Bequemlichkeitszugaben bei Hosen

  • Bei der Schnittkonstruktion wird bei einem "Standardhosenschnitt" für Damen (dh anliegend, aber nicht eng, mit Abnähern vorne und hinten) bei der Hüftweite keine Bequemlichkeitszugabe addiert und bei der Taille nur ganz wenig (zB 0-0,5 cm je Schnitteil).


    Frage: wieviel Zugabe wird in der Praxis zu dem am Körper gemessenen Hüftumfang addiert, damit die Hose auch noch mit Taschen und Taschenbeuteln passt oder idealerweise auch noch mit einem Hemd oder dünnen Pulli?


    2. Frage: gibt es diesbezüglich Unterschiede zwischen Damen- und Herrenhosen? (Ich habe das Schnittkonstruktionsbuch von Gubitzer und das ist für Damenmodelle)

  • hi! Zum taillen- und Hüftumfang mach ich gar keine BZ dazu. Wenn die maße gut gemessen sind, also bequem, komfortabel, nicht zu eng, nicht zu weit, dann braucht man auch keine Bequemlichkeitszugabe. Es ist schon bequem. Ich weiß, dass es zum TU 2 cm empfohlen werden. Ich habe versucht, standhaft lange sogar, mit diesen 2 cm BZ zu konstruieren. Ende vom Lied war jedesmal, dass der Bund mir nach unten rutschte und ich die sowieso wegnähen musste.



    Man kann aber nie im Leben sagen, nehme X cm BZ und gut. Der Sitz eines Kleidungsstückes wird durch 4 Faktoren bestimmt: Figur, Schnitt, Stoff und Modell. Für eine eng anliegende Hose, vllt noch mit Elastan, braucht man keine Zugaben. Für eine Anzugshose aus Wollstoff, die auch noch weich fallen sollte, würde ich 1-2 cm nehmen, wenn überhaupt. Dann werden noch bequemere Hosen, wo man mit BZ ins unendliche gehen kann. Wenn Du sagst, Du würdest vllt ein Hemd oder Pulli drunter tragen (was bei mir wg Bauch sowieso wegfällt :rolleyes:) würde ich 2 cm zum TU und 1-2 cm zum HU nehmen. Du trägst ja nicht so lange Pullis drunter, dass die über die Hüfte gehen, es betrifft also mehr Taillenmaß, als HU.

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  • Danke! 1-2 cm ist schon ein Anhaltswert. @Darunterziehen: Meine Poloshirts und Blusen gehen eingentlich alle bis zu den Hüften, die Unterhemden auch. Sonst rutschen sie ja bei jeder Bewegung raus.


    Ich habe auch schon daran gedacht, gute Konfektionshosen nachzumessen, aber das ist gerade im Hüftbereich nicht so einfach.


    Die Probehose nach dem ersten selbst konstruierten Schnitt (Buch von Hofenbitzer, "Standardhose") sitzt sehr gut, wenn ich außer Unterwäsche nichts drunter habe, aber mit Paspeltaschen oder schrägen Einschubtaschen wäre sie vermutlich schon zu eng.


    Jetzt bin ich eben am Überlegen, wann/wo ich die nötige Weite zugeben muss: schon beim Messen ("2 Finger mitmessen"), vor dem Berechnen der vorderen und hinteren Hosenbreite oder danach bei der Konstruktion.


    //Autor hätte auch im Posting oben "Hofenbitzer" heißen sollen. Dort kann ich es aber nicht mehr korrigieren. Sorry.

    Edited once, last by ju_wien: Fehler ausgebessert ().

  • Das mit dem Namen habe ich so verstanden :D Ich habe ja selber das Buch.


    Bz wird normaleweise vor dem Ausrechnen zum Wert dazu genommen und alle Berechnungen mit diesem neuen Wert berechnet. Denn davor hängt z.B. Taillenausfall, Abnäherinhalt, Schrittkurve usw. ab.


    Will heißen:


    Du hast die Maße "netto" abgenommen, spricht in der Unterwäsche.
    dann überlegst Du wie viel BZ Du wo haben möchtest. Wie gesagt, das hängt von Deinem Wunsch und vom Stoff ab.
    dann rechnest Du die BZ zu den entsprechenden Werten dazu ="Brutto" Werte.
    Alle Berechnungen machst Du dann mit diesen "Brutto"Werten.


    Ich habe übrgens nicht gemerkt, dass die Hosentaschen einen Einfluss auf die Weite haben. Bei mir sind die alle mit Taschen. Unterhemd, Bluse oder Poloshirt ist schon was anderes.

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  • Ich hab die Probehose gestern im Nähkurs mitgehabt. Die Kursleiterin fand zunächst gar nichts auszusetzen, dann hat sie mir aber zugestimmt, dass ein paar Milimeter mehr besser wären. Außerdem hat sie mir die Abnäher im Rückenteil kürzer angezeichnet.


    Am Abend hab ich dann noch weiter in meiner Literatur gesucht: Teresa Gilewska konstruiert mit Nettomassen und gibt zum Schluss 1 cm an der Seitennaht dazu, verrät aber nicht, ob das Auswirkungen auf die Bügelfalte haben soll. Dennic Chunman Lo gibt (bei Größe 12) zur Nettohüftweite 7 cm Bewegungszugabe hinzu und konstruiert damit. Beim Googeln habe ich noch diese originelle Anleitung gefunden http://www.kroyrus.net/?page_id=33 (Die nehmen viel mehr Maße als jedes andere System, allerdings braucht man dazu spezielle Messlehren und Kunden die nicht kitzlich sind.)

  • Liebe ju-wien!


    Hinter kroyrus stecke ich. :) Ich konstruiere seit Jahren danach und mich kannst Du dann auf der Seite bewundern :rolleyes: Ich bin gerade an einem Mantel dran. Gerne beantworte ich jede Frage.


    Die Herstellung von Messwerkzeug ist denkbar einfach. Ich habe gerade vor kurzem wieder mal eine Schieblehre aus Holzlinealen gebastelt, weil so cool meine Metalldinger sind, schwer sind die auch. Ich stelle die dann in den Blog rein, heute Abend. Ich bin extrem kitzlich, aber wenn ich mich selber messe, merke ich nichts :)


    Es ist ein Gerücht, dass man eine Standarthose aus dem FF konstruiert und danach alle anderen näht. So toll wie die verschiedene Schnittsysteme sind, man braucht immer Anpassungen. Wie der Abnäher, länger, kürzer.. Hier schmaler, dort weiter. Es sind die Stoffe, die eine enorm große Rolle spielen. Geschmack und Wünsche auch... Und das Wichtigste dabei ist Dressur. Die ist für 50% verantwortlich, wie die Hose sitzt.


    Also, wenn Du Fragen hast - her damit! :D

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  • Also: abgesehen vom Aufwand beim Maßnehmen und Berechnen frage ich mich halt, was die vielen Maße bringen. Meistens will man ja gar nicht, dass jedes einzelne Speckröllchen und jede Abweichung von der Symmetrie durch die Kleidung nachgezeichnet und dadurch noch betont wird. Außerdem soll eine Hose oder ein Rock auch noch passen, wenn man 2 Kilogramm mehr oder weniger wiegt.


    Aber man kann damit vielleicht jene Dinge in konkrete Maße fassen, die erfahrene Schneider_innen per Augenmaß und Erfahrung machen: Hüftkurve flacher oder runder, Länge und Lage der Abnäher, Schritttiefe und Verlauf der Mittelnaht bei einer Hose usw..

  • Also: abgesehen vom Aufwand beim Maßnehmen und Berechnen frage ich mich halt, was die vielen Maße bringen.


    Eine guten Sitz. Weniger Anpassungen. Natürliche Taillenlinie. Und das mit dem Aufwand stimmt auch nicht. Es stimmt, dass es etwas mehr ist, aber in max. halben Stunde ist alles erledigt. Und man macht es auch nur einmal. Das Aufwändigste bei dieser Methode sind die Berechnungen. Wobei mit der beigelegten Tabelle ist es auch nicht schwer. Halbe Stunde dauert bei mir ein Rockschnitt.


    Meistens will man ja gar nicht, dass jedes einzelne Speckröllchen und jede Abweichung von der Symmetrie durch die Kleidung nachgezeichnet und dadurch noch betont wird.


    Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe Bauch, gut, der ist nicht wikrlich gut zu kaschieren, aber kann in die Hose verpackt werden, ohne dass sich zig Falten drumrum bilden. Einen Knick am Hintern, sprich einen exremen Hohlkreuz und assymetrischen, vorstehendne Hüften. All das ist gut verpackt, ohne zu verziehen und Betonung. das sind die perfektesten Hosen, die ich bisher genäht habe. Deshalb bleibe ich bei der Konstruktion.


    Außerdem soll eine Hose oder ein Rock auch noch passen, wenn man 2 Kilogramm mehr oder weniger wiegt.


    Das passiert mit häufiger als mir lieb ist und trotzdem nähe ich mir nicht einmal im Monat eine neue Hose. Die sitzen trotzdem. Die weiße Seidenhose in Leinenoptik habe ich 3 Jahre getragen, bis sich die Nähte aufgelöst haben :( Das einzige wo ich es merke, dass die Hose dann halt besser um die Taille rutscht oder eben zu kneifen beginnt.


    Bei der Schnittkonstruktion ist es wie bei vielem - es gibt nicht DIE Methode. Ich habe nach Hofenbitzer konstruiert... was soll ich sagen... grauenvoll. Sitzt gar nicht. Nicht mal im Entferntesten. Bei dieser Methode konstruiere ich einfach einen Schnitt und punkt. Ohne Anpassungen. Es sitzt. Bei dem orangenen Kleid habe ich nicht eine einzige Änderung gebraucht. Und soll ich Dir meine Figur beschreiben? Ich fange von oben an: schmale, abfallende Schulter. Kurzer Oberkörper. Schiefe Taillenlinie, hinten 1,5 cm höher als vorne. Fette Oberarme (entspricht Größe 46 und Brustumfang Größe 40 :o). Hohlkreuz.. und weiter im Text :o Und guckt Dir meine Mutti an. Was soll ich sagen, die Hose sitzt doch, oder? ;)


    Ich sage mal so. Die Methode ist nicht einfacher und nicht komplizierte als jede andere. Ich habe bei Hofenbitzer auch Stunden mit rauchendem Kopf gesessen. Und frag mal Basti, der nach Müller konstruiert, wie viel er für die Tonne produziert hat. Jede hat ihre Tücken und Vorteile. Und genau wie Du sagst, gehört auch das räumliche Vorstellungsvermögen und Erfahrung dazu.


    Aber wenn Du sagst, Du hast die Probehose konstruiert und die passt, würde ich keine andere Konstruktion ausprobieren. Wenn es gut ist, mach es nicht besser ;)

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  • Hey,


    ich gebe als Mann 4cm Mehrweite auf die Hüfte. Davon gehen aber 3 Nähte, also rund 2,25cm, wieder weg. Bleiben also 1,75 übrig was auf den ganzen Hüftumfang dann 3,5cm ausmacht. Darunter passen ganz genau die Taschenbeutel, Unterwäsche, Unterhemd, Hemd. Bügelfalten ziehe ich in der Regel hinten nicht ganz hoch, sondern starte die Bügelfalten unmittelbar unter dem Gesäß. Vorne gehen sie nur durch, wenn ich Abnäher oder Bundfalten einbaue, sonst starten sie erst ab Leiste.


    Toshka... wie schön, dass du die Dressur erwähnst... bin ich nicht mehr so alleine damit ;)

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  • Toshka... wie schön, dass du die Dressur erwähnst... bin ich nicht mehr so alleine damit ;)


    Basti, ich bin ein flammender Anhänger der Dressur geworden :D Dank Dir! Du warst so überzeugend! (Nein, nicht nur. Eine Maßschneiderin hat mich mal zusammengestaucht)


    Du liest offensichtlich hier mit... Ich bitte unterwürfigst die Beschreibungen meiner Vorzüge großzügig zu überlesen :o :p


    Wenn ich mal Urlaub habe und Zeit (was nicht deckungsgleich ist ;)) konstruiere ich paar Sachen nach verschiedenen Methoden und mache paar Fotos. Schade, dass ich das Kleid nach Hofenbitzer weggeworfen habe.


  • ich gebe als Mann 4cm Mehrweite auf die Hüfte. Davon gehen aber 3 Nähte, also rund 2,25cm, wieder weg. Bleiben also 1,75 übrig was auf den ganzen Hüftumfang dann 3,5cm ausmacht.


    ich versteh jetzt nicht ganz, wieso durch die Nähte die Bequemlichkeitszugabe/Bewegungszugabe weniger wird.
    Und: Addierst du die 4cm zum Umfang oder zum halben Umfang oder je Schnittteil? Wieso werden aus den 1,75 zum Schluss wieder 3,5?


    Dressieren und Bügeln ist eh selbstverständlich, wenn man nicht zum ersten Mal Kleidungsstücke näht. (Ich bin nur beim Konstruieren Frischling.) Es hängt allerdings vom Material ab, wieviel Erfolg man davon erwarten kann.

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  • Ich konstruiere nach Müller, da wird der Hüftumfang bzw. Gesäßumfang aufgeschlüsselt und aufgegliedert. Auf die Vorderhose kommen jeweils 1cm Mehrweite. (Je nach Model, Jahrgang, Autor) Darin enthalten sind schon 1,5cm Nahtzugaben. Also 0,75 für die VM und wieder 0,75 auf die Seitennaht. Ergibt in der Vorderhose sogar ein Minus von 0,5cm. Die Vorderhose geht ja nicht bis über die Profilmitte des Menschen. Die Hinterhose wird später angeschlagen und die Differenz errechnet. Aber jetzt muss ich aufpassen, dass ich hier nicht zu viel erzähle. Es steht alles in den Büchern.... :zensiert:


    Wieso werden aus den 1,75 zum Schluss wieder 3,5?


    1,75cm sind pro Hälfte gerechnet. Also insgesamt habe ich später 3,5cm.

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  • Danke! Hier ging es mehr um den Grundschnitt und "normale" Hosen.


    Die Überzugshose habe ich an den Hüften um 5 cm weiter gemacht, im Schritt etwas tiefer ausgeschnitten (trage die Laufhose ja drunter) und ohne Abnäher + Hüftrundung, weil sie einen Gummizug bekommen hat. Bin damit schon 3 Mal Laufen und Nordic Walken gewesen.

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