Nicht vorhandene Taille und Proportionen

  • Gestern hat mein VHS-Kurs für Schnittzeichnen begonnen. (Für "Fortgeschrittene". Geplant sind Oberteil/Kleid-Grundschnitt und Ärmel. Die ebenfalls geplanten Abwandlungen werden sich wahrscheinlich nicht ausgehen, weil der Kurs wegen geringer Teilnehmerinnenzahl gekürzt wurde.)


    Da ging es zunächst ums richtige Vermessen. Dabei hat die Kursleiterin gezeigt, wo der Taillenumfang zu messen ist: an der schmalsten Stelle. Und die lag bei allen vier Teilnehmerinnen (alle 4 keine Teenager mehr und alle ein paar oder auch mehr kg über dem Idealgewicht) höher als dort, wo man sie allgemein vermuten würde. Bei mir auf den unteren Rippenbögen, bei anderen Teilnehmerinnen noch höher. (Vor 2 Jahren, als ich noch um 20 kg mehr hatte als jetzt, war bei mir die schlankste Stelle direkt unterhalb der Brust.)


    Auch die Längenmaße, also Rückenlänge und vordere Länge wurden von bzw. bis zu der so festgelegten Taillenlinie gemessen.


    Beim Erstellen des Grundschnitt-Beispiels nachher sind wir aber von Normmaßen (Gr. 38) ausgegangen, damit alle die gleichen Zahlen haben.


    Nun frage ich mich, wie das in der Praxis gehandhabt wird. Wird bei einer rundlicheren Person tatsächlich so Maß genommen und danach der Grundschnitt erstellt? Dann wird der Oberteil ja sehr kurz und der Rock (die Hose?) reicht bis unter die Brust. In welchem Stadium der Schnitterstellung werden die Proportionen an ein optisch günstiges Maß angepasst?


    Oder misst man dort, wo die Taille sich befinden sollte? (dann halt um ein paar cm mehr Umfang) Hofenbitzer beschreibt das so: "Bei sehr starker Leibrundung und bei sonstigen körperlichen Abnormitäten wird der Taillenumfang in Höhe der unteren Rippenbögen parallel zur Standebene gemessen."

    Edited once, last by ju_wien ().

  • Hallo ju_wien,


    interessante Frage.


    Ich bin selber erst am Anfang mit dem Konstruieren (Selbststudium, Hofenbitzer). Insofern weiß ich nicht, wie es tatsächlich, in der und für die Praxis gehandhabt wird.


    Aber es erscheint mir logisch, die Taillenlinie dort anzunehmen, wo wirklich der geringste Umfang ist. Beim Erstellen des Grundschnitts geht es ja zunächst darum, eine Hülle um den Körper zu konstruieren, die a) den Körper möglichst genau nachbildet, b) Weitenzugaben an den Stellen vorsieht, wo wir zusätzliche Weite für Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit brauchen.


    Alles weitere kommt dann, wenn wir aus dem Grundschnitt einen Modellschnitt machen.
    Hier arbeiten wir a) mit optischer Täuschung, weil wir z.B. Teilungsnähte einfügen, die zum Beispiel den Eindruck entstehen lassen, die Taille sitze da, obwohl sie eigentlich wo ganz anderes sitzt, b) modellieren wir an der Form, indem wir aus rein ästhetischen Gründen an der einen oder anderen Stelle noch Weite zugeben (enger machen können wir ja nicht, dann passt es nicht mehr), um so Proportionen beziehungsweise optischen Eindruck zu gestalten.


    Interessant wäre noch zu erfahren, nach welcher Methode ihr im Kurs konstruiert. Das hilft vor allem den erfahreneren Schnittkonstrukteurinnen und -konstrukteuren bei der Antwort auf deine Frage.


    Liebe Grüße
    Schnägge


    erwähnte ich, dass ich Stofftante vermisse?

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  • Wegen der Methode kann ich in 2 Wochen fragen. Die Kopien, die die Kursleiterin ausgeteilt hat, sehen von der Typographie her nach einem maschingeschriebenen Manuskript aus, allerdings sind Zeichnungen enthalten. Frisuren a la späte 1950er, frühe 1960er Jahre. Die Kursleiterin ist allerdings jung, sicher noch unter 30.


    //ps: ich bin mir nicht mehr sicher, ob der Thread hier richtig ist. Es gibt ja auch noch die Rubriken "Abseits der Norm" und "Schnittmusterprobleme" wo es ebenfalls um Schnitte und die Passform geht.

    Edited once, last by ju_wien ().

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  • Hallo ju_wien,


    genau mit dieser Thematik hab ich mich die letzten 14 Tage intensiv beschäftigt. Bei meiner Probebluse hab ich lediglich festgestellt, das ich irgendwie zu kurz bin, im Oberkörper (Gemessene Rückenlänge 36 cm!!)


    Eine hohe Taillenlinie kann ja heißen, dass man ab der Taille einfach etwas zu kurz ist (also entweder ab Hüfte abwärts oder zwischen Taille und Hüfte) oder aber, dass man oberhalb der Taille zu kurz geraten ist. Deshalb sollte man das im Zusammenhang mit der Hüfttiefe betrachten.


    Ist die ok, dann die seitl. Taillenlänge mit den Standardmaßen vergleichen.
    Passt das auch einigermaßen, dann fehlt Länge oberhalb der Taille. Das Problem hab ich nämlich. Ich habe herausgefunden, dass mir tatsächlich ganze 7 cm im oberen Brustkorb an Länge fehlen und das ganze gepaart mit einer üppigen Oberweite....

    Liebe Grüße



    Kirsten

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