Als nächste bügeln wir uns die entstandene Weite natürlich schön in das Armloch ein und nun gibt es zwei Wege: normalerweise würde ich nun die Schulterpolster einarbeiten und dann erst den Ärmel. Das könnte aber zu Verwirrung führen und gäbe vielleicht viel zu chaotische Bilder. Daher machen wir es diesmal ohne.
Unser Armloch ist fertig und jetzt brauchen wir Maße. Ich persönlich halte nichts davon, das Armloch an der Jacke zu vermessen. Ich bekomme da jedes mal neue Ergebnisse und ich verlasse mich lieber auf meinen Schnitt.
Armlochmessen.jpg
Dort messe ich den Armlochumfang und ziehe 1cm ab, den habe ich ja im Rücken eingehalten. Ich komme auf 54,2 cm. Den teile ich durch 3 und habe meine Kugelhöhe, die für die Konstruktion ausreichend wäre. Es gibt da auch ganz komplizierte Formeln
aber 1/3 des Armlochumfangs ist immer eine gute Orientierung. Zur Sichertheit kann man (in grün) die Rückenhöhe aus beiden Teilen addieren, diese halbieren und das Ergebnis als Formelwert für die Kugelhöhe nutzen. Müller...
Was zur Hölle ist die Kugelhöhe?
Ganz banal gesagt, ist sie die Höhe des Armloches am Ärmel. Je höher die Kugel, desto schmaler, enger und eleganter wird der Ärmel. Der Ärmelsaum wandert weiter zum Körper. Eine flachere Armkugel ergibt einen breiteren Ärmel, bringt Bequemlichkeit, zieht den Ärmelsaum allergins weg vom Körper und der Ärmel wird im Kugelbereich unruhig wirken. Daher noch mal: 1/3 Armlochumfang ist immer ein ausgewogenes Ergebnis und dient als Orientierung.
Der halbe Armlochumfang gibt mir die Ärmelbreite. Als Kugelhöhe für meine Konstruktion nehme ich allerdings 19cm, da ich eine Kugel haben möchte, die etwas über den Schulter hinausragt und eine vernünftige Krone bildet und platz für meine Wattierung schafft. Dazu später mehr.
Fertiger Schnitt.jpg
Ich kontrolliere die Mehrweite. Die Mehrweite ist eines der wichtigsten Zahnrädchen. Nimmt man zuviel, bekommt man den Ärmel nicht vernünftig eingearbeitet, nimmt man zu wenig, gibt es Querzüge über die Kugel und unbequem wird das ganz auch. Dann ist das Material auch immer ausschlaggebend. Ich habe hier einen 400gr Flannell, der einiges zulässt. Mein Ärmel hier hat nun 6,5cm Mehrweite. Würden wir ein Sakko aus einem dünnen modernen Material arbeiten ist meist 3cm schon zu viel. Das sind Erfahrungswerte. Grundsätzlich lässt sich die Mehrweite über zwei Wege regulieren. Erstens über die hintere Naht. Dort kann man den Ärmel (genug Einschlag vorausgesetzt) aufdrehen und auch zudrehen. Im Schnitt kann man vom Mittelpunkt der Kugel bis in die rechte Saumspitze einschneiden und den Ärmel oben auf-, oder zudrehen ohne die Kugelhöhe zu verändern.
Wenn der Ärmel konstruiert wurde, schneide ich mir einen Nesselärmel zu und achte darauf, dass der absolut genau gearbeitet wird. Sonst nützt mir der Nessel nichts.
Fertiger Nessel.jpg
Jetzt muss der Ärmel ja irgendwie in das Armloch. Wo fange ich an? Woran orientiere ich mich?
Ich markiere 1,5 cm vor der Seitenteilnaht am Torso die Unterarmnaht des Ärmels. Wenn man mit Fertigschnitten arbeitet, hat man Markierungen bereits im Schnitt. Für eure Jacken empfehle ich diese über eine Puppe zu hängen und dann mit dem Nesselärmel durch einfaches Anhalten den Fall des Ärmels zu bestimmen und somit das erste Einhaltezeichen herauszufinden. Wie weit nach vorne oder nach hinten der Ärmel fallen muss hängt eben immer von der Person ab. Bei den Herrensakkos ist dieses Zeichen eben meistens 1,5 cm vor der Seitenteilnaht.
Markierung.jpg
Bei der Anrpobe des Torsos habe ich mir den Mittelpunkt der Schulter markiert. Bei diesem Sakko ist dies auch gleichzeitig die Schulternaht. Von diesem Punkt mache ich mir rechts und links jeweils 6 cm entfernt eine Markierung. Bei etwas kräftigeren Armen kann man natürlich den Abstand auch vergrößern oder bei den Damen veringern. 6 cm ist bloß wieder eine Magic Number.
Markierungen.jpg
Nun stecke ich die untere Ärmelnaht auf meine Makierung
Stecken1.jpg
und wandere die ersten vier bis fünf Zentimeter, sprich die stärkste Rundung des Ärmels nach vorn und stecke hier glatt. Bitte unbedingt daran denken auf der späteren NAHT zu stecken. Lasst euch von den Schnittkanten nicht irritieren. Jetzt wandere ich weiter bis zum ersten Einhaltezeichen und schiebe den Ärmel wieder gut einen halben Zentimeter zurück um den Ärmel im vorderen Bereich nicht stramm einzuarbeiten, aber genug Platz für den Fisch bekomme.
Stecken2.jpg
Jetzt gehe ich wieder zu meinem Einsatzzeichen unter der Achsel und wandere glatt nach hinten bis zum rückwärtigen Einhaltezeichen und stecke mir dort den Ärmel ebenfalls. Jetzt habt ihr die restliche Weite zwischen beiden Zeichen.
Wohin Weite.jpg
Die Weite teilt ihr jetzt und legt die Mitte auf euren Schultermittelpunkt und verteilt nun sie zwischen den Nadeln indem ihr den Ärmel einmal komplett einreiht.
Einheften.jpg

