Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, hat meistens ein Wohnhaus, eine Scheune und ggfs. einen oder zwei Ställe, einen Garten und einen Küchengarten. Es ist, meiner Meinung nach, schon eine Frage des zur Verfügung stehenden Platzes, wo die Nähmaschine steht.
In den Wohnhäusern meiner Verwandtschaft (überwiegend 5-Uhr-Bauern) gibt es entweder einen Haushaltsraum oder relativ wohnliche Waschküchen, in denen Waschmaschine, evtl. elektrischer Trockner, Wäscheständer, großer Tisch, Bügelplatz und Nähplatz, sowie Schrank oder Regale für die Wäsche (Waschpulver, Bügeleisen etc.) vorhanden ist. Das gehört seit Generationen einfach dazu und wird auch von den Jüngeren (16-25) ganz selbstverständlich mitgenutzt.
Hier steht die Nähmaschine oft in einem Nähschrank und wenn sie benötigt wird, wird der Nähschrank ausgeklappt. Witzig daran ist, daß bei der Verwandtschaft (ca. 40 bis 50 Jahre) aus uralten Nähschränken der Großeltern oft neuere Maschinen der oberen Qualitätsklassen auftauchen. In die alten Nähschränke hat ein Onkel (Schreiner) jeweils verschiedene Stufen und Platten eingebaut, so daß die Maschinen als Flachbett und in oberen Stufe als Freiarm genutzt werden können.
Keine meiner Cousinen bezeichnet das Nähen als Hobby, obwohl manche wirklich schicke Outfits zaubern. Für sie gehört das Nähen zur Hauswirtschaft, egal ob mit der Tochter zusammen ein ausgefallenes Kleid genäht wird oder Opa seinen Stallblaumann geflickt haben will. Und ich beneide alle, die das Nähen auf der Landwirtschaftschule gelernt haben.
Bei meiner städtischen Verwandtschaft gibt es kaum Nähmaschinen. Im Bekanntenkreis nähen nur 2 Frauen, deren Maschine überwiegend im Koffer und dann im Regal oder Kleiderschrank verschwinden. Sie haben in der Wohnung keinen eigenen Nähplatz, obwohl die Wohnung schon geräumig sind. Sie bezeichnen Nähen als ihr Hobby.
Vielleicht ist es einfach nur die aus der Ursprungsfamilie vermittelte Selbstverständlichkeit, daß Nähen Hauswirtschaft ist oder eben als Hobby gesehen wird.
