Materialtipps u.ä für Mittelaltergewandung

  • Hallo ihr Lieben,

    hier sind ja auch ein paar unterwegs, die sich mit Gewandung ein wenig (oder ein wenig mehr) auskennen.

    Ich bin nicht ganz neu in dem Thema, hab uns alle schon benäht, aber größtenteils mit Ikeastoffen, also Baumwolle. Letztes Jahr gabs für meinen Mann und die Kinder immerhin nen sehr groben Leinenstoff, der Rest eher improvisiert. Für einen Marktbesuch reichts uns aber aus.


    Nur mein Kleid muss dringend überarbeitet werden. Also hab ich mir auf dem Stoffmarkt Leinenstoffe gegönnt. Naturfarben für untendrunter und dunkelrot fürs Überkleid. Bei letzterem bin ich mir aber total unsicher, ob der dafür nicht viel zu fein ist.


    Ich find nur allgemein die Angaben, dass Leinen, Wolle und Hanf gängig waren. Aner was denn nun für was? Und allzu teuer solls nun auch nicht werden, muss nicht mega authentisch sein! Also eher nochmal günstigeren, aber gröberen Leinenstoff fürs Überkleid holen oder ist feiner Leinenstoff dafür auch passend?


    Ich versuch heut abend oder morgen mal Bilder von den vorhandenen Stoffen zu machen.


    Vom Schnitt her wirds wieder mit Schlupfärmeln, also ab Mitte 13.Jhd.


    Mitte Juli brauch ich das Kleid, hab also noch ein bisschen Zeit für die Entscheidung.

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  • AgatheS

    Added the Label FRAGE
  • Welchen Stand hab ihr denn? Bauern? Handwerker? Kaufleute? Adel? (Kleriker als Familie schließ ich mal aus....)

    Wann seid ihr zeitlich angesiedelt? Das Mittelalter umfasst so runde 900 Jahre - da hat sich modemäßiges einiges getan.


    Je früher unterwegs, desto einfacher die Schnitte und auch je schlichter die Auszier und die Stoffe.

    Je niedriger der Stand, desto einfacher /schlichter Stoff, Schnitt und Auszier...


    Wolle wurde von allen getragen - je reicher, desto feiner das Wolltuch, desto besser veredelt und gefärbt und desto reicher bestickt (in extremo: Gold und Silber zu stickfeinen Fäden gezogen, Edelsteine, Knöpfe, Perlen.)

    Seide war durchaus auch bekannt, wurde auch getragen. Mindestens ab dem Hochmittelalter war Burrat - eine Mischung aus Seidenkettfäden und Wollschußfäden - durchaus auch für das reiche Bürgertum erschwinglich


    Leinen war eher aufwändig in der Herstellung, und von daher schon was für besser betuchte, Hanf und Nessel (Brennnessel liefert ebenfalls wunderbare Fasern) etwas günstiger.

    Verwendung bei allen 3 Fasern gleich.

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  • Ok, dann schau ich nochmal, was ich bekomme. Zeitlich wie gesagt, irgendwo um die Mitte/Ende 13. Jhd, einfach weil ich Schlupfärmel praktisch finde ;-) Mein Mann würde gern Wikinger machen, aber da mag ich die Frauenkleidung nicht. Wir sind also bunt gemischt. Die Kinder kriegen, was aus den Resten machbar ist.

  • Hier ein paar Bilder von den Leinenstoffen, die ich da habe bzw. wo ich vor Ort dran komme. Die Farben sind total verfälscht, tun ja aber auch grad nichts zur Sache. Bis auf das feine Leinen bekomme ich die vor Ort in verschiedenen Farben. Mir gehts eher um die Qualität bzw. die "Grobheit".


    Ich hoffe, man kann wenigstens einigermaßen was erkennen. Letztlich gibts 3 Feinheitsgrade bei den 3 Stoffen. Rot ist das feinste, dann lila, dann dunkelgrün.


    fein_rot_2.jpgfein_rot_1.jpgmittel_lila_2.jpgmittel_lila_1.jpggrob_gruen_2.jpggrob_gruen_1.jpg

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  • Rot war im MA die Farbe des Klerus und der Kaiser...also, wenn du das nicht bist....

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst.
    Voltaire
    Gruß
    Nanne

  • Schlicht nach Gefühl:

    1 und 2 ginge auch als (Unter)kleid einer bessergestellten Dame,

    das grün ist - rein von der Struktur - eher bäurisch.


    (Wobei mir der rote/erste fast schon zu fein und dicht wäre... )

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  • Rot war im 12./13.Jh die Farbe des Klerus und blau war Kaiser, König und höchstem Adel vorbehalten. Andere konnten sich das Blau zu der Zeit nicht leisten. Später konnten sich auch reiche Kaufleute, Handwerker und Großbauern das Bordeauxrot erlauben.

    Liebe Grüße

    Walter


    Bist Du wütend zähl bis vier, hilft das nicht dann explodier! Wilhelm Busch


  • Ok, danke für die Farbinfos. Wie gut, dass ich im letzten Sommer auch für Alltagsklamotten auf Leinen gekommen bin und das anderweitig verwerten kann :)


    Dann schau ich mal, in welcher Farbe ich den groben Stoff bekomme. Mag nur nicht die ganze Familie in der gleichen Farbe haben. Wenn ich mehreres zur Auswahl haben sollte...welche Farben gehen denn für "normalsterblich"? Find immer nur die Aussagen, dass es bunter war als angenomme und mit Naturfärbestoffen sehr viel mehr möglich ist, als nur erdig und dunkel.


    Habt ihr nen Link, welche Farben wer getragen hat? So um und bei 13. Jhd.

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  • Es geht alles, außer Karmin/Kardinalrot Violett und Indigoblau.

    Schau mal hier oder hier

    Grün, Gelb, alle Braun und Beigetöne und die Rot-,Blau-, und Violettvarianten die billig herzustellen waren.

    Liebe Grüße

    Walter


    Bist Du wütend zähl bis vier, hilft das nicht dann explodier! Wilhelm Busch


  • Waidblau war die Bauernfarbe...


    Bei den Farben gilt wie bei den Fasern: Je billiger herzustellen, desto niedriger im Stand der Träger...

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  • Krapprot ist heller als Karminrot, richtig?


    Gut, dass wir nicht authentisch unterwegs sind, ich bin grad dezent überfordert. Aber so ganz fies falsch ist ja auch doof.


    Danke schonmal füreure Hilfe soweit!

  • (Und weil ganz viele so halbrichtig unterwegs sind, gibt's inzwischen durchaus reichlich Märkte, wo Du als Besucher nur noch in "zivil" drauf kommst.)

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  • Keine Ahnung. So gut bin ich nicht im Thema.


    Aber es geht da - auch - um's Event-Gefühl.


    Markt im mittelalterlichen Umfeld - also Burg, oder ein historischer Marktplatz, Museumsdorf... jedenfalls definitiv Zugang geregelt. Das ganze drumherum sehr liebevoll und detailverliebt aufgemacht, die Händler und Gaukler stimmig (keine Armbanduhren sichtbar, keine Handys sichtbar, etc.), es wird klassisches z.B. Schmiedehandwerk vorgeführt, evtl. gibt's auch ein Tunier - und dann latscht wer durch's Bild, der bestenfalls als "Held in Strumpfhosen"* durchgeht: Turnschuhe, Kotte und Smartphone in der Pfote. Wenn weiblich, natürlich unbedeckte Haare (bestenfalls für sehr junge Mädchen akzeptabel) und die dann auch nicht unbedingt in naturfarben....

    Dann lieber die richtig aus der Zeit gefallenen mit Jeans und Karohemd und Westernhut auf'm Rücken.;)



    *Das ist ein Filmtitel.

    Eine 40er Jahre Hollywood-Robin-Hood-Verfilmung mit derart freiem Umgang mit dem Thema was die Kostüme anlangt... allein dafür ist das schon wieder sehenswert.

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  • Man findet aber halt auch zu allem zig verschiedene Meinungen. Auch zu den Haaren gibts genauso viele Artikel, die von unbedeckte Haaren schreiben wie von verschiedensten Kopfbedeckungen.

  • Da Haare waschen, wenn dreckig, ein echter Aufwand war (es gab weder fließend warm Wasser noch sowas wie 'nen Fön, auch Shampoo und Spülung waren noch lange nicht erfunden), waren Kopfbedeckungen einfach auch praktisch: Sie schützten und verbargen.

    Sie schützen u.a. vor herabrieselndem Deckenputz, aller Arten von Stäuben, Regen, Schnee, Wind. Und so manchem Ungeziefer...

    Mal ganz ab davon, das auch die Kopfbedeckung Standeszeichen war...

    (Das "unter die Haube kommen" kommt auch daher: Verheiratete Frau trug Haube - unverheiratete eher nicht.)

    Und es hieß nicht umsonst auch Kopfputz: Das war auch ein modischer Aspekt, den die Kopfbedeckung hatte.


    Mehr oder minder ganz ohne Kopfbedeckung rumzulaufen ist 'ne ziemlich neue Erfindung... sowohl bei Mann als auch Frau. (Wo bei Männer mit ihren Base-Caps doch wieder eher zu Kopfbedeckungen tendieren... die Mädels zeigen alles, womit sie locken können.)



    :oIch weiß, ich neig zum Klugscheißen.

    Mir geht's da auch nicht so sehr um Meinungen, sondern um nachgewiesene und erforschte Tatsachen.

    Also wenn schon egal welche Epoche darstellen, dann aber bitte so wissenschaftlich korrekt als möglich. Living history ist durchaus auch Spaß.

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  • Roggenmehl taugt sehr gut zum Haare waschen (auch mit kaltem Wasser), gabs auch damals schon. Wurde aber wahrscheinlich eher gegessen als fürs Waschen verschwendet ;-)

    Aber aufgrund meiner Haarlänge komm ich eh um Kopftuch o.ä. nicht herum.

    Ich find ja auch so richtig wie möglich toll! Aber ich steig grad echt nicht mehr durch :-D Ich werde mir vorm Besuch im Stoffladen nochmal die Farbtuben meines Mannes durchschauen und mir ein paar Farben mitnehmen (mindestens Carmin ist dabei), dann kann ich mit den Stoffen vor Ort vergleichen.


    Was ich bisher verstanden hab: blasses grün, waidblau und krapprot und brauntöne sollten auf jeden Fall ok sein? Wobei ich noch versuche rauszubekommen, wie krapprot denn nun aussah.


    Schwarz, Indigo und Carmin/Purpur/Scharlachrot gehen gar nicht, gelb fällt auch raus.

  • Wieso fällt gelb raus?

    Das war eine durchaus tragbare Farbe. Und nicht nur für die Huren... Iny Lorenz haben da echt was angerichtet...*soifz*


    Ja, mattere Naturtöne sind auf keinen Fall schlecht, wenn Du/Ihr eine besser gestellte Bauern (;)Freisassen)- oder einfache Handwerkerfamilie, ggf. auch Kleinkrämer darstellen wollt.

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  • Aber gelb war doch allgemein eher die Farbe von allen möglichen Außenseitergruppen? Hab ich zumindest auf verschiedenen Seiten gelesen.

  • Nein, auch wenn das aus den Köpfen kaum mehr rauszubekommen ist.


    Je nach Ort konnte ein billiges Gelb für die Kennzeichnung einer ausgegrenzten Gruppe dienen. Das war aber kein allgemeingültiges Muss.

    (Zumal der Übergang zwischen gelb und braun bzw.grün bei Pflanzenfarben ziemlich fliessend ist.)

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