Overlock-Maschine

  • Overlock versus Nähmaschine - Eine Übersicht. Ich stelle hier mal Overlock und Nähmaschine einander gegenüber, sowohl technisch als auch nähtechnisch.

    Oft fragen sich gerade Nähanfänger: Was ist denn eigentlich eine Overlock bzw. Overlockmaschine? Und wenn dann auch noch ein Nähmaschinenhänder, bei dem man eigentlich eine neue Nähmaschine kaufen wollte "Kaufen Sie doch lieber eine Overlock!", dann ist die Verwirrung komplett. Ich versuche mal, diese Verwirrung aufzulösen.


    Erst einmal das aus meiner Sicht Wichtigste: Eine Overlockmaschine ist kein Ersatz für eine Nähmaschine.


    Mit einer Nähmaschinen kann man grundsätzlich alles nähen, auch alles, wofür man eine Overlockmaschine nutzt, aber letztere kann manches einfacher und schneller machen. Aber mal etwas konkreter:


    Eine Overlockmaschine ist sozusagen das Überraschungsei der Hobbyschneiderin: "Das sind ja drei Dinge auf einmal!". Sie kann nämlich einen Stoff zusammennähen, versäubern und gleichzeitig die überflüssige Nahtzugabe abschneiden. Dabei näht sie normalerweise mit einer oder zwei paralleln Nadeln , die von oben in den Stoff stechen, und zwei Greifern, die die einem Unterfaden entsprechenden Greiferfäden um die Kante schlingen und diese dadurch versäubern . Damit diese Kante immer gleich breit ist, schneidet ein Messer sie in konstanter Breite ab.


    Es gibt jetzt für diese Nähte grundsätzlich zwei Anwendungen:

    • Ich kann damit eine Nahtzugabe versäubern, so dass mein Stoff nicht mehr ausfranst. Da die Greiferfäden schön eng eingestellt werden können, gibt das auch bei sehr fusseligen Stoffen wie Cord oder Frottee eine saubere Nahtzugabe, und an fluffigen Stoffen wie Fleece wird sie schön flach, was schön sein kann, wenn man Nähte anschließend noch einmal absteppen will.
    • Ich kann aber auch gleich mehrer Lagen Stoff unter die Maschine legen und so eine Naht nähen. Damit nähe ich gleichzeitig zusammen und versäubere.

    Ein weiterer Vorteil ist der Differentialtransport, den die guten Maschinen haben. Damit lässt sich einstellen, wie der Stoff transportiert wird.


    • Wenn ich einen Stoff habe, der sich ungewünscht gerne mal dehnt, wie zum Beispiel Jersey, dann kann ich ihn beim Nähen ein wenig "stauchen" und so daran hindern, sich zu dehnen.
    • Wenn ich das mit einem Webstoff mache, kann ich ihn auf die Art und Weise ein wenig einäruseln.
    • Wenn ich umgekehrt den Differentialtransport so einstelle, dass der Stoff bewusst gedehnt wird, so erhalte ich Wellensäume, was ein netter Effekt sein kann.


    Die Art der Naht, die eine Overlockmaschine macht, muss für eine Näharbeit gut geplant werden, da es ein paar Knackpunkte gibt:

    • Kurven und Ecken sind schwieriger zu nähen, da man ja nicht wie bei einer Nähmaschinennaht einfach um den Punkt, in dem die Nadel steckt, drehen kann, denn die Naht hat ja eine gewisse Breite.
    • Man hat nicht nur ein oder zwei Fäden, deren Fadenspannung man einstellen muss, sondern gleich vier. Diese müssen auf Nahtbreite, Stoff und Faden angepasst werden. Aber mit etwas Übung bekommt man den Bogen ganz gut raus.Bei zu fester Fadenspannung reisst eine Naht gerne mal, bei zu lockerer Spannung zieht sich die Naht an einem Kleidungsstück gerne mal auseinander, was nicht schön aussieht.
    • Mit mehreren Lagen Jeans tun sich die Maschinen manchmal schwer. Daher sollte man überlegen, in welcher Reihenfolge man etwas zusammennäht.
    • Eine Overlocknaht ist etwas kniffeliger zu trennen. Aber Resi hat hier schön beschrieben, wie das geht.

    Es gibt allerdings viele Dinge, die eine Overlock nicht kann, für die man also eine Nähmaschine braucht:


    • Knopflöcher nähen
    • eine Naht ohne gleichzeitiges Versäubern nähen
    • Heften
    • Stopfen
    • Einfassungen, Blenden, Schrägband annähen
    • eine Naht mitten im Stoff nähen, wie man es z.B. zum Absteppen oder für einen Saum benötig

    Für Säume gibt es die sogenannten Covernähte, für die es wieder spezielle Covermaschinen gibt. Hier ist kein Messer im Spiel, die Nadeln nähen auf der Stoff-Oberseite zwei oder drei parallele Nähte, während die Greiferfäden diese auf der Unterseite miteinander verbinden und evtl. existierende Stoffkanten dabei versäubern. Eine Maschine, die sowohl Overlocknähte als auch Covernähte nähen kann, wird Coverlock(-maschine) genannt.


    Ich schrieb oben, dass man mit einer Nähmaschine grundsätzlich alles nähen kann, was ich mit einer Overlockmaschine nähen kann, aber nicht umgekehrt. Was mache ich denn jetzt am besten mit welcher Maschine?


    Die Vorteile einer Overlock bzw. einer Covermaschine sind die folgenden:


    • Sie nähen nicht nur grundsätzlich sehr schnell, sondern sparen auch durch das Drei-in-Eins einiges an Zeit.
    • Die Nähte sind -je nach Einstellung- elastisch, was sie sehr gut geeignet macht für elastische und Strickstoffe.Es ist bei Stoffen wie Jersey, Badeanzugstoffen und ähnlichem leichter, die Maschine passend einzustellen als bei einer Nähmaschine. Bei letzterer muss man teilweise ordentlich tricksen, wie z.B. hier zu finden.
    • Manche Hobbyschneiderin mag das Aussehen der Nähte, die wie aus der Industrie aussehen, aber das ist persönliches Empfinden.

    Nähmaschinen werden oft damit angepriesen, dass sie einen Overlockstich (oder mehrere) hätten. Genaugenommen sind das Stiche, die eine Overlock simulieren, mehr aber auch nicht. Diese Stiche sehen dann z.B. so aus:


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    Dieser Stich ist ebenfalls gut geeignet, um gleichzeitig zu versäubern und zusammenzunähen, und er ist leicht elastisch. Aber die Nahtzugabe zurückschneiden muss man trotzdem noch selbst. Wenn eine Nähmaschine gut eingestellt ist und man den ein oder anderen Trick wie verlinkt verwendet, dann kann man auch kniffelige Materialien prima mit ihr verarbeiten, es dauert nur vielleicht ein klein wenig länger.


    Einige Overlock- bzw. Covermaschinen können spezielle Nähte machen, die für manche Verwendungszwecke hilfreich oder auch einfach nett anzuschauen sind.


    • Mit einem Rollsaum kann man die Stoffkante eng einfassen. Kombiniert mit einem dehnenden Differentialtransport kann damit ein schöner Wellensaum entstehen, z.B. für einen luftigen Chiffonrock. Auf der Nähmaschine erreicht man den Effekt mit einem Zigzagstich mit kurzer Stichlänge und durch Dehnen des Stoffes mit der Hand beim Führen.
    • Ein Kettenstich zum Zusammennähen (gern kombiniert mit einer Dreifaden-Overlocknaht zum Versäubern ) ist eine elastische Naht, die sich aber auch sehr gut trennen lässt. Auf der Nähmaschine verwendet man statt desse entweder einen schmalen Zigzag oder einen Gradstich, je nach Anwendung.
    • Eine Flatflocknaht ist sowohl zum Verbinden von Stoffen mit möglichst flacher Naht (z.B. für Unterwäsche oder Sportbekleidung, die nicht reiben soll) als auch für Säume geeignet. Sie hat ein bestimmtes Aussehen, das sich selten durch einen Nähmaschinenstich ersetzen lässt (die ein oder andere hat einen ähnlich aussehenden Zierstich). Auf der Nähmaschine lassen sich diese Anwendungen entweder durch Zierstiche (z.B. übereinandergelegte und dann mit einem Stich wie dem Overlockstich oder dem Wabenstich genähte Nähte) oder andere Saumverarbeitungen (einfach gesteppt oder Blindsaum) erledigen.

    Es gibt immer wieder spannenden Diskussionen, ob die Overlock jetzt zur guten Verarbeitung dazugehört, weil diese Art der Nähte in der Industrie verwendet werden, oder ob dem gerade nicht so ist, weil die Couture sie nicht verwendet, sondern lieber Hongkong-Einfassungen und Co. nutzt. Aber das sollte und vor allen Dingen darf jeder selbst für sich entscheiden. Overlockmaschinen sind jedenfalls eine tolle Erfindung, aber halt trotzdem nicht für jeden sinnvoll oder gar notwendig.


    Ob eine Overlock sinnvoll ist, hängt sehr davon ab, was man näht. Hier sind mal ein paar Beispiele:


    • Blusen und Hemden verarbeite ich gern mit Kappnähten, und alles andere ist ebenfalls ein Fall für die Nähmaschine. Ohne Kappnähte wären es maximal die Schulternähte und Seitennähte. Für das Einsetzen der Ärmel stecke ich immer mit viele Nadeln und nähe dann über die Nadeln hinweg. Das ginge mit einer Overlock nicht.
    • Jacken und Mäntel werden normalerweise gefüttert. Da entfällt das Versäubern. Eine breite Nahtzugabe, über die man die Passform noch anpassen kann, ist hier sehr sinnvoll. Und wenn ich dann die Passform habe und daher die Nähte sitzen, dann muss ich nicht noch einmal mit der Overlock drübergehen, da ja ein Futter reinkommt und die Nahtzugaben abdeckt.
    • Dessous sind mit zu fummelig für die Overlock. Bei den kurzen Nähten und kleinen Ecken kann ich besser mit der Nähmaschine hantieren.
    • Meine lange Unterwäsche und Fleecejacken für Sport und Segeln sind super mit der Overlock zu nähen. Es geht schnell, und ich finde, dass die Verarbeitungsart gut zu Sportkleidung passt. Außerdem werden die Nahtzugaben damit relativ flach.
    • Wenn ich mal schnell aus einem Stoffrest einen Beutel für eine Geschenkverpackung nähen will, brauche ich mit der Overlock nur halb so lange, und da ist mir die Innenverarbeitung egal.
    • Bei einer Hose oder einem Rock schaut mir niemand auf die Nähte, so dass ich hier gut mit der Overlock arbeiten kann. Die wichtigen Nähte nähe ich aber lieber mit der Nähmaschine , damit sie auch halten, und versäubere dann nur mit der Overlock.
    • Feine Säume in Seide oder ähnlichem rolliere ich tatsächlich von Hand. Ich mag das Aussehen von Overlocknähten nicht, so dass sie bei mir nur innen in einem Kleidungsstück auftauchen dürfen.
    • Wenn man eine Kordel mit einer Overlocknaht "übernäht", entsteht ein wirklich schönes Zierband, mit dem man entweder sein Geschenk verpacken oder es als Dekor irgendwo aufnähen kann.

    Auch hier gilt natürlich: Jeder hat seinen eigenen Geschmack, und es gibt nirgends die korrekte Verarbeitungsweise, sondern immer viele Möglichkeiten.


    Verfasser: Wirbelwind, 03.02.2013, überarbeitet Admininistrator 16.12.2018

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