Sonderausstellung im LVR-Industriemuseum in Euskirchen zeigt rasanten Modewandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Seit dem 17. Februar 2019 zeigt die neue Sonderausstellung „Mythos Neue Frau – Mode zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik“ im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller die Gründe für die Entstehung des Mythos „Neue Frau“ auf und stellt den Modewandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen vor.


Modernisierung aller Lebensbereiche

Schon vor dem Ersten Weltkrieg hielt eine nie gekannte Modernisierung aller Lebensbereiche die Gesellschaft in Atem. Straßenbahnen, Automobile und Fahrräder versprachen eine neue Form der Mobilität. Auch die Arbeitswelt war in den Strudel der rasanten Veränderungen einbezogen. Immer mehr Frauen arbeiteten nicht nur in den Fabriken, sondern auch in den Telefonzentralen, Kaufhäusern oder Büros, als Lehrerin oder Laborantin. Ob am Arbeitsplatz, beim Einstieg in die Straßenbahn oder auf der Rolltreppe im Warenhaus, die Frauen waren für die neuen Lebensumstände noch völlig unpassend angezogen. Die großen und einengenden Roben des Kaiserreichs passten nicht mehr in die modernisierte Welt, Kleidung musste funktionaler werden.


Kleider für die Sommerfrische, Ende des 19. Jahrhunderts. Foto: Jürgen Hoffmann © LVR-Industriemuseum


Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Der Erste Weltkrieg erschütterte die Gesellschaft. Er stellte die politischen Verhältnisse auf den Kopf und hatte ebenso seinen Anteil an den großen Veränderungen des Bekleidungsmusters. Textilien unterlagen der Kriegswirtschaft und wurden für das Militär beschlagnahmt. Ein extremer Mangel an der „Heimatfront“ war die Folge. Das führte einerseits zum erzwungenen Konsumverzicht, andererseits zu einem neuen, puristischen Modestil. Auch nach dem Krieg blieb es bei dem sparsamen Einsatz von Stoff in der Modebranche und so avancierte das kleine, kurze Charlestonkleid zu einem modischen „must-have“.


Charlestonkleider mit Laméstickerei und Chasuble, Mitte der 1920er Jahre. Foto: Jürgen Hoffmann © LVR-Industriemuseum


Die Ausstellung

Die Ausstellung zeigt auf, wie Mode und Kleidung in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf die schnellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen reagierten. Die Mode passte sich der sich wandelnden Gesellschaft an, fand neue Formen für einen vereinfachten Kleidungsstil, der den Anforderungen des modernen Lebens entsprach. Die alten Zöpfe wurden abgeschnitten. Frauen legten Korsett und mehrere Lagen Unterröcke ab, die Röcke wurden kürzer, die Stoffe leichter. Reißverschluss und Druckknöpfe ersetzten Haken und Ösen sowie lästige Schnürungen. Die Kleidung wurde zweckmäßiger, sachlicher und ließ ihren Trägerinnen und Trägern immer mehr Bewegungsfreiheit. Rationalisierung und Tempo, die Leitmotive der 1920er Jahre, spiegeln sich in der Kleidung der Frauen, Männer und Kinder wider.


Vom Charlestonkleid bis zum Autofahrerinnenmantel

Mehr als 130 Originalkostüme und viele weitere historische Exponate, Objekte aus dem Alltag sowie zahlreiche Fotografien und zeitgenössisches Filmmaterial lassen die Zeit zwischen 1900 und 1930 wieder lebendig werden. Die Klassiker der Mode der 1920er Jahre, der sogenannte ‚Stresemann‘ und Charlestonkleider, sind ebenso vertreten wie die Reformkleider der 1910er Jahre, Sportbekleidung für Frauen und ein ausgefallener Autofahrerinnen-Mantel.


Tageskleid mit Rundfunkwellenmotiv, 1920er Jahre. Foto: Jürgen Hoffmann © LVR-Industriemuseum


Kooperation

Die Ausstellung entstand im LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford in Ratingen in Kooperation mit dem LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt und mit Unterstützung des Ruhr Museums Essen.


Bauhaus-Jubiläum in NRW

„Mythos Neue Frau“ ist Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW. „100 jahre bauhaus im westen“ ist ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Schirmherrin ist Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.


Zur Ausstellung ist ein Begleitkatalog zum Preis von 9,95 € erschienen.


Weitere Infos auf www.mythosneuefrau.lvr.de


LVR-Industriemuseum

Tuchfabrik Müller

Carl-Koenen-Straße

53881 Euskirchen-Kuchenheim


Laufzeit: 17.2.2019 – 17.11.2019


Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags 11 – 18 Uhr


Eintrittspreise: 4 €, ermäßigt 3 €, Kombiticket 9 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.

Führungen: 45 € pro Gruppe

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.


Besucherinfos und Buchungen von Führungen: bei kulturinfo rheinland unter

Tel.: 02234/9921–555 (Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10–15 Uhr)

Mail: info@kulturinfo-rheinland.de

    Comments 2

    • Das klingt sehr interessant, wahrscheinlich muss ich in nächster Zeit nach Wuppertal für ein paar Tage und könnte das mit diesem Museumsbesuch verbinden.

      Naja, der Sommer ist noch lang ☺

    • liebe Anne, danke für den Hinweiß.

      Ist bisher an mir vorbei gegangen, die Ausstellung werde ich auf jeden Fall noch besuchen.


      LG


      Cora

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