie warm macht, das Gehirn erweiche.


    Als mir das meine Bekannte erzählt hat, war ich zwischen Schmunzeln, ungläubigen Schauen, Grinsen, Betroffenheit und Kopfschütteln.


    Aber auch wichtig: Ich will damit nicht die Lehrer verteufeln und viele machen einen hervorragenden Job und ich glaube jeden, den man nach einem Lehrer frägt, den er als Kind klasse fand, hat da ein paar im Kopf, genauso wie eben das Gegenteil, das es leider auch gibt. Auch heute noch.

    LG rufie


    Der einzige Geschmack, der einem Menschen wirklich Befriedigung geben kann,

    ist sein eigener (Philip Rosenthal)

    Einmal editiert, zuletzt von rufie ()

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  • In unserem Freundeskreis, Nachbarschaft und Familie sind einige Lehrerinnen und Lehrer, und alle genießen meine volle Sympathie und ehrliche Anteilnahme. Ich wollte keine Minute tauschen.


    Lustigerweise gilt dank eines Buchs einer amerikanischen Journalistin, Sara Zaske, die sechs Jahre in Berlin gelebt hat, "German Parenting" in den USA gerade als positives Gegenmodell zum amerikanischen Helikoptern (hier gibt's ein langes Interview mit ihr). Und ich muss amerikanische Freunde darüber aufklären, dass das, was Zaske beschreibt, nicht unbedingt "German Parenting" ist, sondern "Berlin Parenting". ;)


    Um den Bogen zu rufies Originalthema zu schlagen: Damals wie heute gibt es viele Wege und Motive, zum Handarbeiten zu kommen. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass es wieder populärer ist und nicht nur im Internet, sondern auch in der analogen Welt das Angebot wieder größer geworden ist.

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  • Meine Kinder lernen gerade Stricken. Bei mir. In der Schule findet das nicht mehr statt.

    Ist es nicht zweitrangig, ob man sowas in der Familie oder in der Schule lernt? Meines Erachtens kommt es auf die Motivation an. Wenn ein Bedürfnis vorhanden ist, dann folgt auch der Lernwille.


    In meiner Jugend gab's da diese Eine, die es mir angetan hatte. Das Problem bestand darin, dass sie überhaupt nicht auf diesen ganzen Macho-und-harter-Kerl-Kram stand. Um ihr zu imponieren, musste ein von den üblichen Verhaltensmustern abweichender Plan her. Der bestand schließlich darin, ihr einen Schal zu stricken. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass ich eine erhebliche Motivation hatte. Und daraus folgte der Lernwille. Meine kopfschüttelnde Oma wurde in die Pflicht genommen, mir die Basics des Strickens beizubringen. Und dann gab's zweieinhalb laufende Meter Schal, wobei ich die blöden Sprüche meiner Brüder tapfer ausgehalten habe.


    Der Plan ist aufgegangen. Ich konnte sie für mich gewinnen. Später wurde sie meine Frau. Und ist es bis heute geblieben. Allerdings ist damit auch die Motivation weggefallen. Seitdem habe ich nie wieder gestrickt. :)


    Weiter: Vor einiger Zeit hatte ich angefangen, mich für etwas gepflegtere Kleidung zu interessieren. Ein Blick in meinen Kleiderschrank konnte den steigenden Ansprüchen nicht mehr so richtig standhalten. Am Klassiker der Herrengarderobe, dem Oberhemd, manifestierte sich das Bedürfnis, hier mal eine ordentliche Grundlage zu schaffen. Während ich ernsthaft den Gang zum Maßschneider in Betracht zog, kam da in Erinnerung an alte Segel-Näh-Aktionen der Gedanke hoch: "Das müsste man doch eigentlich auch selbst machen können". Und was als ziemlich bekloppte Idee anfing, wuchs sich dann zu großer Freude am Nähen insgesamt aus.


    Was ich damit sagen will: Das Problem liegt nicht im Lehr-Angebot. Es geht um das Fehlen oder Vorhandensein eines Bedürfnisses. Solange man für ein Taschengeld bei H&M Bekleidung kriegt, gibt es kein ernsthaftes Bedürfnis, einen Knopf anzunähen. Wenn man Freude an einem bestimmten Kleidungsstück hat, welches in dieser Passform/Machart/Stoffauswahl oder was immer sonst nicht ohne weiteres verfügbar ist, dann kann sich da durchaus eine Motivation entwickeln, das Selbermachen zu erlernen. Und wenn wir unter diesem Aspekt zu unseren motivationslos erscheinenden lieben Kleinen schielen, dann dürfen wir uns durchaus die Frage stellen, ob die nicht allzusehr im Überfluss leben und allzu satt sind.


    Stefan

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  • tja wo kommt die Motivation her... bei uns wurde schon immer genäht, gebastelt, gehandwerkelt, ich bin damit aufgewachsen das war für mich völlig normal...

    Der Handarbeitsunterricht in der Schule hat mir keinen Spaß gemacht, meiner Mutter ihrer ünrigens auch nicht. Trotzdem ist Handarbeit ein fester Bestandteil unseres Lebens...


    Meine Motivation war ganz klar: in den 80‘ern vor H&M und co... Wer in Berlin irgendwie „ein Typ“ sein wollte musste sich seine Sachen selber nähen... oder Second Hand Läden durchwühlen und ggfls. upcyceln. Ergänzt durch glücklich gefundene RTW Einzelstücke. Und dazu kam noch: wir waren nicht so mit Kohle überhäuft...


    Heute gibts bei Primark etc. gefühlte 100 Kolkektionen im Jahr, billig, für jeden was dabei, modern... für ein paar Euro kannst Du Dich jede Woche neu erfinden... incl. Schmuck, Taschen, Schuhe etc. Wenns kaput ist: Tonne

    Deko mäßig genau das Gleiche... Kik, Depot, Ikea... wozu ne Decke stricken, häkeln, patchen...


    Ich finde schon dass Handarbeit, Basteln etc. zur Erziehung dazu gehört, wie Kochen und Wäsche waschen.


    Und mal die Glotze auslassen oder den Compi & Co.


    Wir sind ein gutes Stück aus Langeweile und Mangel kreativ geworden, da wird doch die Phantasie erst mal richtig hervorgelockt...

    was wär´ das Leben ohne Naht??? es wäre öd´und blöd´und fad!!!

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  • Hägar Eine tolle Geschichte, wie du deine Frau um die Stricknadel ... äh ... um den Finger gewickelt hast! :):love:


    Ich stimme dir zu, dass Eigenmotivation hilft und diese zu wecken heutzutage nicht immer einfach ist.

    Wenn sich jemand für keinerlei Handarbeiten als Hobby erwärmen kann, finde ich das überhaupt nicht verwerflich, ganz im Gegenteil. Mich stört nur, dass zum Teil auch nicht im zartesten Ansatz vorhandene Basis-Wissen (nicht Fertigkeiten!) und die daraus folgenden Begleiterscheinungen, ob Wegwerfmentalität oder mangelnde Wertschätzung von Personen, die sich als Angehörige oder beruflich damit befassen. Das gilt selbstverständlich auch für alles aus dem Nicht-Textilen Bereich. Dieses Weltbild, alles was man nicht weiß und nicht kann als selbstverständlich hinzunehmen und gar kostengünstig einzufordern, stört mich. Dem etwas entgegenzusetzen wünsche ich mir von Eltern und Schule/Kindergarten.

    Mein Freizeit-Motto: Alles kann, nichts muss.

    Aber ich werde mich freuen, wenn ich in 2018 ca. 75m meiner Stoffvorräte vernähen könnte. :D

  • Das mag ich u.a. so an Norwegen. Nix mit Unterricht vorwiegend sitzend. Die Kinder und Jugendlichen werden aktiv - das ist Teil des Konzepts - bewegt, da man erkannt hat, dass Lernen und Bewegung untrennbar verknüpft sind, einander bedingen und fördern.

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  • ... bei uns wurde schon immer genäht, gebastelt, gehandwerkelt, ich bin damit aufgewachsen das war für mich völlig normal ... ist Handarbeit ein fester Bestandteil unseres Lebens ...

    Ja, Steffi, das gilt eins zu eins auch für mich. So habe ich es bei meinen Eltern erlebt. So haben wir es an unsere Kinder weitergegeben. Und ich bilde mir ein, dass das so auch schon bei unseren Enkeln angekommen ist.

    Bei der Vermittlung dieses Grundgefühls, aus "da fehlt etwas" folgt nicht zwingend "gehe einkaufen", sondern folgt "nimm's in die Hand und erledige es selbst, mit Deinen eigenen Händen", und dass das dann tatsächlich auch funktioniert, da spielen Eltern und Großeltern eine bedeutende Rolle. Und wenn dieses Grundgefühl einmal da ist, dann ist es beinahe egal, ob man einen Dübel in die Wand setzt, ein Regal baut oder sich eine Hose näht. Ich behaupte mal: Wer keine Scheu hat, eine Bohrmaschine in die Hand zu nehmen, um einen Küchenschrank an die Wand zu hängen, der hat auch das Potential, ein Kleidungsstück zu nähen. Und umgekehrt.


    Meine obigen Anmerkungen zur Motivation greifen also zu kurz. Es braucht auch das Selbstverständnis "Ich kann es mit meinen eigenen Händen. Wenn ich will. Oder muss".

  • Bei der Vermittlung dieses Grundgefühls, aus "da fehlt etwas" folgt nicht zwingend "gehe einkaufen", sondern folgt "nimm's in die Hand und erledige es selbst, mit Deinen eigenen Händen",

    genau so ...!!!:applaus:


    Ich muss aber sagen, dass unsere Kinder heute gerne einfach auch mal auf andere Weise kreativ sind. Mein Sohn hat sich mit Freunden ein Poscast-Set angeschafft und sie haben einen You Tube Chanell ... Die Kinder einer Kollegin erstellen gerne Videos, die durchaus mit MTV mithalten können...


    Hägar ... mein Mann hat etwas ähnliches gemacht: zwar nicht um eine Frau zu beeindrucken, aber immerhin: er wollte gerne eine Anti-Atomkraft Tasche haben. Sein Geld hat für eine Jute Tasche gereicht, er hat die gelben, roten und schwarzen Wollvorräte seiner Mutter geplündert (naja, es gab diese Vorräte immerhin!) hat sich ein Bild über die ganze Tasche angezeichnet und das "AKW - Nee" im bekannten, gelben Design auf die Tasche gestickt! Das "Ding" hat er heute noch eingelagert, er ist immer noch voll stoz darauf....

    was wär´ das Leben ohne Naht??? es wäre öd´und blöd´und fad!!!

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  • Ich stricken, nähe, häkel etc nicht aus einem Mangel heraus. Es macht mir Spaß.


    Ich komme aus einer Familie die "schlechte Zeiten" erlebt hat und großen Mangel hatte. Sie waren zu beiden Seiten Flüchtlinge - die einen vor, die anderen während des Krieges.

    Leider schlägt sich das in "ich kann nichts wegwerfen" nieder. Ich möchte die Fähigkeiten auch deshalb nicht verlernen, weil ich auch denke, wofür ich das noch mal gebrauchen könnte, wer weiß....


    Nur finde ich schade, dass man manchmal mitleidig angeschaut wird und gefragt wird --kannst du dir nichts Gekauftes leisten? Und ich mit "nichten" antworte, weil es nicht günstiger ist Kleidung selber zu nähen. Es bleibt sich gleich. Aber die Kompromisse, die ich bei gekaufter Kleidung habe, werden immer größer in den letzten 10 Jahren. Entweder trage ich Säcke (Rubensfigur) oder ich hab zuviel Stoff an Stellen wo er nicht hingehört (Hosen). Da soll man sich noch angezogen fühlen?


    Und wenn eine Bekannte bei Ebay für 10 € eine selbstgenähte Tasche verkauft bekomme ich Plaque!!! Wo soll denn die Wertschätzung herkommen, wenn wir uns unter Wert verkaufen? Ich bin zu "arm um mir billige Dinge leisten zu können" hat mal mein Babysittervater zu seiner Au-Pair-Tochter gesagt. Und er hat recht! Qualität hält länger. Dann spare ich doch lieber länger drauf, von den verschwendeten Ressourcen mal abgesehen...


    Daher finde ich es gut, wenn Kinder es lernen müssen egal wo und von wem, wie man einen Knopf annäht, wie man sparsam mit Ressourcen umgeht und wie man auch dadurch sein Geld zusammenhält. Es hängt alles eben irgendwie zusammen. Natürlich lernt es sich leichter, wenn man motiviert ist, aber wenn es um Motivation gegangen wäre - ich hätte nie Sport getrieben oder Schwimmen gelernt. Vielleicht könnte ich noch nicht mal lesen und schreiben? Wer weiß? Manches ist eben Pflichthandwerkszeug, um in unserer Gesellschaft einigermaßen leben zu können....


    Mich beeindrucken aber immer noch Männer, die ihre Hemden besser bügeln können als ich und die sogar Knöpfe annähen können und nicht ihre Sekrätärin damit beauftragen. Männer die stricken kenne ich da schon eher...und in früheren Jahrhunderten haben die Männer in Schottland ihre Strümpfe für die Kilts gestrickt - also...ist doch super!

  • Ich bewundere jeden Mann, der was mit seinen Händen anfangen kann: Ich habe einen häkelnden Freund. Den bewundere ich schon dafür, daß er HÄKELN kann, weil ich das einfach nicht auf die Kette bringe. Ein anderer hat mir eine riesige Hardangertischdecke gestickt. Ich finde das toll.

    Ich fände es gut, wenn Grundfertigkeiten wie Knöpfeannähen und Stricken nicht nach Geschlecht vermittelt würden und wenn man es als "Fingerübung" zu siehe oben betrachten könnte. Und es wäre eben nicht verkehrt, daß über die Schule einzutüten, weil es dann die breite Masse erreicht. Wenn ich keine Oma, Tante, Mutter, sonstige Hilfe habe, die sich darauf versteht, kann ich es nicht lernen. Auch nicht unbedingt mit Internet. (Vieles habe ich dort gelernt, aber anderes geht besser, wenn jemand daneben sitzt und notfalls eingreifen kann.)

    Und es ist wahr: Nicht alles war früher golden, aber das Neue ist auch nicht immer nur unbedenklich toll. Was ich versuche, ist die Balance zu halten, daß meine Kinder beschützt und lebenstüchtig aufwachsen ohne daß ich mich an ihren Lehrern für das räche, was meine mir seinerzeit angetan haben. Und das bedeutet eben auch mal Dinge laufen zu lassen ohne sich als Eltern immerzu einzumischen.

    Ganz gleich wie lebensuntüchtig ich selbst bin, wenn meine Mutter HINTER MEINEM RÜCKEN Telefonate führen würde, um MEIN Leben so einzurichten, wie sie es für richtig hält, würde es bestimmt auch bald eine große Meldung über einen blutigen Amoklauf aus einer hessischen Kleinstadt geben. Mein Leben = Meine Entscheidung.

    Und dahin will ich meine Kinder auch bringen: Sie entscheiden, ob sie etwas aus dem machen, das ich vermitteln kann. Mein Sohn ist noch weit davon entfernt ein Mädchen beeindrucken zu wollen, aber Bär braucht dringend eine warme Decke, von einem Kissen ganz zu schweigen...

    Ich habe keine Wespentaille. - Ich habe eine Hummelhüfte.

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