Ja, das ist mir durchaus bewußt. Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft. Aber zwei Monate einen vierstelligen Ausfall an Unkosten wuppen - das muss man sich erstmal leisten können. Dazu kommt, dass mir das Weihnachtsgeschäft fehlt - was wie jeder weiß, der umsatzstärkste Monat ist. Wenn dann noch wegen Krankheit ein Totalausfall von Ladenöffnung plus Absagen von (eingeplanten) Aufträgen dazu kommt - sorry, soviel Geld hab ich nicht auf der hohen Kante......
Dazu kommt noch ein weiterer Rattenschwanz: mir fehlen mittlerweile 5 Arbeitswochen. Das heißt im Klartext: hier fällt auch schon Vorbereitung für die nächste Messe weg. Das heißt wiederum: was ich auf der Messe nicht dabei habe, kann ich auch nicht verkaufen. Das heißt: weniger Umsatz und prozentual mehr Kosten der Messe. Auch das will erstmal weggesteckt werden.
Unternehmerisch planen ist nicht "ich mach halt mal zu". Bei einem Ladengeschäft in einem relativ kleinen Dorf kommt noch dazu, dass die Buschtrommeln sehr gut funktionieren. Und ist der Ruf erst ruiniert.... "die hat ja immer zu" - das hat meiner Vorgängerin (Kosmetik, Fußpflege, Nägel) das Genick gebrochen. Sie hatte oft zu weil sie Nachtschichten im Hotel Nebenjob hatte und dann einfach nicht aus dem Bett kam. Zettel an die Tür, ging nicht ans Telefon - verärgerte Kunden. Zu Recht. Klar hat jeder Verständnis, wenn man überhaupt nicht kann und krank ist. Aber der Ruf ist in so einem kleinen Städtchen gleich dahin - und den hab ich mir über 10 Jahre hart aufbauen müssen - das geb ich nicht wegen einem Schnupfen auf.
Und ganz ehrlich: ich mach das nicht, weil ich Langeweile habe und jeden Monat ja "nur meine Kosten wieder reinholen" will. Ich würd ganz gern am Ende auch noch was für mich bei rausholen - oder geht jemand von euch aus Jux und Dollerei die ganze Woche arbeiten und bringt am Ende vom Jahr noch Geld mit, weil er so tolle Arbeit gemacht hat? Und ja, dann steht man halt auch mal mit Schnupfen und Husten im Laden und trägt brav seine Maske und näht seine Aufträge.